Full text : Die Steigerung der Produktivität der deutschen Landwirtschaft im neunzehnten Jahrhundert

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weitem  nicht  so  gross,  dass  durch  Erübrigung  dieses  Quantums  für  den
menschlichen  Konsum  die  ganze  Weizeneinfuhr  beseitigt  werden  könnte.
Bei  der  Brotversorgungsfrage  spielt  eben  noch  ein  Moment  mit,  dessen
Bedeutung  nicht  genug  gewürdigt  wird,  das  ist  die  Veränderung  in  den
Konsumgewohnheiten  des  Volkes.  Trotz  aller  Verelendungstheorie  bessert
und  verfeinert  sich  die  Lebenshaltung  desselben;  ein  Ausdruck  dafür  ist
die  Tatsache,  dass  die  Bevölkerung  immer  mehr  zu  dem  Konsum  von
Weizenbrot  übergeht.  Nach  unserer  Berechnung  ist  die  Weizenproduktion
in  Deutschland  während  des  ganzen  Jahrhunderts  um  244  %  gewachsen,
also  viel  stärker  als  die  Bevölkerung,  die  Roggenproduktion  nur  um  113  %,
also  schwächer  als  die  Bevölkerung;  trotzdem  ist  die  Weizeneinfuhr  gegenwärtig ­
  absolut  und  relativ  viel  stärker  als  beim  Roggen. 1 )  Die  Verbrauchsstatistik ­
  zeigt,  dass  von  1879/84  bis  1894/98  der  Konsum  pro  Kopf  der
Bevölkerung  gestiegen  ist  beim  Weizen  um  50,6  %,  beim  Roggen  nur  um
2,6  %. 2 )  Unter  diesen  Umständen  hätte  also  die  deutsche  Landwirtschaft
die  Aufgabe,  nicht  nur  im  allgemeinen  die  Produktion  von  Brotgetreide  im
Verhältnis  zum  Wachstum  der  Bevölkerung  zu  steigern,  sondern  darüber
hinaus  hauptsächlich  dem  sich  gewaltig  mehrenden  Bedarf  an  Weizen  gerecht ­
  zu  werden.  Ob  und  unter  welchen  Bedingungen  sie  dazu  imstande
wäre,  das  ist  eine  andere  Frage.
Die  Entwickelung  der  letzten  Jahrzehnte  im  besondern.
Wir  haben  bis  jetzt  die  hundertjährige  Entwickelung  der  deutschen
Landwirtschaft,  soweit  sie  die  Pflanzenproduktion  betrifft,  in  einen  scharfen
Umriss  zu  fassen  gesucht,  indem  wir  hauptsächlich  Anfang  und  Ende  des
Jahrhunderts  einander  gegenüberstellten.  Um  das  Bild  zu  vervollständigen,
bringen  wir  nachstehend  noch  einige  Tabellen,  welche  auf  Grund  der
Veröffentlichungen  des  Kaiserl.  Stat.  Amtes  zusammengestellt  sind  und  im
besondern  die  Entwickelung  der  letzten  Jahrzehnte  dartun.

1.  Hauptarten  der  Bodenbenutzung.

Im
Jahre

Acker-  und
Gartenland

Weinberge

Wiesen

Weiden  und
Hutungen

Forsten  und
Holzungen

Haus-  und
Hofräume,  Odund
  CJnland,
Wege,  Gewässer ­
  usw.

in  100  ha

1878

259  996,7

1338,4

59  076,3

46  027,8

138  392,1

33937,6

1883

261  773,5

1346,2

59  033,4

34  251,1

139  084,0

44  762,7

1893

262  432,1

1325,8

59  157,7

28  730,3

139  568,3

49  272,0

1900

262  573,1

1352,1

59  561,6

27  067,1

139  958,7

50  135,2

>•)  Vergl.  die  obige  Bemerkung  Dades.
-)  Stat.  Jahrbuch  für  d.  D.  R.  1899,  S.  153.  Im  Jahresdurchschnitt  1879/84  betrug
der  Verbrauch  an  Weizen  51,6  kg  pro  Kopf  der  Bevölkerung,  an  Roggen  121,0  kg,  im
Jahresdurchschnitt  1894/98  an  Weizen  77,7  kg,  an  Roggen  124,1  kg.  Die  letzten  beiden
Durchschnitte  sind  von  uns.  nach  den  Angaben  des  Jahrbuchs  unter  Berücksichtigung  des
Wachstums  der  Bevölkerung  berechnet  worden.
            
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