Amradgummi
20
Anakardien
■
zwei Stückchen Seidenpapier eingeklebt sind.
(Transport siehe Knallerbsen.) A. mit mehr als
7,5 g Sprengmischung auf rooo Plättchen dürfen
als Spielwaren nicht in den Verkehr gebracht
werden.
Amradgummi, ein als Ersatz für Gummiarabikum
neuerdings viel verwendetes indisches
Gummi.
Amygdalin (lat. Amygdalinum), ein zu den
Glykosiden gehöriger Bitterstoff, Bestandteil der
bitteren Mandeln, der Pfirsichkerne und einiger
ähnlicher Samen, wird gewöhnlich aus den durch
Pressen vom fetten Öl befreiten bitteren Mandeln
durch Extraktion mit heißem Alkohol in
Menge von ungefähr 3 o/ 0 hergestellt. Das riur
selten im Chemikalienhandel vorkommende A.
besteht aus einer weißen, feinkristallinischen,
geruchlosen Masse von bitterem Geschmack, die
bei Gegenwart von Wasser durch Einwirkung
des sowohl in bitteren, als auch in süßen Mandeln
enthaltenen Emulsins, eines Enzyms, zersetzt
wird und hierbei Zucker, Bittermandelöl
und Blausäure liefert.
Amyläther, richtiger Amylester, nennt man
Verbindungen des Amylalkohols mit Säuren,
welche wiegen ihres angenehmen, Geruches als
Fruchtäther Verwendung finden. Essigsäureamylester
(Amylazetat, s. d.) riecht nach Birnen,
Buttersäure-A. (s. d.) nach Ananas, Valeriansäure-A.
(s. Baldrian-A.) nach Äpfeln. — Der
eigentliche Amyläther .(Amyloxyd), (C,H u ) ä O,
der durch Erhitzen von Amylalkohol mit Schwefelsäure
als eine birnenartig riechende : Flüssigkeit
vom Siedepunkte 173 0 gewonnen wird, findet
als Lösungs- und Extraktionsmittel für Fette,
Lacke, Alkaloide usw. technische Verwendung.
Amylalkohol (Amyloxydhydrat, Mylalkohol,
Pentylalkohol, lat. Amyloxydum hydratum,
Alkohol amylicus, frz. Alcool amylique,
engl. Amylic alcohol), ein Alkohol von der Formel
C 6 H u . OH, bildet den Hauptbestandteil des
Kartoffelfuselöls und findet sich auch in
einigen anderen Fuselölen. Dieser sog. Gärungs-A.
bildet in reinem Zustande eine farblose,
wasserhelle, unangenehm fuselartig riechende,
zum Husten reizende Flüssigkeit von
öliger Konsistenz, dem spez. Gew. 0,815 und
dem Siedepunkte 131°. Mit Wasser mischt er
sich nicht, löst sich aber leicht in Alkohol sowie
auch in Äther und ist brennbar. Außer diesem,
dem Iso-Amylalkohol, kennt man noch
sechs andere isomere A., die aber nicht im Handel
Vorkommen und nur theoretisches Interesse
haben. Verwendung findet der A. fast nur zur
Herstellung der Amyläther (s.d.) und der künstlichen
Valeriansäure, jedoch wird hierzu meist
nicht der chemisch reine A., sondern das rektifizierte
Kartoffelfuselöl benutzt. Der A. wirkt
giftig-Amylazetat
(lat. Amylium aceticum, frz. Acetate
amylique, engl. Amyl Acetate), der Essigester
des Gärungsamylalkohols, C, H u . C 4 H 3 O s ,
ist eine farblose, obstartig riechende, zum
Husten reizende Flüssigkeit vom spez. Gew.
0,875 und einem S- p - von 138°. Es findet als
Birnöl, Pear oil, Anwendung zum Parfümieren
von Nahrungsmitteln und dient in der
Photometrie zur Füllung der Vergleichslampen
von bestimmter Lichtstärke (s. Zaponlack).
