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falsch. Mit demselben Rechte müsse man den Amerikanern vorwerfen,
die Kriegskosten gegen England seien hundertfach grösser
gewesen, als die seither gezahlten Steuerabgaben; sie verzinsten
sich daher nicht. Ein Streik muss von einem höheren Standpunkte
aus betrachtet werden, als dem des Geschäftes. Aber auch die
Kosten sind vielfach übertrieben worden. In einer Zusammenstellung
aller Arbeitseinstellungen des Landes vom 1. Januar 1881 bis
31. Dezember 1900 gibt Caroll D. Wright die Verluste für Unternehmer
nnd Arbeiter zusammen auf 2 Milliarden Mark (469 Mill. Doll.)
an. 5 / 6 dieser Summe schreibt man etwa den Streiks, x / 6 den
Aussperrungen zu.
Wenn man diese kolossale Summe verteilt, so gibt dies nur
einen monatlichen Verlust von 12 Pfennigen (3 c) auf den Einwohner.
Der Durchschnittsarbeiter hat also bedeutend weniger
als 1% seines Einkommens diesem Wirtschaftskampfe geopfert.
Die Nation hat in der gleichen Zeit mehr als fünfmal soviel für
Pensionen, und allein in den letzten vier Monaten mehr für Bahnfrachten
gezahlt. Und dasselbe gilt für die verlorene Zeit. Die
eingebiisten 194 Millionen Arbeitstage geben verteilt weniger als
einen Tag jährlich für den erwachsenen Arbeiter, weniger Verlust,
als die Feier eines unserer nationalen Feiertage mit sich
bringt, und weniger als V50 Zuschlag zur Sonntagsruhe. Durch
einen Zuschlag von 4 Minuten zu jedem Arbeitstag wäre der Gesamtverlust
mehr als ausgeglichen.
„Aber diese Zeit“, sagt Direktor Wright, „stellt keinen absoluten
Verlust dar, da sie die Notwendigkeit vermindert, die Betriebe
zu anderer Zeit stillzusetzen oder einzuschränken, sei es
wegen Anpassung an die Nachfrage des Marktes oder zum Zwecke
von Reparaturen.“ Dies gilt vor allem für die Kohlenindustrie,
welche all der Streiks in dieser Zeit betrifft. In ihr werden
jährlich sicher nicht mehr als 10 Tage durch Streiks, aber volle
111 Tage durch Aussetzen verloren. Das heisst also, vor dem
grossen Konflikt des Jahres 1902 haben im Streikfall die Arbeiter
den Termin des Aussetzens bestimmt, den sonst der Unternehmer
nach seinen geschäftlichen Rücksichten festsetzte.
Aber so gering der Verlust durch Streiks für die ganze
Arbeiterschaft ist, so hart ist er für den einzelnen, und der Hunger
von heute wird nicht gestillt durch das Schmausen morgen.
Zu ihren Verlusten kommen die des Publikums, das eines
Verkehrsmittels beraubt wird, oder dem die Preise gesteigert, und