Full text : Organisierte Arbeit

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12.  KAPITEL.
Organisierte  gegen  unorganisierte  Arbeit.
Die  Gegenwart  ist  das  Zeitalter  der  Organisation.  Nicht
nur  in  der  Industrie,  sondern  in  jedem  Zweige  menschlichen
Lebens  haben  sich  die  Menschen  zur  Arbeit  in  Gruppen  zusammengetan.
  Politische  Organisationen,  solche  von  Rechtsanwälten,
Ärzten,  Geistlichen;  Klubs,  Unterstützungsvereine,  Vereinigungen
für  Zwecke  der  Kunst,  Wissenschaft  und  Erziehung;  Universitäten,
Gemeinden,  Staaten,  und  endlich  mit  Ausdehnung  über  Staatsgrenzen ­
  und  alle  Arten  von  Menschen  umfassend:  die  Kirchen.
Wo  man  hinsieht,  schliessen  sich  Leute  jeden  Standes  für  allerhand ­
  Zwecke  zusammen,  die  der  Einzelne  nicht  erreichen  könnte.
Zu  dieser  Organisation  tritt  dann  die  Vertretung  der  vielen
durch  wenige,  treten  der  x4.ustausch  von  Gedanken  in  Versammlungen, ­
  gemeinsames  Handeln  unter  einheitlicher  Leitung.  Was
für  alle  anderen  Klassen  gilt,  gilt  nicht  mehr  und  nicht  weniger
für  die  Arbeiterschaft.  Bildete  die  Arbeiterschaft  der  Vereinigten
Staaten  nicht  eine  besondere  Klasse  mit  besonderen
Klasseninteressen,  würde  der  moderne  Lohnarbeiter
zum  Kapitalisten  wie  der  Knabe  zum  Mann,  so  wäre  weniger
Veranlassung  zu  einer  besonderen  Organisation  mit  seinen
Kameraden  gegeben;  aber  die  Interessen  und  Auffassungen  der
Unternehmer  und  der  Arbeiter  gehen  immer  weiter  auseinander.
„Der  Geschäftsmann  unserer  Generation“  sagt  Professor  Artur
Twining  Hadley,  der  Rektor  der  Universität  Yale,  „hat  sich  zum
grossen  Teil  vom  Arbeiter  zu  seiner  Stellung  hinaufgearbeitet,  aber
es  ist  sehr  zweifelhaft,  ob  man  dasselbe  für  die  nächste  Generation
Voraussagen  kann.  Sicherlich  ist  die  Aussicht  für  den  heutigen
Arbeiter,  Kapitalist  zu  werden,  keine  so  starke  Triebkraft  mehr
als  vor  einer  Generation.  Die  Möglichkeiten  zu  sparen  sind  ebenso ­
  gross  und  grösser,  aber  die  Summe,  die  jemand  braucht,  um
Unternehmer  zu  werden,  ist  ins  Ungemessene  gestiegen.  Wenn
jemand  mit  4000  Mark  ein  eigenes  Geschäft  eröffnen  kann,  ist
die  Aussicht  auf  Unabhängigkeit  noch  ein  Ansporn;  wenn  er
aber  diese  Summe  nur  einem  Reicheren  leihen  kann,  dann  ist  der
damit  verbundene  Ehrgeiz  viel  schwächer  —  oft  so  schwach,
            
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