thumbs : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

Sachsen:  Vogtland  —  Markneukirchen.

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Eigentliche  Fabrikanten  gibt  es  nur  vier  oder  fünf.  Dafür  übergibt ­
  es  eine  große  Zahl  Händler,  die  sich  aber  stramm  als  Fabrikanten
bezeichnen,  obwohl  außer  einein  Packer  in  ihrem  „Betrieb"  nicht  ein
einziger  Arbeiter  beschäftigt  wird.  Diese  „Fabrikanten"  liefern  daher
auch  alle  Sorten  Musikinstrumente,  solche  aus  Holz  sowohl  wie  solche
aus  Metall.  Sie  haben  nicht  das  geringste  Risiko  und  verdienen  dabei
Unsummen.  Haben  sie  Bestellungen,  so  gehen  sie  ganz  einfach  zu  den
betreffenden  Arbeitern  und  lassen  das  Gewünschte  anfertigen.  Gehen
keine  Bestellungen  ein,  so  erwachsen  ihnen  nicht  die  geringsten  Verluste,
ivenn  sie  nicht  produzieren  lassen.  Wenn  sie  nun  dem  Arbeiter  einen
Auftrag  erteilen,  so  wird  ihrerseits  Tag  und  Stunde  der  Ablieferung
sowie  der  Preis  festgesetzt.  Das  Liefern  wird  von  den  Frauen  besorgt,
weil  die  Männer  keine  Minute  Zeit  zu  verlieren  haben.  Der  Liefertag
ist  für  die  armen  Weiber  ein  Tag  des  Schreckens  und  mit  Zittern  und
Zagen  legen  sie  den  Weg  zkim  Fabrikanteik  zurück.  Hat  sich  die  Arbeit
etwas  verzögert  und  sie  kommen  eine  halbe  oder  eine  ganze  Stunde
später,  so  wird  ihnen  sehr  oft  gesagt:  „Wir  können  die  Arbeit  nicht
mehr  brauchen,  die  Sendung  ist  fort,"  obwohl  dies  gar  nicht  wahr  ist.
Man  wartet  gerade  noch  auf  diese  Arbeit,  um  die  Sendung  zu  ergänzen. ­
  Trotzdem  heißt  es:  „Wir  haben,  genug  solches  Gelump  daliegen, ­
  müssen  unser  Geld  auch  verzinsen!"  lind  nun  geht  ein  Feilschen
los.  Es  wird  so  und  so  viel  weniger  geboten.  Wenn  auch  die  armen
Frauen  weinen,  ein  paar  Mark  werden  doch  noch  heruntergedrückt.
Denn  ivas  wollen  sie  machen?  Werden  sie  die  Arbeit  nicht  los,  so
fehlt  es  nicht  bloß  an  Geld  zum  Leben,  sondern  auch  an  der  Möglichkeit, ­
  die  nächste  Woche  arbeiten  zu  können,  denn  die  Auslagen  kosten
das  meiste  von  dein  erhaltenen  Gelde,  mitunter  zwei  Drittel  bis  drei
Viertel  des  ganzen  Betrags.  Kommen  sie  nun  nach  Hause  und  bringen
weniger  Geld,  so  wird  der  Mann  wütend  und  läßt  in  seinem  Unverstand ­
  seinen  Zorn  an  der  unglücklichen  Frau  aus.  Wird  pünktlich
geliefert,  so  finden  die  Fabrikanten  andere  Gründe,  um  Abzüge  machen
zu  können.  Diese  Künstler  führen  ein  elendes  Leben,  nicht  wert,  gelebt
zu  werden.  Denn  ein  Kunsthandwerk  ist  es  zweifellos,  ivas  hier  betrieben ­
  wird.  Ist  die  Arbeit  in  Klingenthal  an  den  Harmonikas  immerhin ­
  eine  rein  mechanische,  wo  ein  Stück  wird  wie  das  andere,  so  kommt
hier  die  Eigenart  des  Arbeiters  völlig  zur  Geltung,  und  jedes  Jnstrument
  fällt  anders  aus.  Besonders  bei  den  Geigen  ist  dies  der  Fall.
Der  Arbeiter  ist  allerdings  nicht  in  der  Lage,  seine  Arbeit  prüfen  zu
können.  Dies  läßt  der  „Fabrikant"  besorgen.  Er  hat  seinen  Stimmer,
der  die  Instrumente  spielt.  Sind  nun  Instrumente  dabei,  die  bessere
oder  hervorragend  schöne  Töne  geben,  so  werden  diese  auf  die  Seite
gelegt  und  für  bedeutend  höheren  Preis  als  üblich  verkauft.  So  kommt
es  vor,  daß  für  Geigen,  welche  der  „Fabrikant"  mit  5,  6  oder  7  Mk.
bezahlt  hat,  ein  Preis  von  50,  60,  ja,  bis  100  Mk.  erzielt  wird.
Der  Arbeiter  bekommt  aber  deswegen  keinen  Pfennig  mehr.  Es  kann
vorkommen,  daß  bei  einer  Lieferung  von  sechs  Stück  zwei  oder  drei
solche  Exemplare  dabei  sind.  Wie  ist  nun  der  Verdienst  dieser  Künstler
beschaffen?  Bei  angestrengter  Arbeit  wird  8  bis  12  Mk.  pro  Woche  verdient. ­
  Einzelne  verdienen  vielleicht  etwas  mehr,  aber  bedeutend  ist  es  nicht.
            
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