13. Kapitel. Die Arbeitenvohimng-sfrage.
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liehen für ortsansässige verheiratete oder sonst einem Familienhaushalt
ungehörige Arbeiter in Betracht. Für auswärtige Arbeiter, die wegen
der großen Entfernung von ihrem Wohnort nur die Sonn- und Feier
tage zu Hause verbringen können, sind vielfach besondere Logierhäuser
von den Arbeitgebern errichtet worden, um saubere, gesunde und billige
Unterkunft zu ermöglichen.
Umfassende Angaben über den Bau von Arbeiterwohnungen durch
private Arbeitgeber liegen nur wenig vor. Daß allenthalben die großen
Betriebe in dieser Richtung tätig sind, und daß manche darunter sehr
Gutes geleistet haben, ergibt sich aus zahlreichen Einzelangaben in der
einschlägigen Literatur, in Berichten von Aktiengesellschaften usw.
Den Einzelheiten kann hier nicht nachgegangen werden. Nach einer
Aufstellung für die Weltausstellung in Paris (1900) waren von in
dustriellen Arbeitgebern in Deutschland am 1. Oktober 1898: 143 049
Wohnungen, also rund 18 auf je 1000 Arbeiter der Betriebe mit 5 und
mehr Arbeitern, erbaut. Diesen Durchschnitt überragen manche Be
zirke sehr erheblich. Im Königreich Sachsen sind nach einer Angabe
auf dem 6. Internationalen Wohnungskongreß zu Düsseldorf von 1902:
3500—4000 Wohnungen von gewerblichen Arbeitgebern errichtet worden.
Der sächsische Ministerialerlaß vom 31. März 1903 nennt diese Zahl
im Vergleich mit anderen Teilen des Reiches „verhältnismäßig nicht
sehr bedeutend“. Für ländliche Arbeiter liegen nach dem genannten
Erlaß die Verhältnisse sehr ungleich; soweit für solche Arbeiter von Arbeit
gebern Wohnungen errichtet worden sind, ist es fast durchgehends durch
Rittergüter geschehen. Nach der „Ehrentafel“ der Zeitschrift „Der
Arbeiterfreund“ sind von privaten Arbeitgebern (Einzelunternehmern
und Aktiengesellschaften) für Wohnungsfürsorge bereitgestellt worden:
1899 1 417 769 M.
1900 2 313 608 „
1901 5 720 530 „
1902 2 088 355 „
1903 1411 634 „
Diese Beträge sind aber nicht ganz auf den Bau von Wohnungen
durch Arbeitgeber zu rechnen, da auch Beihilfen zum Bau durch andere
Organe und durch Arbeiter berücksichtigt sind.
Die Gemeinden haben sich neuerdings in wachsendem Maße der
Errichtung von kleinen Wohnungen für ihre eigenen Arbeiter und
Unterbeamten zugewandt. In Deutschland ist das u. a. berichtet von
Altona, Cassel, Danzig, Darmstadt, Dresden, Duisburg, Essen, Frank
furt a. M., Freiburg i. Br., Göttingen, Hanau, Heidelberg, Karlsruhe,
Kiel, Köln, Königsberg i. Pr., Konstanz, Mannheim, Nürnberg, Osna
brück, Quedlinburg, Pforzheim, Stettin, Straßburg i. E., Stuttgart,
Ulm, Wiesbaden usw. Da sich durch die Wohnungsbauten der Ge
meinden für ihre eigenen Arbeiter und Unterbeamten das Angebot an