Full text: Grundzüge der Sozialpolitik

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II. Teil. Arbeiterwohlfahrtspolitik. 
der weitaus größte Teil für das Saarrevier bestimmt ist. Die preu 
ßische Staatsbahnverwaltung hat außer den S. 421 genannten Summen 
noch aus ihrem eigenen Etat sehr bedeutende Mittel — in den letzten 
10 Jahren rund 20 Mill. M. — für den Wohnungsbau verwendet. Auch 
die Heeresverwaltung und andere Verwaltungen haben sich der Ver 
besserung der WohnungsVerhältnisse ihrer Arbeiter und Unterbeamten 
in erheblichem Umfange gewidmet. 
Das Reich hat sich in seiner Eigenschaft als Arbeitgeber bei der 
Wohnungsfürsorge für eigene Arbeiter und Unterbeamte reichlich be 
tätigt. Im Etat des Reichsamtes des Innern sind für 1901 : 2 Mil. M., 
für 1902 und 1903 je 4 Mill. M. und für 1904 5 Mill. M. vorgesehen 
„zur Förderung der Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter 
und gering besoldete Beamte in den Betrieben und Verwaltungen dös 
Reiches durch Gewährung von Darlehen an Private und an gemein 
nützige Unternehmungen (Bauvereine, Baugenossenschaften, Baugesell 
schaften u. a.) sowie zum Erwerbe geeigneten Baugeländes zur Herstel 
lung solcher Wohnungen“. Das Reich will also mit diesem Mittel nicht 
selbst Häuser bauen, sondern vor allem Baugenossenschaften und ähn 
lichen Unternehmungen gemeinnützigen Charakters Darlehen zu dem 
Zweck gewähren, daß diese den Beamten und Arbeitern des Reichs ent 
sprechende Wohnungen hersteilen. Außerdem wird mit diesen Mitteln 
geeignetes Baugelände erworben, das den Baugenossenschaften usw. 
nach und nach zu Erbbaurecht überlassen wird. So ist nach den Er 
läuterungen zum Etat für 1904 bei Wilhelmshaven ein Baugelände 
von 46 ha erworben, auf dem nach und nach etwa 1500 Arbeiter 
familien in Häusern mit je 4 Familienwohnungen angesiedelt werden 
können. Von den bisher bewilligten Mitteln ist ein beträchtlicher Teil 
nach den Seestädten, in denen sich reichsfiskalische Betriebe befinden, 
geflossen und fernerhin noch zu geben. Auch der rheinisch-westfä 
lische Industriebezirk, ferner Dresden, Leipzig, Wiesbaden, Straßburg,. 
Metz, Posen, verschiedene kleine östliche Orte, Berlin u. a. m. machen 
ein Eingreifen zugunsten der Arbeiter und gering besoldeten Beamten 
des Reiches nötig. Nach einer dem Reichstag am 22. Dez. 1903 vorge 
legten „Übersicht über die Verhältnisse der vom Reiche unterstützten 
Baugenossenschaften usw.“ sind aus den vorgenannten Fonds Darlehen 
an 35 Genossenschaften usw. in 29 Städten gewährt und auf diese Weise 
mit Reichsunterstützung bereits fertig gestellt 339 Häuser mit 1310 Woh 
nungen und noch nicht fertiggestellt, aber im Bau begriffen oder ge 
plant 347 Häuser mit 1709 Wohnungen. Davon kommen auf: 
Genossen- Fertiggestellte Noch nicht fertiggestellte: 
schäften usw. Häuser Wohnungen Häuser Wohnungen 
10 Küstenorte . . 
13 
213 
471 
224 
1709 
6 rhein. westf. Orte 
7 
37 
233 
72 
450 
Berlin und Rixdorf 
4 
55 
359 
12 
153
	        
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