154
Aber in Wirklichkeit bringt, die Vermeidung von Gewalt
einem Streik soviel Vorteil, wie ihre Anwendung Schaden. Jeder
Gewaltakt muss sich gegen den Täter kehren. Keine Arbeitergruppe
kann der Staatsmiliz oder der Bundesarmee widerstehen,
und im Konfliktfall würde die Regierung mit Billigung des Landes
soviel Truppen ins Feld stellen, wie im Sezessionskrieg. Nicht
nur die öffentliche Meinung, sondern auch die Arbeiterschaft
selbst würde bei der Unterdrückung von Gewaltakten auf seiten
der Verfassung stehen.
Das Streikpostenstehen als Ausübung eines des wichtigsten
Rechtes im Kampf, kann man nicht gewalttätigen, sondern nur
ruhigen, aber beredten Leuten überlassen. Wer die Pistole in
der Tasche führt, verschwendet Zeit und Geduld nicht mit
Argumenten; aber die Leute, die man nicht überreden, sondern
nur einschüchtern kann, schaden als Skebs nicht soviel, wie als
öffentliche Ankläger. Die Sache der Arbeiter hängt nicht vom
Erfolge des Tages oder eines Jahres ab. Selbst der siegreiche
Unternehmer wird die Wiederkehr eines Streikes fürchten, wie
das gebrannte Kind das Feuer.
Wenn die Unternehmer also jeden Fall von Gewalttätigkeit
aufdecken und die Blätter ihn übers Land verbreiten, so unterstützen
sie damit die Bemühungen der Gewerkschaften in der
Ausrottung des Unrechts. Wogegen diese sich auflehnen, ist allein
die Diskreditierung von Personen und Parteien durch solche Fälle,
die sie selbst aufs tiefste bedauern. Eine Gewerkschaft ist nicht
mehr verantwortlich für das Tun eines Mitgliedes, als eine Eisenbahn
für die falsche Weichenstellung eines betrunkenen Beamten
oder eine Aktiengesellschaft für die Tat eines Aktionärs.
Aber Unternehmer und Zeitungen wetteifern in der Übertreibung
solcher Fälle und erwecken den Anschein, als herrsche
eine Anarchie in den Organisationen. Die Berichte über Versammlungen,
die in der grössten parlamentarischen Ruhe verliefen,
klingen nach beginnendem Aufruhr; zwei friedliche Postensteher
werden da zur wogenden Volksmenge, und ein Krakehl zwischen
zwei Betrunkenen zu einem verzweifelten Versuch der Gewerkschaft,
die Gegner zu Krüppeln zu schlagen.
Am 4. Juli jeden Jahres werden durch Feuerwerk, Frösche
und Explosionen mehr Menschen verletzt und getötet, als
in allen Streiks das Jahr über, und unvergleichlich mehr im
Gewühle des Wahltages. Deswegen behauptet aber keiner, dass