Full text : Organisierte Arbeit

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Aber  in  Wirklichkeit  bringt,  die  Vermeidung  von  Gewalt
einem  Streik  soviel  Vorteil,  wie  ihre  Anwendung  Schaden.  Jeder
Gewaltakt  muss  sich  gegen  den  Täter  kehren.  Keine  Arbeitergruppe ­
  kann  der  Staatsmiliz  oder  der  Bundesarmee  widerstehen,
und  im  Konfliktfall  würde  die  Regierung  mit  Billigung  des  Landes
soviel  Truppen  ins  Feld  stellen,  wie  im  Sezessionskrieg.  Nicht
nur  die  öffentliche  Meinung,  sondern  auch  die  Arbeiterschaft
selbst  würde  bei  der  Unterdrückung  von  Gewaltakten  auf  seiten
der  Verfassung  stehen.
Das  Streikpostenstehen  als  Ausübung  eines  des  wichtigsten
Rechtes  im  Kampf,  kann  man  nicht  gewalttätigen,  sondern  nur
ruhigen,  aber  beredten  Leuten  überlassen.  Wer  die  Pistole  in
der  Tasche  führt,  verschwendet  Zeit  und  Geduld  nicht  mit
Argumenten;  aber  die  Leute,  die  man  nicht  überreden,  sondern
nur  einschüchtern  kann,  schaden  als  Skebs  nicht  soviel,  wie  als
öffentliche  Ankläger.  Die  Sache  der  Arbeiter  hängt  nicht  vom
Erfolge  des  Tages  oder  eines  Jahres  ab.  Selbst  der  siegreiche
Unternehmer  wird  die  Wiederkehr  eines  Streikes  fürchten,  wie
das  gebrannte  Kind  das  Feuer.
Wenn  die  Unternehmer  also  jeden  Fall  von  Gewalttätigkeit
aufdecken  und  die  Blätter  ihn  übers  Land  verbreiten,  so  unterstützen ­
  sie  damit  die  Bemühungen  der  Gewerkschaften  in  der
Ausrottung  des  Unrechts.  Wogegen  diese  sich  auflehnen,  ist  allein
die  Diskreditierung  von  Personen  und  Parteien  durch  solche  Fälle,
die  sie  selbst  aufs  tiefste  bedauern.  Eine  Gewerkschaft  ist  nicht
mehr  verantwortlich  für  das  Tun  eines  Mitgliedes,  als  eine  Eisenbahn ­
  für  die  falsche  Weichenstellung  eines  betrunkenen  Beamten
oder  eine  Aktiengesellschaft  für  die  Tat  eines  Aktionärs.
Aber  Unternehmer  und  Zeitungen  wetteifern  in  der  Übertreibung ­
  solcher  Fälle  und  erwecken  den  Anschein,  als  herrsche
eine  Anarchie  in  den  Organisationen.  Die  Berichte  über  Versammlungen, ­
  die  in  der  grössten  parlamentarischen  Ruhe  verliefen,
klingen  nach  beginnendem  Aufruhr;  zwei  friedliche  Postensteher
werden  da  zur  wogenden  Volksmenge,  und  ein  Krakehl  zwischen
zwei  Betrunkenen  zu  einem  verzweifelten  Versuch  der  Gewerkschaft, ­
  die  Gegner  zu  Krüppeln  zu  schlagen.
Am  4.  Juli  jeden  Jahres  werden  durch  Feuerwerk,  Frösche
und  Explosionen  mehr  Menschen  verletzt  und  getötet,  als
in  allen  Streiks  das  Jahr  über,  und  unvergleichlich  mehr  im
Gewühle  des  Wahltages.  Deswegen  behauptet  aber  keiner,  dass
            
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