Full text : Die Heimarbeit und ihre Verbreitung in der Metallindustrie

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Die  Heimarbeiter  und  ihre  Verbreitung  in  der  Metallindustrie.

von  50  Pf.,  während  die  Tochter  bei  gleicher  Arbeitszeit  70  Pf.  täglich
verdient,  und  davon  muffen  die  beiden  noch  zwei  Kinder  der  Tochter
miternähren.  Für  das  Stiftemachen  gibt  es  für  40  Dutzend  Harmonikas
je  nachdem  1,20  bis  1,40  Mk.  Den  Draht  zu  den  Stiften  müssen  die
Leute  selbst  kaufen  und  wird  zu  40  Dutzend  Harmonikas  für  50  bis
60  Pf.  Draht  gebraucht.
Zwei  andere  Frauen,  Mutter  ilnd  Tochter,  richteten  zusammen.
Bei  einer  Arbeitszeit  von  morgens  5  oder  6  Uhr  bis  abends  9  Uhr
konnten  sie  zusammen  40  Dutzend  Harmonikas  pro  Woche  richten,  wofür
sie  4,80  Mk.  bekamen.
Solche  Beispiele  wären  noch  sehr  viele  anzuführen.  Eine  Statistik
würde,  wenn  sie  sorgfältig  vorgenoinmen  ivird,  diese  erschreckenden  Zustände ­
  ziffernmäßig  nachweisen  können.
Diese  Arbeiter  find  als  selbständige  Unternehmer  weder  gegen
Krankheit  noch  Alter  und  Invalidität  versichert.  Die  Kinderarbeit  ist
trotz  aller  gesetzlichen  Bestimmungen  gang  und  gäbe.  Wer  soll  das  auch
kontrollieren?  Während  bei  den  Arbeitern  ein  so  krasses  Elend  herrscht,
werden  die  Unternehmer  immer  reicher  und  baut  sich  einer  nach  dem
andern  seine  Billa.
Froh  sind  die  unglücklichen  Arbeiter  dieser  Industrie,  wenn  sie  noch
unter  oben  geschilderten  Umständen  Arbeit  haben.  Aber  wehe  ihnen,
wenn  Geschäftsstockungen  kommen,  wo  sie  nur  die  Hälfte  oder  den  dritten
Teil  Arbeit  liefern  dürfen.  Dann  fehlt  sehr  oft  das  trockene  Brot  und
die  Kartoffeln.  Zu  bewundern  ist  nur  die  Kraft,  mit  der  die  Natur
das  Menschengeschlecht  ausgestattet  hat.  Indem  solche  Menschen,  wenn
sie  auch  ganz  elende  Kinder  zeugen,  überhaupt  noch  zeugungsfähig  sind.
Die  Wohnungsverhältnisse  sind  ebenfalls  schauderhaft.  Meistens
besteht  die  Wohnung  aus  Stube  und  Kainmer,  aber  welch  elende  und
niedrige  Löcher  trifft  man  da  an.  Extra  Arbeitsräume  gibt  es  nicht,
die  Arbeit  wird  in  der  Wohnstube  verrichtet.  Die  Luft  darin  ist  zum
Ersticken,  denn  im  Winter  wird  nicht  gelüftet,  sonst  ivird  es  doch  kalt
und  mit  dem  Heizmaterial  muß  sehr  gespart  werden.  Und  wie  schmutzig
sieht  es  in  den  meisten  Wohnungen  aus,  die  armen  Frauen  haben  ja
keine  Zeit  zuni  Reinmachen.  Der  ganze  Hausrat  besteht  oft  nur  aus
einem  alten  Tisch,  einer  Bank,  ein  paar  wackeligen  Stühlen  und  ein
paar  armseligen  Betten.  Kleiderschrank  oder  Kommode  fehlt  sehr  oft
ganz,  wozu  auch,  den  ganzen  Besitz  an  Kleidung  und  Wäsche  tragen
viele  auf  dem  Leibe.
Könnte  die  Zieh-  oder  Mundharmonika,  dem  Proletarier  der  Großindustrie, ­
  rvenn  er  sie  nach  Feierabend  zur  Hand  nimmt,  um  lustige
Weisen  darauf  zu  spielen,  ihm  von  dem  Elend  seiner  Schöpfer  erzählen,
er  würde  sie  betrübt  beiseite  legen.
In  Warkneukirchen  i.  Bogtl.  und  Umgegend  werden  bessere
Blas-  und  Seiteninstrumente,  wie  Signalhörner,  Pistons,  Tenor-,
Waldhörner,  Geigen,  Zithern,  Mandolinen,  Guitarren  u.  s.  w.  gemacht.
Die  Zustände  sind  höchstens  in  bezug  auf  den  Verdienst  um  ein  ganz
geringeres  besser  als  in  Klingenthal.  Im  übrigen  sind  sie  genau  so  schlecht,
in  verschiedener  Hinsicht  noch  schlechter  als  dort.  Besonders  die  Ausbeutung ­
  der  Ärmsten  ist  viel  raffinierter.
            
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