Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

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II.  Teil.  Arbeiterwohlfahrtspolitik.

1890—1900  um  37  °/o,  die  der  Wohnungen  mit  2  heizbaren  Zimmern
um  26  o/ 0  erhöht.  In  Brüssel  und  den  umliegenden  Orten  hat  sich
von  1860  bis  1896  der  durchschnittliche  Mietaufwand  für  1  Einw.  von
83,62  Frs.  auf  156,90  Frs.  gesteigert.  In  Kopenhagen  wuchs  von  1885  bis
1901  die  Miete  für  Wohnungen  von  2  Zimmern  von  90,6  auf  103,5  Kr.
Der  Mietaufwand  ist  selbstverständlich  in  den  einzelnen  Orten
sehr  verschieden.  Für  ein  heizbares  Zimmer  in  Mietwohnungen  ohne  gewerbliche ­
  Nebenbenutzung  war  er  nach  den  Berechnungen  von  Dr.  Hasse
im  Statistischen  Jahrbuch  deutscher  Städte  (1903).  am  1.  Dezember  1900
in  Berlin  235  M.,  in  Charlottenburg  246  M.,  in  Dresden  204  M.,
in  Breslau  164  M.,  in  Hamburg  181  M.,  in  Königsberg  i.  Pr.  185  M.,
in  Leipzig  163  M.,  in  Mainz  150  M.,  in  Altona  158  M.  usw.  Gegenüber ­
  dem  absoluten  Betrage  des  durchschnittlichen  Arbeitereinkommens
sind  diese  Durchschnittssätze  schon  sehr  hoch.  Da  überdies  vielfache
Beobachtungen  bestätigen,  daß  im  Verhältnis  die  kleinen  Arbeiterwohnungen ­
  bei  sonst  gleichen  Umständen  teurer  sind  als  mittlere  und
größere,  so  ist  es  klar,  daß  die  Wohnungen  der  Arbeiter  nur  einen  sehr
bescheidenen  Umfang  haben  können.  Nach  den  Ergebnissen  der  Wohnungserhebung, ­
  die  durch  Erlaß  der  preußischen  Minister  für  Handel
und  Gewerbe  und  des  Innern  vom  22.  Februar  1901  veranlaßt  und  von
Evert  in  der  Zeitschrift  des  Königl.  Preußischen  Statistischen  Bureaus
(1902,  S.  151  ff.)  bearbeitet  wurde,  ist  der  häufigste  Typus  der  Arbeiterwohnung ­
  die  Einzimmerwohnung  mit  Küche.  Auf  ihn  kamen  in
Berlin  rund  i/s,  in  Eixdorf  fast  die  Hälfte  aller  bewohnten  Wohnungen.
Die  Wohnungen  mit  nur  einem  heizbaren  Zimmer  ohne  oder  mit  Zubehör ­
  sind  in  vielen  Orten  sehr  stark  verbreitet.  Die  noch  niedriger
stehenden  Wohnungen  ohne  heizbares  Zimmer  sind  dagegen  —  abgesehen ­
  von  Barmen,  wo  sie  6,59  o/o  aller  Wohnungen  ausmachen  —  überall
sehr  selten;  selbst  in  Berlin  und  Rixdorf,  wo  sie  nächst  Barmen  am
häufigsten  Vorkommen,  betrugen  sie  1900  nur  1,44  und  1,19  o/o  aller
bewohnten  Wohnungen,  haben  sich  aber  in  Berlin  seit  1890  etwa  verdoppelt ­
  und  ihren  Anteil  an  der  Gesamtzahl  der  Wohnungen  gesteigert.
Von  allen  bewohnten  Wohnungen  hatten  1900:

kein  heizbares

ein  heizbares

zwei  heizbare

ZU-Zimmer



Zimmer

Zimmer

s  am  men

in

%

%

°/o

°/o

Iiixdorf

1,19

57,61

31,81

90,62

Königsberg  i.  Pr.  (1895)

0,12

56,29

23,02

79,43

Barmen

.  6,59

55,25

23,91

85,74

Görlitz

0,20

52,91

21,21

74,32

Posen

0.47

50,46

24,07

74,99

Magdeburg

•  50,53

22,57

73,10

Berlin

1,44

48,93

28,11

78,49

Halle  a.  S.  .  .  .  .

0,12

47,56

22.17

69,84

Breslau  .  .

0,03

47,49

30,36

77,89
            
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