Full text : Das Kontokorrentgeschäft im deutschen Bankgewerbe

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anderseits  im  Falle  einer  Krise  in  einem  bestimmten  Geschäftszweige ­
  die  Bank  nicht  so  sehr  geschädigt  wird,  da  sie  nicht
ihr  ganzes  Geld  in  demselben  angelegt  hat;  es  ist  also  hier
ähnlich,  wie  mit  dem  vorsichtigen  Kapitalisten,  der  sein  Geld
nicht  in  einem  einzigen  Papier  anlegt,  sondern  eine  Verteilung
der  Anlagen  und  des  Risikos  vornimmt.  —  Für  Deutschland
empfiehlt  sich  sodann  das  Kontokorrentgeschäft  noch  aus  einem
ganz  besonderen  Grunde:  Um  nämlich  zugleich  wertvolle  und
zuverlässig  kontrollierbare  Abnehmer  für  Emissionen  zu  haben,
strebt  gar  manches  der  führenden  Bankhäuser  danach,  auch
kleinere  Leute  an  sich  zu  ketten  und  zwar  durch  den  Kontokorrent- ­
  und  Depositenverkehr,  den  es  um  seiner  selbst  willen
zu  pflegen  vielleicht  zu  stolz  sein  würde 1 ).  Ein  Vorteil  für
die  Bank  entsteht  auch,  wenn  sie,  wie  schon  bemerkt,  mit
einer  anderen  Bank  in  Kontokorrent  Verbindung  steht *  2 ).  Mit
derselben  kann  sie  u.  a.  das  Arbitragegeschäft,  besonders  die
Fondsarbitrage  betreiben,  zumeist  auf  gemeinsame  Rechnung
als  Metageschäft  (in  laufender  Rechnung),  um  so  einerseits  an
Provisionen  zu  sparen,  anderseits  auch  allenfallsige  Kursverluste
leichter  zu  ertragen.  Hier  kommen  ferner  Zahlungen  an  ausoder ­

  der  Ernte  ist  der  Grundbesitzer  geldknapp,  nachher  hat  er  Ueberfluss;
  der  Strohhutfabrikant  verkauft  im  Sommer,  der  Pelzwarenhändler
im  Winter.  Während  der  eine  Geld  bedarf,  braucht  es  der  andere
nicht;  u.  s.  w.“
')  Lotz,  Die  Technik  des  deutschen  Emissionsgeschäfts.  Leipzig
1890.  S.  67.  Ygl.  auch  seine  Rezension  über  die  Sattlersche  Schrift,
„Die  Effektenbanken“  in  Schmollers  Jahrb.  Jahrg.  1890.  S.  1342.
2 )  Befinden  sich  zwei  Firmen  an  verschiedenen  Plätzen,  so  erfolgt
die  Buchung  der  einzelnen  Geschäfte  gewöhnlich  auf  zwei  Konten.  Auf
dem  einen  Konto,  überschrieben  mit  „seine  Rechnung“  oder  „ihre  Rechnung“ ­
  (conto  suo  bezw.  loro)  werden  die  Geschäfte  verzeichnet,  die  eine
Firma  z.  B.  A.  als  Kommissionär  für  die  Firma  B.  ausführt,  auf  dem
anderen  Konto,  überschrieben  mit  „meine  Rechnung“  oder  „unsere  Rechnung ­
  (conto  mio  bezw.  nostro)  werden  die  Geschäftsvorfälle  verbucht,  die
die  Firma  B.  als  Kommissionär  für  die  Firma  A.  ausführt..  Jede  der
beiden  Firmen  eröffnet  also  der  anderen  zwei  Konten.  Besonders  in  Ländern ­
  mit  verschiedener  Währung  wird  so  eine  ausserordentliche  Vereinfachung ­
  erzielt,  da  erst  am  Schlüsse  der  Kontokorrentperiode  der.  Saldobetrag ­
  in  die  Währung  des  anderen  Landes  umgewandelt  zu  werden
braucht.
            
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