127
kennung der früheren unmoralischen Preisdrückerei und Überanstrengung
zu sein.
In den wenigen Gewerben, wo eine Einschränkung durch
die Schuld der Unternehmer besteht, sollten diese die Möglichkeit
zur Beseitigung der Preisdrückerei und des Schrittmachersystems
geben, und die Arbeiter werden ihnen auf halbem Wege entgegenkommen.
Gewerkschaften aber, die solche Übel zu beseitigen
suchen, sollte man nicht ohne weiteres deswegen angreifen.
Das bei einzelnen Arbeitern herrschende Vorurteil, es gäbe
in der Welt nur eine gewisse Masse Arbeit zu leisten, und jemehr
der eine tue, desto weniger bleibe für den andern, ist ein
altes Überbleibsel aus den Zeiten des Kleinbetriebes oder der
Gelegenheitsarbeit, bei der der Mann sieht, dass er entlassen
wird, wenn eine bestimmte Arbeit beendigt ist. Aber in solchen
Einzelfällen muss und kann das Interesse des Unternehmers anerkannt
werden, nur im allgemeinen ist die Voraussetzung falsch..
Je mehr Arbeit getan wird, desto mehr bleibt in der ganzen
Industrie zu tun, das haben wir an der Steigerung der Konsumkraft
gesehen. Eine Einschränkung der Leistung verteuert aber
die Ware, ohne die Konsumkraft zu heben; damit würde sie am
Ende des Kreislaufes sogar die Löhne wieder kürzen. Dazu wird
durch dauernde Verlangsamung der Arbeit die Arbeitsfähigkeit
des Arbeiters geschädigt, und er wird rückwärts schreiten. Das
Gewerkschaftsprinzip „guter Lohn für gute Leistung“ muss also
von selbst die Einschränkungspolitik niederkämpfen und für Erhöhung
der Leistung im Interesse der Hebung der Arbeiter eintreten.
30. KAPITEL.
Die Lehrlingsfrage.
In der Vergangenheit haben die Gewerkschaften viel mit
der Lehrlingsfrage oder der technischen Erziehung des Arbeiters
zu tun gehabt. Wenn ehemals der Bursche mit 14 Jahren in die
Lehre trat und vielleicht mehrere Jahre lang ausser der Verpflegung
keine Entschädigung erhielt, so war er doch danach
nicht nur zu selbständiger Ausübung des Gewerbes vorgebildet,.