Full text : Organisierte Arbeit

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Aber  unter  besseren  äusseren  Verhältnissen  wird  die  Gewerkschaftsbewegung ­
  noch  nicht  am  Ziele  stehen;  sie  ist  nicht  nur
negativ,  sondern  auch  positiv,  Schild  und  Schwert,  heute  verteidigend ­
  und  morgen  erobernd.  Wer  so  seine  Augen  in  die  Ferne
schweifen  lässt,  darf  jedoch  nicht  den  Grund  unter  den  Füssen
verlieren.  Man  hat  gesagt,  dass  der  Fortschritt  nur  krieche,  und
dass  auf  seinem  langsamen  Wege  Ströme  von  Tränen  und  Blut
fiiessen.  Die  Entwicklung  dauert  fort,  aber  das  Leben  des  Menschen ­
  und  seiner  Einrichtungen  ist  kurz.  Eine  Sache  wird  tiefer
gewurzelt  und  wahrhaftiger  oft  unter  den  härtesten  Schlägen  und
in  den  bittersten  Zeiten.  Es  mag  Generationen  erfordern,  Würde
in  die  Brust  des  Menschen  zu  pflanzen;  aber  einmal  gepflanzt,  ist
sie  unausrottbar;  mag  man  den  Arbeiter  wieder  niederdrücken,  er
hat  gehen  gelernt  und  wird  sich  nie  mehr  mit  dem  Kriechen  begnügen. ­

Die  Gewerkschaftsbewegung  steht  nicht  als  abgeschlossene
Erscheinung  vor  uns.  Wir  bezeichnen  mit  diesem  Namen  lediglich
einen  Schritt  in  der  Entwicklung,  die  vor  tausenden  von  Jahren
begonnen  hat  und  in  abertausenden  nicht  enden  kann,  und  einen
Akt  in  dem  Drama  des  Aufsteigens  der  menschlichen  Kasse.  Die
Kräfte  der  Entwicklung  erschöpfen  sich  nicht.  Aber  in  den  Zeiten,
in  denen  man  auf  unseren  Zustand  herabblicken  wird,  wie  wir
heute  auf  die  Höhlenmenschen,  wird  man  mit  Dankbarkeit  zurückblicken ­
  auf  eine  Bewegung,  die  dieses  Aufsteigen  bewusst  geleitet ­
  hat.
„Was  die  Leute  Organisation  der  Arbeit  nennen,“  sagt
Thomas  Carlyle,  der  grosse  Philosoph  und  Mensch,  „das  ist  das
allgemeine  Lebensproblem  der  Welt.“

Thalacker  &  Schöffer,  Leipzig.
            
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