Full text: München als Industriestadt

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betriebe. In Bayern war unter dem Zusammenwirken eigen 
tümlicher Umstände das Braurecht landesherrliches Regal ge 
worden und wurde entweder nur von Fall zu Fall „gnaden 
weise“ als Lehen vergeben unter Befolgung des Satzes „Kunst 
erbt nicht“ oder es wurde wie das Brauen von „weißem 
Weizenbier“ ausschließlich in eigener landesfürstlicher Regie 
betrieben. Selbst im Besitze zahlreicher Brauereien hatten 
Bayerns Flerrscher ein sehr konkretes Interesse an dem guten 
Zustande der Brauerei und es unterliegt keinem Zweifel, daß 
gerade die Blüte der damaligen Bierbrauereibetriebe in Nord 
deutschland für sie vorbildlich gewesen ist, auch in ihren Lan 
den diesen Nahrungszweig auf eine gleich hohe Stufe zu heben. 
Es war gewissermaßen ein geschichtlich entscheidender Mo 
ment, als der kurfürstliche Hof, der bei dem mangelhaften 
Zustande des derzeitigen Brauwesens in München seinen Bier 
bedarf aus Norddeutschland und Sachsen bezog, sich entschloß, 
im Jahre 1614 einen „Ainbecker“ Braumeister kommen zu 
lassen, um selbst im eigenen Hofbräuhause, das schon 1589 
gegründet worden war und nur für den Bedarf des Hofes 
braute, Bier nach „Ainpöckischer“ Art brauen zu lassen. Diese 
Art des Bieres gilt heute als der Urtypus des Münchener 
Bieres. Von dieser Zeit an beginnt für das bayerische und 
speziell für das Münchener Braugewerbe ein rascher Auf 
schwung, wenn auch festgestellt werden muß, daß diese Ent 
wicklung schwer erkämpft wurde; denn mehr als jede andere 
Industrie war die Braunahrung gebunden in altem zopfigen 
Herkommen, gefesselt durch Biertaxe, durch Zwangswirte und 
eine brauberechtigte Bürgerschaft, welche den Geldbeutel wohl 
noch offen hielt, das Brauen aber längst nicht mehr verstand. 
Die kräftige Entwicklung des Münchener Braugewerbes datiert 
erst aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie beginnt 
erst mit der befreiend wirkenden Gewerbegesetzgebung und 
dem Zeitpunkt, indem das untergärige Münchener Brauver 
fahren entstand und aus dem Handwerk die Industrie her 
vorging. Der Mann, der in dieser Zeit mit genialem Blick 
die technischen Fortschritte der damals schon hochstehenden 
englischen Brauerei für seine Münchener Braukunst nutzbar 
gemacht hat, war Gabriel Sedlmayr, der Sohn einer Mün-
	        
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