Vorwort des Verfassers
Der durchschnittliche Lohnarbeiter hat sich heute damit abgefunden,
dass er Zeit seines Lebens Lohnarbeiter bleiben muss.
Die Hoffnung auf einen Zukunftsstaat, in dem er selbst Kapitalist
sein würde, hat er aufgegeben, und so gipfelt sein Streben nur
mehr darin, dass ihm als Arbeiter ein seiner Arbeit entsprechender
Lohn ausgezahlt wird. Als Einzelner zu schwach, seine gerechten
Forderungen zu erzwingen, hat er in den Gewerkschaften eine
Stütze gesucht und sich zur Arbeiterorganisation zusammengeschlossen.
Arbeitervereinigungen sind für den Arbeiter bestimmt, aber
gegen niemanden gerichtet. Sie sind weder dem Unternehmer
feindlich noch den Interessen des Volksganzen. Sie sind Einrichtungen,
die einer einzelnen Klasse dienen, weil diese Klasse nun
einmal besteht und Klasseninteressen hat; aber weder schufen
sie diese Klasse und ihre Interessen, noch halten sie sie künstlich
aufrecht oder suchen sie den Klassenkampf zu wecken.
Eine Feindschaft zwischen Ai’beit und Kapital ist nicht notwendig;
keins kann ohne das andere bestehen; jedes hat sich mit
Hilfe des anderen entfaltet. Kapital ist aufgesparte und versachlichte
Arbeit, während wiederum die Fähigkeit zu arbeiten eine
Form von Kapital ist. Es besteht nicht einmal ein notwendiger
grundsätzlicher Gegensatz zwischen Arbeiter und Kapitalist.
Beide sind Menschen mit Tugenden und Fehlern von Menschen,
und beide begehren zuweilen mehr als den billigen Anteil. Aber
genauer betrachtet ist das Interesse des Einen das des Anderen
und das Wohlergehen des Einen auch das des Anderen. Wo hohe
Löhne gezahlt werden, bleiben Kapital und Geschäftsleitung nicht