Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

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II.  Teil.  Arbeiterwohlfahrtspolitik.

über  den  Demokraten  und  Republikanern  selbständig  Vorgehen  sollte.
Äußerlich  war  die  Arbeiterreformpartei  unabhängig  von  der  National
Labor  Union,  was  aber  einen  inneren  Zusammenhang  nicht  ausschloß
und  nicht  ausschließen  sollte.  Sowohl  die  Union  als  auch  die  Reformpartei ­
  hatten  1869  ihren  höchsten  Stand  erreicht.  Der  Mangel  eines
geeigneten  Nachfolgers  für  den  1869  verstorbenen  Sylvis,  innere  Gegensätze, ­
  die  durch  den  Aufschwung  im  Anfang  der  70er  Jahre  mit  seinen
günstigen  Löhnen  vermehrte  Gleichgültigkeit  vieler  Arbeiter  führten
einen  raschen  Verfall  herbei.  Mitte  der  70  er  Jahre  war  die  Union
schon  ohne  Bedeutung.  In  der  dann  folgenden  langen  Zeit  wirtschaftlichen ­
  Niedergangs  gingen  viele  Gewerkvereine  zugrunde,  und
erst  in  den  80  er  Jahren  machte  die  Organisationsform  wieder  große
Fortschritte.  Sie  ergriff  jetzt  auch  die  ungelernten  Arbeiter,  deren
Vereine  hier  —  ebenso,  wie  in  England  —  von  sozialistischen  Ideen
stark  beeinflußt  waren.  Lokale  Verbände  von  Gewerkvereinen  verschiedener ­
  Berufe  und  nationale  (und  zum  Teil  internationale,  d.  h.
die  Grenzen  der  Vereinigten  Staaten  überschreitende)  Verbände  von
Gewerk  vereinen  gleichen  Berufes  entwickelten  sich  in  erheblicher  Zahl.
Ein  Zusammenschluß  aller  Gewerkvereine  war  schon  durch  die  1881
von  mehreren  großen  Vereinen  begründete  Federation  of  Organised
Trades  and  Labor  Unions  in  loser  Form  herbeigeführt.  Daraus  ging
1886  ein  fest  organisierter  Zentralverband  der  Gewerkvereine,  die
American  Federation  of  Labor  hervor.  Sie  umfaßt  einen  ansehnlichen ­
  Teil  der  Gewerkvereine.  Verschiedene  große  Verbände  hielten
sich  aber  fern.  Die  Vereine  der  Eisenbahnarbeiter  schlossen  sich
später  (1893)  zu  einer  selbständigen  American  Railway  Union  zusammen. ­
  Ein  Teil  der  Gewerkvereine  hat  sich  dem  Orden  der  Ritter
der  Arbeit  (knights  of  labor)  angeschlossen,  obwohl  dieser  1869  gegründete ­
  Bund  zur  allgemeinen  Hebung  der  Arbeiterklasse  und  zur
gemeinsamen  Vertretung  der  Arbeiterinteressen  von  dem  Gedanken
der  allgemeinen  Interessensolidarität  der  Arbeiter  ausgeht  und  deshalb
seine  Organisation  nicht  auf  die  Berufsgliederung  stützt.  Er  umfaßt
Ortsvereine  (local  assemblies),  die  alle  Arbeiter  ohne  Unterschied  des
Berufs,  der  Rasse,  der  Religion  usw.  in  sich  vereinen.  Die  Ortsvereine
werden  zu  Bezirksverbänden  (district  assemblies)  zusammengefaßt.
Über  ihnen  steht  als  oberste  Instanz  die  jährlich  zusammentretende
General  assembly.  Sie  wählt  den  mit  großen  Befugnissen  ausgerüsteten
Vorsitzenden  (Grand  master  workman)  und  zu  dessen  Kontrolle  den
aus  5  Personen  bestehenden  Aufsichtsrat.  Der  Orden  war  bis  1881
ein  freimaurerartig  ausgestalteter  Geheimbund.  Er  steht  an  sich  allen
politischen  Richtungen  neutral  gegenüber.  Aber  es  ist  unverkennbar,
daß  sich  sozialistische  Ideen  eine  Zeit  lang  erheblichen  Einfluß  verschafft ­
  haben.  Die  Beseitigung  des  kapitalistischen  Systems  der  Pro ­
            
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