476 III. Teil. Selbständige sozialpolitische Arbeit der Selbstverwaltungskörper usw.
ohne Erfolg blieb. Zustatten kam ihr namentlich die Ausbreitung
der Konsumvereine, die hier wie in anderen Ländern vielfach als
regelmäßige Abnehmer von Produktivgenossenschaften auftreten.
1897 gab es 223 eigentliche Produktivgenossenschaften in Großbritannien
mit einem Umschlag von 65 Mill. M., 28 Mill. M. Kapital,
1,7 Mill. M. ^Reserven, 1,2 Mill. M. Geschäftsgewinn. Im Jahre 1900
wurden 8 Getreidemühlen- und 284 sonstige Produktivgenossenschaften,
1901: 8 Getreidemühlen- und 288 sonstige Produktivgenossenschaften
gezählt. Im Jahre 1901 war der Umsatz der 8 Getreidemühlengenossenschaften
1,23 Mill. Pfd. Sterl., derjenige der 288 sonstigen
Produktivgenossenschaften 2,56 Mill. Pfd. Sterl. gegen 1,83 und 2,44 Mill.
Pfd. Sterl. im Vorjahr.
Aus diesen Angaben ist zu schließen, daß die übertriebene Wertschätzung
der Produktivgenossenschaften — mit denen übrigens die
noch zu besprechende Eigenproduktion der Konsumvereine nicht zu
verwechseln ist — ebenso unbegründet ist, wie die Verneinung ihrer
Bedeutung. Erfolg und Mißerfolg auf diesem Gebiete hängen zum
Teil von äußeren Umständen ab. Insbesondere ist es hier von Bedeutung,
ob die Produktivgenossenschaften in den Konsumvereinen
ständige Abnehmer für einen wesentlichen Teil ihrer Erzeugnisse
finden oder ob sie dafür auf dem freien Markt Absatz suchen müssen.
Weiter aber kommt es darauf an, ob die Produktivgenossenschaften
sich auf Produktionszweige werfen, die ihnen günstige Voraussetzungen
bieten. Es ist ein großer Irrtum, zu meinen, daß diese Unternehmungsform
allgemein auf die Produktion anwendbar sei. Die Produktivgenossenschaft
hat ihrer Natur nach ein viel engeres Anwendungsgebiet,
als die Aktiengesellschaft. Beide ähneln einander darin, daß
der ganze Organismus eine gewisse Schwerfälligkeit bedingt, die
namentlich da hinderlich wird, wo es sich um Produktion für einen
sehr wechselnden Bedarf, um die Notwendigkeit rascher Entschließungen
zur Erfassung etwaiger günstiger Verschiebungen in der allgemeinen
Marktlage handelt. Aber die Aktiengesellschaft ist in zwei wichtigen
Punkten der Produktivgenossenschaft überlegen, in bezug auf Kapitalund
Kreditkraft und in bezug auf die Besetzung der leitenden Stellungen.
Die Kapitalkraft der Arbeiter ist an sich, wie schon gezeigt, auch
bei genossenschaftlicher Vereinigung in der Hegel beschränkt, und nur
allmählich und durch stetige und große Opfer Willigkeit der solidarisch
haftenden Mitglieder kann das Heranwachsen eines ausreichenden
Kapitals ermöglicht werden. Treten namentlich in der ersten Zeit
schwierige Marktverhältnisse ein, so geht die Genossenschaft wegen
ihrer geringen Widerstandsfähigkeit leicht zugrunde. Die Kapitalkraft
durch Annahme von Mitgliedern zu verstärken, die nicht an
der Arbeit, sondern nur mit Geldeinlagen beteiligt sind, ist an sich