Full text : Grundzüge der Sozialpolitik

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II.  Teil.  Arbeiterwohlfahrtspolitik.

anzulegen.  Nach  dem  amtlichen  Bericht  über  die  „Gebarung  und  die
Ergebnisse  der  Unfallstatistik“  für  1901  und  nach  einem  Bericht  von
Koegleb  auf  dem  6.  Internationalen  Wohnungskongreß  1902  hat  die
Unfallversicherungsanstalt  in  Triest  auf  einem  hierzu  angekauften
größeren  Gelände  von  1896—1898:  22  einzeln  stehende  Arbeiterhäuser
mit  192  Mietwohnungen  (108  aus  1  Zimmer,  2  Kammern  und  Küche,
84  aus  1  Zimmer,  1  Kammer  und  Küche)  mit  kleinen  Gärten  errichtet.
Die  Gesamtkosten  waren  790  000  Kr.  Am  31.  Dezember  1901  wohnten
1453  Personen  in  diesen  Wohnungen;  in  20  o/o  der  größeren  Wohnungen
wohnten  Aftermieter.  Die  Unfallversicherungsanstalt  in  Graz  baute
1899  in  Eggenberg  7  Häuser  mit  44  Mietwohnungen  (18  mit  1  Zimmer,
Kammer  und  Küche,  26  mit  1  Zimmer  und  Küche),  und  1900  in  Leoben
15  Häuser  mit  111  Wohnungen  (28  mit  1  Zimmer,  Kammer  und  Küche,
83  mit  1  Zimmer  und  Küche).  Die  Gesamtkosten  sind  rund  686  000  Kr.
Die  Unfallversicherungsanstalt  in  Wien  errichtete  1899  in  Floridsdorf
mit  einem  Kostenaufwand  von  300  000  Kr.  6  dreistöckige  Arbeiterhäuser
mit  77  Familienwohnungen  (meist  1  Zimmer  und  Küche  umfassend)
und  21  Kabinetten  für  Ledige;  auch  hier  handelt  es  sich  um  Mietwohnungen. ­
  Die  genannten  3  Anstalten  bauten  auf  eigenes  Risiko.
Die  Anstalt  in  Salzburg  dagegen  hat  für  die  von  ihr  erbauten  Häuser
die  Verwaltung  und  die  Garantie  für  Verzinsung  und  Amortisation
vertragsmäßig  auf  bestimmte  Großunternehmer  übertragen.  Sie  baute
in  Kleinmünchen  10  ebenerdige  Doppelhäuser  für  34  Familien,  in  Hallein
12  Häuser  für  je  2  Familien  mit  einem  Gesamtaufwand  von  233  000  Kr.
Die  Häuser  gehen  nach  bestimmter  Frist  in  das  Eigentum  der  betr.
Unternehmer  über.
Die  Staaten  haben  keine  Veranlassung  genommen,  für  Arbeiter
in  nicht  staatlichen  Unternehmungen  Miethäuser  zu  errichten.
Gleichwohl  kann  ein  derartiges  Eingreifen  staatlicher  Organe  nicht
schlechthin  als  unzweckmäßig  und  unberechtigt  hingestellt  werden.
Es  lassen  sich  Verhältnisse  denken,  in  denen  der  Bau  solcher  Miethäuser ­
  für  nicht  staatliche  Arbeiter  zur  Beseitigung  oder  Milderung
bedenklicher  Mißstände  angezeigt  sein  würde.  Noch  mehr  Anlaß  zu
einem  solchen  Eingreifen  können  die  Kommunalverwaltungen  haben.
Die  nicht  selten  ausgesprochene  grundsätzliche  Ablehnung  eines  derartigen ­
  Vorgehens  ist  doktrinär  und  hat  sich  praktisch  nicht  durchführen ­
  lassen.  In  England  haben  Aberdeen,  Croydon,  Darwen,  Glasgow,
Huddersfield,  Lancaster,  Leith,  London,  Manchester,  Salford,  Southampton
—  meist  in  den  90er  Jahren  —  mit  einem  Aufwand  von  rund
233  000  Pfd.  Sterl.  Logierhäuser  gebaut;  allen  voran  hat  Glasgow  mit
einem  Aufwand  von  107  000  Pfd.  Sterl.  schon  1871  und  1879  sieben
solcher  Häuser  mit  Betten  für  2166  Männer  und  248  Frauen  errichtet.
Glasgow  hat  sich  weiter  auch  im  Bau  von  Mietwohnhäusern  für
            
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