Amylen (Pentylen, Valoren, lat. Amylenum),
ein Kohlenwasserstoff von der Formel
C 5 H 10 , wird aus Amylalkohol durch Destillation
mit Chlorzink dargestellt und ist eine farblose,
wasserhelle, bei 39 0 C siedende Flüssigkeit
vom spez. Gew. 0,650 und eigentümlichem
betäubenden Geruch. Das A. wurde unter dem
Namen Pental eine Zeitlang als Anästheticum
an Stelle des Chloroforms angewandt, scheint
jetzt aber wegen seiner Gefährlichkeit ganz
außer Gebrauch gekommen zu sein.
Amylenhydrat (DimethyläthylkarbinoI,lat
Amylenum hydratum, frz. Hydrate d’amylfene,
engl. Amylen Hydrate). Dieses als Hypnotikum
empfohlene Präparat ist als ein tertiärer Amylalkohol
zu betrachten, der durch Behandlung
von Amylen mit einer Mischung gleicher Teile
Schwefelsäure und Wasser bei o° hergestellt
wird. Die farblose, ölige Flüssigkeit vom spez.
Gew. 0,810 besitzt einen durchdringenden Geruch
nach Kampfer und Pfefferminzöl, siedet
bei 102® und erstarrt beim Abkühlen auf
—12,5° zu weißen, nadeiförmigen Kristallen,
welche bei —12,0° schmelzen. Das A. muß
ganz frei von jeder Spur des gewöhnlichen
Amylalkohols sein, was man daran erkennt, daß
beim Behandeln mit Kaliumchromat und ver-,
dünnter Schwefelsäure keine Grünfärbung eintritt.
Mit Alkohol ist A. in jedem Verhältnisse
mischbar, braucht aber vom Wasser etwa 12 Teile
zur Lösung.
Amylnitrit (lat. Amylium nitrosum, frz. Nitrite
amylique, engl. Amyl Nitrite), der Salpetrigsäureester
des Amylalkohols, entsteht beim
Durchleiten von Salpetrigsäuredämpfen durch
Amylalkohol als eine klare, gelbliche Flüssigkeit
von fruchtartigem Geruch. Es ist unlöslich
in Wasser, mischbar mit Alkohol, Äther, Chloroform
und Benzin. Spez. Gew. 0,870—0,880; S.P.
97—99 °. A. wird zum Einatmen gegen Asthma,
Kopfschmerzen, Epilepsie verordnet, darf aber
nur mit Vorsicht angewandt werden.
Anämin, ein Eisenpepsinsaccharat der Firma
P. Liebe in Dresden, wird wegen seines hohen
Eisengehaltes von 0,200/0 und seiner verdauungs- j
befördernden Wirkung bei Blutarmut, Bleichsucht
und Magenleiden verordnet.
Anästhol und Anästhyl, Mischungen von Methyl-
und Äthylchlorid, welche in der Zahnheilkunde
als Anästhetika benutzt werden.
Anakardien (Elefantenläuse, Akajounüsse,
lat. Anacardia, frz. Noix d’Acajou, engl.
Castew-nut). Man unterscheidet zwei Arten von
A., welche von verschiedenen, zur Familie der
Anakardiazeen gehörigen Bäumen abstammen
und als ostindische und westindische A.
unterschieden werden. 1. Die ost indischen A.
oder Malakkanüsse (lat. Anacardia orientalia)
von Semecarpus anacardium, haben
eine herzförmige, auf beiden Seiten flach zusammengedrückte
Gestalt, eine dunkelbraunschwarze
platte Schale und enthalten zwischen
dem, öligen Kerne und der Schale einen ätzend •
scharfen Saft, der im frischen Zustande farblos,
milchartig ist, später aber verdickt und schwarz
wird. 2. Die westindischen A. (lat. Anacardia
occidentalia) kommen aus Westindien und Südamerika
und stammen von dem jetzt auch nach
Ostindien verpflanzten Baume Anacardium