Full text : Die Arbeiterfrage in der Südrussischen Landwirtschaft

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ganze  Gouvernement  diesen  Einfluss  nicht  deutlich  genug  zeigt.  Und
doch  sieht  man  auch  aus  den  durchschnittlichen  Lohnsätzen,  dass  in  der
dritten  Feldarbeitsperiode  die  Löhne  im  Gouv.  Ekaterinoslaw  am  höchsten
stehen,  welches  sich  durch  eine  starke  Entwickelung  der  Steinkohlenund
  Eisenproduktion  auszeichnet.  Dagegen  stehen  die  Löhne  in  Bessarabien
  viel  niedriger,  wo  fast  keine  grosse  Industrie  vorhanden  ist.
Besonders  ersichtlich  tritt  dieser  Faktor  beim  Vergleich  der  Löhne  in
den  verschiedenen  Kreisen  eines  und  desselben  Gouvernements  hervor.
So  haben  wir  bei  Betrachtung  der  Löhne  im  Gouv.  Cherson  gesehen,
dass  in  den  nördlichen  Kreisen,  wie  Alexandria,  Elisabethgrad,  die  Löhne
bedeutend  niedriger  stehen,  als  in  den  südlichen  Kreisen  Odessa  und
Cherson.  In  den  ersten  Kreisen,  wie  auch  in  Bessarabien  ist  das
städtische  Leben  und  die  Industrie  sehr  wenig  entwickelt.  Hier  ist  die
wirtschaftliche  Lage  der  bäuerlichen  Bevölkerung  am  schlechtesten  und
für  diese  Gegend,  besonders  für  den  Kreis  Alexandria  ist  eine  grosse
Auswanderung  der  Arbeiter  nach  den  südlichen  Teilen  Bessarabiens,
Tauriens  (Krim)  und  dem  Süden  des  Gouv.  Cherson  bezeichnend.
Bedeutend  höher  als  in  den  nördlichen  Kreisen  stehen  die  Löhne  der
Landarbeiter  in  den  südlichen  Kreisen  Odessa  und  Cherson,  wo  die
grossen  Städte,  wie  Odessa  und  Nikolaew  mit  bedeutend  entwickelter
Industrie  und  städtischem  Leben  ihren  Einfluss  auf  die  Löhne  ausüben.
Hier  sind  die  Anbauflächen  grösser  wie  im  Norden,  die  Wirtschaften
viel  intensiver  und  der  Bedarf  an  Arbeitskräften  viel  grösser  als  in  den
übrigen  Kreisen.  Hier  finden  auch  Massen  von  Arbeitern  eine  Saisonarbeit ­
  während  des  Sommers  im  grossen  Hafen  von  Odessa.  Es  hat
sich  sogar  eine  besondere  Kategorie  von  Wanderarbeitern  gebildet  —
die  sog.  Kadetten,  die  im  Sommer  meistens  im  Hafen,  dann  im  Spätsommer ­
  auf  den  Limanen  bei  den  Salzwerken  beschäftigt  sind,  und
sobald  diese  Arbeitsgelegenheit  im  späten  Herbst  aufhört,  sich  auf
irgend  einem  Gut  als  Landarbeiter  verdingen.
Während  sie  im  Sommer,  so  lange  sie  ihren  Haupterwerb  nicht
in  der  Landwirtschaft  finden,  in  der  Regel  einen  höheren  Lohn  fordern,
sind  sie  im  Flerbst  oder  im  Winter  bereit,  für  den  ersten  besten  Verdienst
zu  arbeiten.  Es  sind  Landstreicher,  die  aus  verschiedenen  Gesellschaftsklassen ­
  stammen  und  im  Leben  Schiffbruch  gelitten  haben.  Ohne  eigenes
Heim,  ohne  Kleidung  und  Aussichten  auf  einen  bestimmten  Erwerb
ziehen  sie  in  den  Vororten  der  Städte  umher,  meistens  in  ganzen
Gruppen,  Artjels,  da  bei  ihnen  der  korporative  Geist,  die  Genossenschaftssolidarität ­
  bedeutend  entwickelt  ist.  Es  sind  die  echten  Gorki-Typen,
  aus  denen  sich  diese  Arbeiterkategorie  in  den  Hafenstädten
            
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