13. Kapitel. Die Arbeiterwohlrangsfrage.
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in Berlin . . .
„ Breslau . . .
„ Frankfurt a. M.
„ Hamburg . .
» Leipzig . . .
„ Lübeck . . .
,, Plauen . . .
mit 1 Zimmer ohne
und mit Zubehör
391.7
370.1
25,8
130.1
119,9
193,3
595.8
mit 2 Zimmern
393.6
407.7
212.5
331.5
421,1
513.7
220,3
mit 3 Zimmern
136,9
154,0
450.5
338,2
291.5
155,8
97,2
„ München .... 572,4 155,8
Schlafleute oder Zimmermieter hatten. Da, wie erwähnt, gerade in
den kleinen und kleinsten Wohnungen Familien mit großer Kinderzahl
Unterkommen finden, so ist schon von vornherein zu erwarten, daß
das Schlafgängerwesen bei den kleinen Haushaltungen mit Kindern
häufig ist. Die oben erwähnte preußische Erhebung stellt denn auch
fest, daß gerade die Haushaltungen mit Kindern häufig Schlafleute
aufnehmen. Im Jahre 1900 waren z. B. in Berlin von den 33 156 Haus
haltungen mit Zimmermietern 18 875 und von den 59 608 Haushaltungen
mit Schlalleuten 40 176 und von den 2157, welche sowohl Schlafleute
als auch Zimmermieter hatten, 1199 solche mit Kindern.
Schon die angeführten wenigen Angaben reichen aus, zu erkennen,
daß die Wohnverhältnisse der Arbeiter in bezug auf Gesundheitsmäßig
keit, Preis und Belegung der Räume, in vielen Orten ungünstig sind.
Es handelt sich in der Tat bei allen Abweichungen im einzelnen doch
um ein weitverbreitetes Übel.
Die Nachteile, die daraus hervorgehen, sind sehr ernst. Es ist
ohne weiteres klar, daß die Überfüllung der Wohnung, auch wenn
sie sonst gut eingerichtet ist, an sich schon in gesundheitlicher Be
ziehung bedenklich ist. Insbesondere ist die Gefahr der Übertragung
der Krankheiten auf die Mitbewohner sehr groß. Wenn bei Epidemien,
wie oft festgestellt werden konnte, gerade die wirtschaftlich schwachen
Kreise am stärksten in Mitleidenschaft gezogen werden, so beruht das zwar
in hohem Maße auf der geringen Widerstandsfähigkeit, der die ärmeren
Volksschichten wegen ihrer Ernährungsweise ausgesetzt sind, und der
geringeren Vertrautheit mit den Maßregeln zum Schutz gegen An
steckung. Aber einen bedeutenden Einfluß auf die Verallgemeinerung von
Seuchen gerade in diesen Kreisen übt ohne Frage auch die Überfüllung
der Wohnungen aus, die es unmöglich macht, Kranke und Gesunde zu
sondern. Die Gefahr wird noch gesteigert, wenn die Wohnungen nicht
gesundheitsmäßig eingerichtet sind, was gerade bei den Wohnungen
der ärmeren Volksschichten sehr oft der Fall ist. Daß von hier aus
die Seuche leicht auch in andere Wohnungen und Häuser verschleppt
werden kann, ist selbstverständlich. Noch bedenklicher ist, daß durch
Wohnungen der bezeichnten Art die Übertragung ansteckender Krank