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11. KAPITEL.
Die
heutigen amerikanischen Gewerkschaften.
Viele Leute glauben, alle Arbeitervereinigungen hätten
gleiche Ziele und Organisation. Es gibt aber so viel Arten und
Abarten von Gewerkschaften, wie Zweige in der Industrie.
Zwischen einer Vereinigung von Schriftsetzern und einer solchen
von Strassenarbeitern besteht kaum grössere Ähnlichkeit, als
zwischen diesen beiden Berufen, und selbst die Unterscheidung
zwischen Vereinigungen gelernter und ungelernter Arbeiter,
zwischen solchen mit straffer oder nur loser Zentralleitung, erschöpft
noch nicht alle Unterschiede. Inländer und Eingewanderte,
Männer oder Frauen, Zulassung oder — was allerdings ziemlich
selten ist — Ausschluss von Negern, ja sogar , in einzelnen Ausnahmen
eine aristokratische und exklusive Gebarung der Mitglieder
geben der Gewerkschaftspolitik eine äusserst verschiedene Färbung!
Man denke ferner an Gewerkschaften von Staatsbeamten, wie
der Briefträger, der Drucker und Setzer in den Staatsdruckereien;
solche von Gemeindebeamten, wie Schullehrern. Für manche von
diesen kommt die Möglichkeit eines Streikes gar nicht in Frage
und manche hängen in ihren Erfolgen ganz vom Label ab. Ob
das Gewerbe von den Unternehmern monopolisiert ist oder ob
innerhalb desselben eine scharfe Konkurrenz besteht, ob die Vereinigungen
Unterstützungskassen haben oder nicht, ob sie zur
Aufnahme die Ablegung einer Lehrzeit fordern oder jeden Mann
aufnehmen, der den Durchschnittslohn verdienen kann, ob sie ihre
Mitgliederzahl beschränken und endlich ob sie ein einzelnes oder
mehrere Gewerbe vertreten: all das bringt eine Mannigfaltigkeit
der Interessen und auch gewisse Gegensätze mit sich!
Manche gleichgültigen oder unfreundlich gesinnten Leute
sprechen bewusst oder unbewusst von drei Klassen von Arbeitervereinigungen:
von ehrbaren, halbehrbaren und verwerflichen.
Diese Leute stellen z. B. die typographische und Lokomotivführer-Vereinigung
als Muster hin und bedauern, dass andere diesen nicht
folgen. Das ist wie eine Teilung der Menschen in Erwachsene,