Full text: Grundzüge der Sozialpolitik

488 IY. Teil. Wohlfahrtspolitik in bezug auf sonstige Personen usw. 
kaufmännischen Angestellten fast ununterbrochen zu finden. Er setzt 
sich zumeist aus Personen zusammen, die in bezug auf Wissen, Tüchtig 
keit und Charakter höheren Anforderungen nicht genügen. Für diese 
ist es noch schwerer, als für die Arbeiter, in normalen Zeiten Unter 
kommen zu finden, weil eben größere Anforderungen an die Privat 
beamten gestellt werden. Tüchtige und gut geschulte Leute sind in 
normalen Zeiten meist in der Lage, einen angemessenen Posten zu 
erlangen. Es ist sogar in der Kegel nicht möglich, für alle offenen 
Stellen Bewerber zu finden, die den gestellten Anforderungen völlig 
genügen und mit dem angebotenen Gehalt einverstanden sind. Für 
den nicht genügend leistungsfähigen und nicht tüchtig vor- und durchge 
bildeten Privatbeamten dagegen eröffnen sich selbst in Zeiten starker 
Nachfrage nur geringe Aussichten. Nicht zu vergessen ist, daß ein 
Teil des in Frage kommenden Personenkreises im stände und ein 
noch viel größerer Teil bemüht ist, dem Verlust der Arbeitsgelegen 
heit in abhängiger Stellung durch Übergang zur selbständigen wirt 
schaftlichen Arbeit auszuweichen. In Zeiten einer Krisis versagt 
dieser Weg freilich in sehr vielen Fällen, in normalen Zeiten führt 
er in der Regel nur bei denjenigen dauernd zum Ziel, welche die 
nötigen Fähigkeiten und Mittel zur selbständigen Arbeit aufweisen. 
Den Nachteilen der Stellenlosigkeit durch Notstandsarbeiten ent 
gegenzuwirken, liegt bei weitem nicht in demselben Umfange Anlaß 
vor, wie bei der Arbeiterklasse. Für Staat und Gemeinde bieten 
sich auch nur wenige dazu geeignete Wege, da für Kopfarbeiter, 
wenn sie als solche beschäftigt werden sollen, nur bei besonderen An 
lässen, z. B. bei größeren statistischen Erhebungen, passende Arbeit 
zu bieten ist. Einen mehrfach benutzten Notbehelf stellen die nament 
lich von privater Seite begründeten Schreibstuben dar, in denen 
arbeitslosen Kopfarbeitern Gelegenheit zu einem bescheidenen Erwerb 
geboten wird, allerdings nicht immer zum Vorteil der in gleicher 
Richtung ständig tätigen privaten Erwerbsbetriebe. 
Umfangreicher sind die Veranstaltungen zur Stellenvermittlung. 
Sie liegt zum großen Teil in der Hand von privaten Erwerbsunter 
nehmungen. Auch hier fehlt es nicht an bedenklichen Elementen, 
und deshalb haben die Ausführungen im 6. Kap. § 4 im wesentlichen 
zugleich in diesem Zusammenhang Bedeutung. Amtliche Arbeits 
nachweisorgane widmen sich der Stellenvermittlung für Privatbeamte 
nur selten. Der Hauptteil der nicht auf Erwerb gerichteten Stellen 
vermittlung entfällt auf die Vereine, die sich für die kaufmännischen 
und sonstigen Privatbeamten gebildet haben. Eine große Zahl solcher 
Vereine betreibt satzungsgemäß dauernd die Stellenvermittlung. Um 
den nötigen Zusammenhang zwischen der sehr zersplitterten Arbeit 
auf diesem Gebiet herzustellen, hat sich aus dem „Deutschen Verband
	        
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