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Da diese Daten von verschiedener Natur sind, so ist es,,
leider, sehr schwer, aus denselben den Entwickelungsgang der
Vertheilung des ungarischen Bodens festzusetzen. Die neuen
statistischen Daten beziehen sich nicht auf Grundbesitze, son
dern auf Wirtschaften, was ein grosser Unterschied ist, denn
eine grössere Liegenschaft kann ja doch auch auf Grund von
zwei, drei oder mehreren Pachtungen wirtschaftlich nutzbar
gemacht werden, die nach der neuen statistischen Erhebung,
ebensoviel Wirtschaften entsprechen; was somit in der alten.
Erhebung als ein Grundbesitz vorkommt, kann in der neuen
Erhebung als mehrere Wirtschaften Vorkommen und umgekehrt.
Der Zustand vor 30 Jahren weist in Ungarn und in Siebenbürgen
2,486.265 Güter auf, während nach der neuen Statistik in dem
in engerem Sinne genommenen Ungarn die Zahl der Wirt
schaften 2,388.482 beträgt; welcher Rückfall darauf zurückzu
führen ist, dass die alte Erhebung die in verschiedenen
Gemarkungen gelegenen Parzellen als besondere Güter auf nahm.
Wenn wir daher, der Möglichkeit eines Vergleiches willen,
jene Angabe suchen, welche die Zusammenfassung der in der
Gemarkung verschiedener Gemeinden zerstreut gelegenen einzel
nen Theilen derselben Wirtschaften noch nicht aufweist, welche
Angabe der Natur der auf die Vergangenheit bezüglichen An
gabe mehr entspricht, so finden wir, dass die Zahl der Wirt
schaften 1 ) in Ungarn 2,831.802 beträgt, gegenüber der durch
Keleti angegebenen Güterzahl von 2,486.265. Bereits diese An
gabe scheint darauf hinzuweisen, dass die Güterzertheilung fort
gesetzt anhielt; diese Angabe wird auch durch jenen Umstand
bekräftigt, dass während der Flächeninhalt dieser 2,831.802
Wirtschaften 28,103.742 ha * 2 ) ist, somit eine Wirtschaft im Durch
schnitte eine Ausdehnung von 9,09 ha (15 1264 /i6oo Kat.-Joch)
hat, 3 ) der Flächeninhalt der 2,486.265 Güter 26,795.041 ha, der
durchschnittliche Umfang eines Gutes somit 10,8 ha (18 128 %6oo
Kat.-Joch) betrug. Auch jene Angabe ist nicht ohne Interesse,
dass der Werth eines Nachlassgutes im Durchschnitte auf nur
2389 Kronen zu stehen kommt. 4 ) Dass die Gütervertheilung in
Ungarn keine günstige ist, erhellt daraus,, dass die Zwerg
wirtschaften mehr als die Hälfte (53,57%) der sämmtlichen
9 Cit. Mezögazdasägi Statisztika. Landwirtschaftliche-
Statistik.) B. IV. (S. 5*.)
2 ) Cit. Kormänyjelentes es statisztikai evkönyv
1898 - t 61. (Regierungsbericht und statistisches Jahrbuch über das Jahr 1898s)
(S 352.)
3 ) 1 ha == 1.738 kat. Joch.
4 ) S. Tabelle auf S. 122. der vorliegenden Arbeit.