Full text : Klemens Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Kork

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Kork

Kulturbaum,  wenn  auch  seine  Pflege  in  nichts
weiter  besteht,  als  daß  er  im  regelmäßigen
Betriebe  entrindet  wird.  Nachdem  die  Bäume
schenkeldick  geworden  sind,  d.  h.  bei  einem
Alter  von  15—20  Jahren,  wird  der  natürliche
Kork  (männliche  K.  oder  liöge  mäle)  entfernt, ­
  wobei  man  darauf  zu  achten  hat,  daß
der  Mutterkork,  die  korkbildende  Zellschicht
unverletzt  erhalten  bleibt.  Der  sich  nun  neubildende ­
  K.  (weiblicher  K.  oder  liüge  fenrelle)
  braucht  ungefähr  10  Jahre  bis  er  abgeschält ­
  werden  kann.  Er  ist  weniger  rissig
als  der  männliche  Kork,  gibt  aber  noch  keine
besonders  gute  Korkmasse.  Diese  wird  erst
von  der  dritten  Schälung  an  gute  Handelsware ­
  und  verfeinert  sich  nach  jeder  weiteren
Schälung,  solange  der  Baum  im  kräftigen
Wachstum  begriffen  ist.  Die  Bäume  leiden
bei  guter  Behandlung  durch  das  Schälen  anscheinend ­
  gar  nicht,  so  daß  dieses  alle  10  bis
15  Jahre,  bis  der  Baum  150  Jahr  alt  geworden
ist,  wiederholt  werden  kann.  Die  gewonnenen,
mehr  oder  weniger  gebogenen  Korkplatten
werden  durch  Einlegen  in  heißes  oder  kaltes
Wasser  erweicht,  durch  Beschweren  mit  Steinen ­
  flach  gedrückt  und  an  der  Luft  getrocknet. ­
  In  manchen  Gegenden  Spaniens
und  Portugals  zieht  man  die  Korkschwarten
durch  Flammenfeuer,  wodurch  die  Masse
innerlich  gebräunt  und  äußerlich  schwarz  angesengt ­
  ist.  Der  K.  soll  hierdurch  in  seiner
Masse  verbessert,  seine  Poren  geschlossen
und  auch  der  Wurmfraß  abgehalten  werden.
Andrerseits  wird  aber  durch  diese  Manipulation ­
  der  Zweck  verfolgt,  den  schlechteren
Platten  ein  besseres  Aussehen  zu  geben.  Die
Korkrinde  wird  je  nach  dem  Standort  der
Bäume  5—15  cm  dick.  Die  leichtesten  Platten
mit  feiner,  egaler  Masse,  von  graugelblicher
Farbe  sind  das  beste  Material,  ganz  fehlerfreie ­
  Stücke  sind  jedoch  immer  Seltenheiten.
Als  die  geschätztesten  Sorten  des  Handels
gelten  der  andalusische  und  katalonische  K.
Auch  Frankreich  und  Algier,  welches  jetzt
den  meisten  K.  liefert  (ca.  5000000  kg  jährlich), ­
  produzieren  vorzüglichen  K.  Geringere,
für  Flaschenkorke  nicht  verwendbare  Sorten
kommen  aus  Sibirien,  Korsika  und  den
Küstenländern  des  Adriatischen  Meeres.  —
Der  K.  besteht  zu  ungefähr  75°/o  aus  Suberin.
  Das  spez.  Gew.  beträgt  0,120—0,250,
der  Wassergehalt  im  lufttrockenen  Zustande
4—5°/o,  der  Aschengehalt  0,3—0,5°/o.  Der  K.
ist  elastisch  und  für  Gase  und  Flüssigkeiten
undurchlässig.  Nach  längerer  Verwendung
verliert  er  seine  Elastizität,  erlangt  sie  aber
durch  Einlegen  in  heißes  Wasser  teilweise
wieder.  —  Die  Hauptverwendung  des  K.  ist  die
zu  Korkstopfen  (Stöpseln,  Pfropfen,  lat.  Subera,
  frz.  Bouchons,  engl.Corks).  Die  in  radialer
Richtung  durch  den  K.  verlaufenden  dunklen
Streuen,  welche  mit  lockerem  Parenchym
und  Steinzellen  erfüllt  sind  (Lentizellen),
beeinträchtigen  die  Verwendung  des  K.  zu
•Eorkstopfen,  und  diese  müssen  infolgedessen
so  geschnitten  werden,  daß  die  Streifen  den
Rorkstopfen  quer  durchsetzen.  Nur  bei  großen ­
  Spunden  verlaufen  die  Streifen  senkrecht,

