Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Um  diese  Frage  zu  beantworten,  wenden  wir  uns  zunächst  zu  den
sog.  gemischten  Arbeitsleistungen  d.  h.  zu  der  Arbeitspacht,  bei  welcher
für  Landhergabe  nicht  nur  mit  Arbeit,  sondern  auch  mit  Anteilen  am
Rohertrag  oder  mit  einer  —  gewöhnlich  geringen  -  Geldsumme  als
Zusatz  bezahlt  wird.  Es  ist  schwer,  die  Billigkeit  resp.  Kostspieligkeit
einer  solchen  gemischten  Arbeitspacht  festzustellen,  da  die  Zahlungszuschläge ­
  an  Getreide  oder  Geld  erstens  sehr  mannigfaltig  und  zweitens
im  Vertrage  sehr  selten  bestimmt  sind.
Der  Gutsherr  strebt,  vom  Bauern  möglichst  viel  unentgeltliche
Arbeitsleistungen  zu  erhalten,  daher  wird  eine  gewisse  Zahl  von  Arbeitsleistungen ­
  meistens  ausser  den  vorausbestimmten  verrichtet.  Die  typischen
Fälle  der  Arbeitspacht  sind  in  der  Tab.  LV111  im  Anhang  angegeben.
Hier  sei  nur  auf  die  Tatsache  hingewiesen,  dass  die  gemischte  Arbeitspacht ­
  eine  doppelte  Ausbeutung  der  Arbeit  des  Bauern  seitens  des  Gutsherrn ­
  darstellt.  Einerseits  bildet  die  Entlohnung  mit  Land,  wie  wir  es
gleich  sehen  werden,  einen  niedrigeren  Lohn,  als  wenn  er  in  Geld
bezahlt  würde.  Andererseits  ermöglicht  die  Verbindung  von  Arbeitsleistungen ­
  mit  Abgabe  einer  Quote  des  Rohertrages  dem  Gutsherrn,  die
Zahl  der  von  dem  Bauern  zu  verrichtenden  Arbeit  zu  vermehren.  Die
Vermehrung  geschieht  weniger  bemerkbar,  als  die  Erhöhung  der  abzugebenden ­
  Quote  des  Rohertrages.  Die  Mannigfaltigkeit  und  Unbestimmtheit ­
  der  von  dem  Bauern  zu  verrichtenden  Arbeit,  auch  die  Unmöglichkeit,
manchmal  eine  Arbeit  von  der  anderen  abzugrenzen,  machen  die  Vermehrung ­
  der  zu  verrichtenden  Arbeitsleistungen  des  Bauern  viel  leichter
als  die  Erhöhung  des  Teiles  des  Rohertrages.  Bei  jedem  Steigen  der
Getreidepreise  wird  die  Erhöhung  des  von  den  Bauern  abzugebenden
Teiles  des  Rohertrages  verspürt.  Bei  den  hohen  Bodenpreisen  und  dem
starken  Bedarf  an  Land,  das  gepachtet  werden  müsste,  ist  der  Bauer
eher  bereit,  mehr  Arbeit  zu  verrichten,  als  entweder  einen  grösseren
Teil  des  Rohertrages  abzugeben  oder  mehr  Geld  zu  zahlen.  Nachdem
aber  die  Zahl  der  von  dem  Bauern  zu  verrichtenden  Arbeitsleistungen
erhöht  ist,  wird  der  frühere  geringere  Teil  des  Rohertrages  durch  einen
höheren  ersetzt,  wie  z.  B  Ri  durch  R s .  Der  neue  Teil  des  Rohertrages
wird  leicht  zum  gewohnheitsrechtlichen,  nachdem  er  aber  beständig
geworden  ist,  werden  die  dafür  zu  verrichtenden  Arbeitsleistungen  wieder
erhöht  u.  s.  w.  «Die  Arbeitspacht  sowie  die  von  den  Bauern  zu  verrichtenden ­
  Arbeitsleistungen  beim  Teilbau  bilden  das  beste  Mittel  zur
Erhöhung  des  Pachtpreises,  indem  sie  sehr  mannigfaltig,  schwer  in  Geld
auszurechnen  sind  und  vom  Teilpächter  nicht  Zuschlag  von  Geld  —
woran  es  ihm  immer  mangelt  —  erheischen,  sondern  nur  seine,  von  ihm
            
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