Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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Benutzung  ist  frei.  Solche  Asyle  wie  in  Rostow  a.  D.  bilden  aber  eine
Ausnahme.  Auch  die  gewöhnlichen  hölzernen  Wetterdächer  trifft  man
nur  auf  wenigen  Arbeitermärkten,  sodass  Wanderarbeiter  kein  Unterdach ­
  haben.  Sie  gehen  geradenwegs  von  den  Strassen  auf  den  Markt
und  besetzen  alle  freien  Plätze  am  Boden.  Sie  liegen  in  Gruppen  auf
der  Erde  und  sind  der  Hitze  wie  dem  Regen  preisgegeben.  Den  ganzen
Tag  ziehen  sie  auf  dem  Marktplatz  umher  und  von  einer  Trinkstube  zu
der  anderen,  in  der  Nacht  aber  schlafen  sie  auf  dem  Boden,  auf  den
Strassen,  vor  den  Läden  u.  dgh,  alle  schlafen  zusammen  —•  Männer,
Weiber  und  Rinder.  Neben  ihnen  findet  man  die  Reste  ihrer  Nah:  ng,
Gemüse,  Hering.  Alles  ist  den  Sonnenstrahlen  ausgesetzt  und  verbreitet
einen  unerträglichen  Geruch.  Die  Luft  wird  verpestet  und  häufig  brechen
epidemische  Krankheiten  aus.
2.  Die  Wohnungsverhältnisse  der  Arbeiter  auf  dem  Gute.
Das  Gesetz  vom  Jahre  1886  über  die  Arbeitsbedingungen  der  Landarbeiter ­
  legt  den  Arbeitgebern  keine  Verpflichtungen  auf,  für  die  Wohnungsverhältnisse ­
  ihrer  Arbeiter  zu  sorgen.  Hier  herrscht  nur  die  eigenmächtige ­
  Willkür  des  Arbeitgebers.  Es  versteht  sich  von  selbst,  dass
die  Wohnungsverhältnisse  der  Landarbeiter  auf  dem  Gute  aus  diesem
Grunde  nicht  viel  besser  sind,  als  die  der  Wanderarbeiter  auf  den  Marktplätzen. ­
  Das  milde  Klima  in  Südrussland  gestattet  den  Arbeitern,  Tag
und  Nacht  auf  dem  Felde  zu  bleiben.  Die  Arbeiter  schlagen  ein  Lager
auf,  einem  solchen  der  Zigeuner  ähnlich.  Hier  stehen  die  Karren,  Fuhrwerke, ­
  zwischen  welchen  eine  grobe  Decke  gezogen  ist  und  als  Schutz
gegen  die  Hitze  dient.  Dort  wird  eine  Küche  improvisiert,  in  welcher
das  Essen  bereitet  wird.  Der  Gutshof  ist  in  den  grösseren  Gutswirtschaften ­
  ziemlich  weit  entfernt,  und  es  kommt  oft  vor,  dass  die  Arbeiter
nur  einmal  in  der  Woche  —  am  Zahlungstage  —  hinkommen.  Die
ganze  übrige  Zeit  bleiben  sie  auf  dem  Felde.
Auch  die  Nacht  wird  auf  solche  Weise  verbracht.  Man  errichtet
aus  Matten  und  einigen  hölzernen  Stützen  mehrere  Zelte,  um  darin  die
Nacht  zu  verbringen;  alle  schlafen  auf  dem  Boden.  Auch  Stroh  wird
von  den  Arbeitgebern  nicht  verabfolgt,  da  sie  es  vorziehen,  das  Vieh
damit  zu  füttern  und  zu  streuen.  Zur  Zeit  des  Mähens  ist  der  Boden
aber  zu  stachlich,  um  als  Schlafstätte  zu  dienen.  Es  ist  fast  unmöglich,
ohne  jede  Unterlage  darauf  zu  liegen.  Wir  haben  öfters  gesehen,  wie
die  Arbeiter  sich  auf  die  Heu-  oder  Getreidehaufen  legten,  um  dort,
wenn  auch  während  einiger  Stunden,  trotz  des  bestehenden  Verbotes,
auszuschlafen.
            
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