Object: Schutz dem Arbeiter!

demokratischen Agitation dankbare Angriffspunkte zu bieten, zu beseitigen. 
Den Industriellen kann es auch wahrlich nicht gleichgültig sein, ob 
Familiensinn, Pietät, Treue und Glaube herrscht, oder aber das Volk 
physisch und sittlich verkommt und in dumpfer Verzweiflung oder bitterer 
Rache den Worten der Verführung lauscht und denen zu folgen bereit ist, 
welche vom kommenden Umsturz das Heil erwarten. Die Industriellen 
können sich auch am wenigsten der Einsicht verschließen, daß auf diesem Ge 
biete die Industrie solidarisch ist; daß der einzelne Arbeitgeber 
verhältnißmäßig machtlos, durch die Bedingungen der Concurrenz ge 
bunden ist, und daß nur durch eine allgemein gültige gesetzliche Re 
gelung die Ziele des Arbeiterschntzes gesichert werden können, daß der 
gesetzliche Arbeiterschntz nicht bloß zum Schutze der Arbeiter, sondern 
zugleich auch zum Schutz der wohlwollenden Industriellen ge 
fördert werden muß gegenüber solchen Arbeitgebern, welche durch gewissen 
lose Ausbeutung der Arbeitskräfte ihre Productionskosten Herabdrücken 
und so die Products zu einem Preise auf den Markt zu bringen in der 
Lage sind, daß jene nicht mehr bestehen können. Es kann deshalb auch 
nur einseitiges Stand es-Vo rurtheil, mehr die instinctive Abneigung 
gegen jede Einmischung, „Bevormundung" des Staates und mangelnde 
Bekanntschaft mit den Fragen, als bewußte Einsicht sein, wenn die In 
dustriellen diesen Gesichtspunkten bisher sich noch so verschlossen und nur erst 
eine verhältnißmäßig kleine Minorität sich mit den Bestrebungen des 
Arbeiterschutzes befreundet hat. 
Praktische Klugh eit und Standesehre gebieten den Industriellen 
in gleicher Weise, den bisherigen Standpunkt negativer Kritik und 
unfruchtbarer Opposition aufzugeben. In allen Culturstaaten 
steht der Ausbau der Arbeiterschutz-Gesetzgebung auf der Tagesordnung, 
ist derselbe in siegreichem Vordringen; auch in Deutschland wird derselbe 
kommen, entweder mit den Industriellen oder gegen die In 
dustriellen. Regierungen wie Parteien sind bereit, deren Urtheilen, deren 
Vorschlägen und Wünschen Rechnung zu tragen — wenn sie bereit 
si nd, positiv mitzuwir ken ; andernfalls aber wird man über ihre 
„Gutachten" und Eingaben zur Tagesordnung übergehen, so daß die 
selben ihnen nur den berechtigten Spott und Hohn der Social-Demokraten 
eintragen. Oder ist das vielleicht geeignet, die Ehre und das öffentliche 
Ansehen des deutschen Jndustriellen-Standes zu heben, wenn in 
der Reichstags-Session von 1887 zahlreiche industrielle Verbände 
und Handelskammern — u. A. auch der sogenannte „Central- 
Verb and deutscher Industriellen" — angeblich im Namen der 
„deutschen Industrie" die Arbeiterschutz-Anträge der Commission in hef 
tigster Weise bekämpften und dann fast vom ganzen deutschen
	        
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