weil  in  diesem  Falle  ein  horizontales  Schneiden ­
  nicht  angängig  ist.  Daher  schließen  aber
auch  große  K.  nicht  so  dicht  wie  die  kleineren. ­
  In  früheren  Zeiten  wurden  die  K.
gleich  fertig  geschnitten  aus  den  Erzeugungsländem
  bezogen,  vor  allem  aus  Spanien,  wo
die  Schneiderei  in  vielen  Städten  seit  langer
Zeit  großartig  betrieben  wird.  Jetzt  ist  aber
die  Verarbeitung  der  Rinde  von  ihren  Ursitzen
  weiter  verpflanzt  worden.  In  England
wird  die  Korkschneiderei  gegenwärtig  im
größten  Umfange  betrieben,  da  es  für  sich
und  seine  überseeischen  Versendungen  täglich ­
  viele  Millionen  Korke  braucht.  Auch  in
Deutschland  besteht  eine  blühende  Korkindustrie. ­
  Besonders  im  Oldenburgischen  und
in  der  Gegend  von  Bremen  werden  große
Mengen  von  Korkrinde  verschnitten,  und  das
oldenburgische  Städtchen  Delmenhorst  ist  allmählich ­
  der  Hauptort  der  deutschen  Fabrikation ­
  geworden.  Ferner  gibt  es  im  Erzgebirge ­
  noch  einige  bedeutende  Korkfabriken,
so  die  in  Raschau  bei  Schwarzenberg.  Man
unterscheidet  bei  der  Korkschneiderei  zwischen ­
  Hand-  und  Maschinenarbeit.  Feine  K.
werden  nur  aus  freier  Hand  geschnitten,
billigere  K.  mittels  Maschine.  In  der  Delmenhorster
  Gegend  widmen  sich  tausende  von
Familien  der  Korkschnitzerei.  Die  Schnitzer
bearbeiten  das  Rohmaterial  in  ihren  Wohnungen ­
  und  liefern  die  fertige  Ware  nach
Delmenhorst  oder  Bremen.  Die  zu  verarbeitenden ­
  Platten,  welche  häufig  erst  in  Wasser
gequellt  werden  müssen,  werden  äußerlich
„abgeborkt“  und  von  Unebenheiten  befreit
und  dann  auf  dem  Tisch  liegend  zugeschnitten,
d.  h.  in  Streifen  und  diese  in  Würfel  transchiert. ­
  Mulmige  und  sonst  fehlerhafte  Stellen
werden  ausgeschnitten  und  das  noch  brauchbare ­
  daran  in  kleinere  Würfel  geformt.  Das
Rundschneiden  der  eckigen  Stücke  mit  dem
aufgestemmten  Messer  erfolgt  in  ähnlicher
Weise,  wie  ein  Apfel  geschält  wird,  und  durch
je  einen  Schnitt  werden  dann  die  beiden  Endflächen ­
  abgeglichen.  Ein  guter  Arbeiter  kann
im  Tage  1000—1200  K.  schneiden.  Von  den
Maschinen  zur  Herstellung  von  K.  bohrt
diejenige  des  Franzosen  Moreau  die  K.
mittels  stählerner  Röhren.  Die  Korkschneidemaschine ­
  von  Bothius  in  Stockholm  und
von  Köhler  in  Kopenhagen  bestehen  aus  Abschälmaschinen ­
  ,  Stückschneidemaschinen,
Rundschneidemaschinen,  Schleifmaschinen
und  Sortierapparaten.  Bei  noch  anderen  Maschinen ­
  wird  das  quadratische,  rohe  Korkstück ­
  gegen  ein  langes,  festes  Messer  mittels
einer  Schraube  ohne  Ende  geführt;  diese
Schraube  hat  eine  ähnliche  Steigung  wie  bei
einem  Drillbohrer.  Handschnittkorke  erkennt
man  an  der  schwach  vierkantigen  Form,
während  Maschinenkorke  genau  kreisrund
sind.  Da  erstere  als  besser  gelten,  werden
sie  oft  nachgeahmt,  indem  die  Maschinen  kantig ­
  geschliffen  werden.  Die  Poren  werden
dabei  mit  Korkstaub  verschlossen,  so  daß
derart  geschüttene  ein  vorzügliches  Aussehen ­
  besitzen.  Die  zylindrische  Form
der  K.  hat  erst  in  neuerer  Zeit  ihre  Würdi-
            
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