Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

1B.  Kapitel.  Die  Arbeiterwohnungsfrage.

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3,52  o/o.  Von  1000  Einwohnern  wohnen  im  Hinterhaus  in  Berlin  460,6,
in  Charlottenburg  400,5,  in  Magdeburg  338,2,  in  Posen  304,9,  dagegen
in  Görlitz  nur  79,7,  in  Stuttgart  67,9,  in  Chemnitz  67,3,  in  Essen  31,2.
Auch  die  Hinterhauswohnungen  sind  nicht  schlechthin  ungesund,  Es
gibt  —  auch  in  und  bei  Berlin  —  Hinterhauswohnungen,  die  durch
die  Lage  nach  Gärten  den  Vorzug  größerer  Buhe  und  besserer  Luftverhältnisse ­
  bieten.  Aber  in  den  älteren  inneren  Stadtvierteln  entbehren ­
  die  Hinterhaus  Wohnungen  derartiger  Vorzüge  und  sind  ohne
Frage  meist  der  Gesundheit  nachteilig.  Luft  und  Licht  braucht  auch
der  Mensch  zum  Gedeihen,  und  daran  fehlt  es  oft  genug  in  solchen
Wohnungen.  Die  besseren  Hinterwohnungen  werden  überdies  in  der
Begel  von  Arbeitern  nicht  bewohnt,  weil  ihnen  der  Mietzins  unerschwinglich ­
  ist.
Daß  die  Mieten  im  allgemeinen  in  den  größeren  Städten  bedeutend ­
  gestiegen  sind,  ist  eine  unbestreitbare  Tatsache.  Schon  aus  dem
Wachsen  des  Bodenwertes  läßt  sich  das  erkennen;  denn  zwischen  Bodenwert ­
  und  Mietzins  besteht  eine  Wechselwirkung.  In  London  wächst
nach  neueren  Schätzungen  der  Grundwert  jährlich  um  93  Mill.  Mark.
In  Hamburg  hat  sich  der  Grundwert  seit  1842  auf  das  3—5  fache  gehoben. ­
  Das  Statistische  Jahrbuch  für  Berlin  (XXVI.  Jahrg.)  berechnet
den  durchschnittlichen  Bodenkaufwert  für  1  Quadratrute  in  Berlin

1895  .

.  .  auf  1142,73

M.

1S96  .

.  .  „  1118,65

V

1897  .

.  .  „  1266,41

1898  .

.  .  „  1424,81

„

1899  .

.  .  „  1567,22

>>

Wie  verschieden  die  Verhältnisse  in  dieser  Beziehung  liegen  können,
zeigt  folgendes.  In  Paris  war  der  durchschnittliche  Mietwert  für  1  ha
(nach  Paeeele,  Kapport  sur  les  resultats  de  la  premiere  rövision  döcennale
  du  revenu  net  des  proprietes  bäties,  Paris  1901),  1791  nur  15  430  Frs.,
1865:  53514  Frs.,  1891:  98372  Frs.  und  1901:  109356  Frs.  Bechnet  man
alle  Veränderungen,  Neubauten  und  Abbrüche  von  Gebäuden  ab,  so
ergibt  sich  in  Paris  eine  Verminderung  des  Vermietungswertes  desselben ­
  Gebäudebestandes  um  0,06  %  in  der  Zeit  von  1891—1901,  in  den
Städten  über  200000  Einw.  um  0,93  °/o,  in  den  Städten  von  100  000
bis  200000  Einw.  um  1,63  o/o  usw.,  während  in  den  Städten  unter
30  000  Einw.  eine  Erhöhung  eintrat.  Diese  Erscheinung  hängt  mit  der
Abwanderung  nach  den  Vororten  und  der  Stabilität  der  französischen
Bevölkerung  zusammen.  In  Paris  ist  in  derselben  Zeit  der  durchschnittliche ­
  Mietaufwand  für  den  Kopf  der  Bevölkerung  um  über  1  °/o  gesunken, ­
  in  Berlin  dagegen  um  fast  18  °/o  gewachsen.
In  Frankfurt  a.  M.  sind  seit  Mitte  bis  Ende  der  90er  Jahre  Bodenund
  Häuserpreise  und  Mieten  um  20—30  °/o  gestiegen.  In  Dresden
haben  sich  die  Preise  für  Wohnungen  mit  1  heizbaren  Zimmer  von
            
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