Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

422

II.  Teil.  Arbeiterwohlfahrtspolitik.

der  weitaus  größte  Teil  für  das  Saarrevier  bestimmt  ist.  Die  preußische ­
  Staatsbahnverwaltung  hat  außer  den  S.  421  genannten  Summen
noch  aus  ihrem  eigenen  Etat  sehr  bedeutende  Mittel  —  in  den  letzten
10  Jahren  rund  20  Mill.  M.  —  für  den  Wohnungsbau  verwendet.  Auch
die  Heeresverwaltung  und  andere  Verwaltungen  haben  sich  der  Verbesserung ­
  der  WohnungsVerhältnisse  ihrer  Arbeiter  und  Unterbeamten
in  erheblichem  Umfange  gewidmet.
Das  Reich  hat  sich  in  seiner  Eigenschaft  als  Arbeitgeber  bei  der
Wohnungsfürsorge  für  eigene  Arbeiter  und  Unterbeamte  reichlich  betätigt. ­
  Im  Etat  des  Reichsamtes  des  Innern  sind  für  1901  :  2  Mil.  M.,
für  1902  und  1903  je  4  Mill.  M.  und  für  1904  5  Mill.  M.  vorgesehen
„zur  Förderung  der  Herstellung  geeigneter  Kleinwohnungen  für  Arbeiter
und  gering  besoldete  Beamte  in  den  Betrieben  und  Verwaltungen  dös
Reiches  durch  Gewährung  von  Darlehen  an  Private  und  an  gemeinnützige ­
  Unternehmungen  (Bauvereine,  Baugenossenschaften,  Baugesellschaften ­
  u.  a.)  sowie  zum  Erwerbe  geeigneten  Baugeländes  zur  Herstellung ­
  solcher  Wohnungen“.  Das  Reich  will  also  mit  diesem  Mittel  nicht
selbst  Häuser  bauen,  sondern  vor  allem  Baugenossenschaften  und  ähnlichen ­
  Unternehmungen  gemeinnützigen  Charakters  Darlehen  zu  dem
Zweck  gewähren,  daß  diese  den  Beamten  und  Arbeitern  des  Reichs  entsprechende ­
  Wohnungen  hersteilen.  Außerdem  wird  mit  diesen  Mitteln
geeignetes  Baugelände  erworben,  das  den  Baugenossenschaften  usw.
nach  und  nach  zu  Erbbaurecht  überlassen  wird.  So  ist  nach  den  Erläuterungen ­
  zum  Etat  für  1904  bei  Wilhelmshaven  ein  Baugelände
von  46  ha  erworben,  auf  dem  nach  und  nach  etwa  1500  Arbeiterfamilien ­
  in  Häusern  mit  je  4  Familienwohnungen  angesiedelt  werden
können.  Von  den  bisher  bewilligten  Mitteln  ist  ein  beträchtlicher  Teil
nach  den  Seestädten,  in  denen  sich  reichsfiskalische  Betriebe  befinden,
geflossen  und  fernerhin  noch  zu  geben.  Auch  der  rheinisch-westfälische ­
  Industriebezirk,  ferner  Dresden,  Leipzig,  Wiesbaden,  Straßburg,.
Metz,  Posen,  verschiedene  kleine  östliche  Orte,  Berlin  u.  a.  m.  machen
ein  Eingreifen  zugunsten  der  Arbeiter  und  gering  besoldeten  Beamten
des  Reiches  nötig.  Nach  einer  dem  Reichstag  am  22.  Dez.  1903  vorgelegten ­
  „Übersicht  über  die  Verhältnisse  der  vom  Reiche  unterstützten
Baugenossenschaften  usw.“  sind  aus  den  vorgenannten  Fonds  Darlehen
an  35  Genossenschaften  usw.  in  29  Städten  gewährt  und  auf  diese  Weise
mit  Reichsunterstützung  bereits  fertig  gestellt  339  Häuser  mit  1310  Wohnungen ­
  und  noch  nicht  fertiggestellt,  aber  im  Bau  begriffen  oder  geplant ­
  347  Häuser  mit  1709  Wohnungen.  Davon  kommen  auf:
Genossen-  Fertiggestellte  Noch  nicht  fertiggestellte:
schäften  usw.  Häuser  Wohnungen  Häuser  Wohnungen

10  Küstenorte  .  .

13

213

471

224

1709

6  rhein.  westf.  Orte

7

37

233

72

450

Berlin  und  Rixdorf

4

55

359

12

153
            
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