Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

364 Eisenbahnen: Stadtbahnen. 
leitungsröhren her, die alle abgelenkt werden mußten, ohne daß dabei nennenswerte Störun 
gen im Betriebe erfolgen durften. Der Bau wurde von einem Schachte aus eingeleitet, der 
innerhalb einer kleinen Umzäunung (vergl. Abb. 367) niedergesenkt war. 
Da bei Mansion Honse ein wichtiger Bahnhof der älteren Untergrundbahn liegt, auch 
die Waterloo- und Citybahn hier ausläuft, so konnte diese neue Station um so mehr auf 
einen großen Verkehr rechnen. Um sie daher der ans verschiedenen Richtungen her zu 
sammenströmenden Schar von Reisenden bequem zugänglich zu machen und ein Stauen 
auf dem von zahllosen Fuhrwerken befahrenen Platze zu vermeiden, wurde unmittelbar 
unter dem Pflaster eine fast 4 in hohe Zwischenstation angelegt (Abb. 368), um deren 
mittleren Teil sich ein 1% m höher liegender ringförmiger öffentlicher Weg zieht, auf den 
von sechs Straßen Zugaugswege (durch Treppen erreichbar) münden. Innerhalb dieser, in 
Abb. 367 punktiert angedeuteten Ringstraße sind sechs große Schächte nach der 14 in tiefer 
gelegenen Bahnstation niedergesenkt, von denen einer die Treppe enthält, während die 
anderen fünf für Aufzüge dienen. Unter der 4,6 in breiten Ringstraße liegt wieder ein 
eben so breiter Ringtunnel für die umgeleiteten Gas- und Wasserröhren u. s. w., welche 
sämtlich als Ringleitungen hier verlegt sind, aus denen sich dann die Leitungen nach den 
einzelnen Straßen leicht abzweigen ließen. 
In drei Höhenstufen, davon zwei unterirdisch, 
wickelt sich der Straßen- und Bahnverkehr unabhängig 
voneinander ab. 
Mansion House-Station ist Kopfbahnhof. Die 
Züge müssen daher aus dem Einfahrtstunnel in den 
Abfahrtstuunel übergeleitet werden. Zu dem Zwecke 
sind die beiden Stationsgleise an dem Kopfende in ein 
gemeinsamesTunnelstück geführt und hier durchWeichen- 
verbunden, wie in der Abb. 367 rechts erkennbar ist. 
Mit großem Geschick haben die englischen Ingenieure 
hier ihre Aufgabe gelöst. 
Ritiffstm/se 
Sdmäl nacAA-A 
Schnitt durch die Mansion 
Kousr-Station. 
Elektrische Unterpflasterbahn in Budapest. 
Eine mustergültige Anlage neuerer Art ist die im Mai 1896 eröffnete Unierpflaster- 
bahn in Budapest. Entwurf und Bau stammen von Siemens <L Halske in Berlin. Die 
Bahn ist zweigleisig mit 1435 mm Spurweite ausgeführt, besitzt 3,7 llm Länge, liegt (bis 
auf ein kurzes, offenes Stück im Stadtwäldchen) unter dem Pflaster einiger Hauptstraßen, 
worunter die prächtige Andrassy-Straße. Krümmungen kommen nur an ihren beiden Enden 
vor. Die Tunnelstrecke wurde nach Abb. 373 in offener Ausschachtung hergestellt. Seiteu- 
wände und Sohlengewölbe bestehen aus Beton (Mischung aus Zement und Flußkies), 
während die nach Abb. 369 u. 370 in der Mitte durch schmiedeiserne Säulen und zwei 
I-förmige Längsträger gestützte Decke aus eisernen, mit 1 m Abstand verlegten I-Quer 
trägern nnd dazwischen gespannten Gewölbkappen aus Beton erstellt wurde. Auf sie legt 
sich die Straßenfahrbahu. Zum Schutz gegen etwa eindringendes Wasser ist die ganze
	        
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