Full text : Das System der Rentengüter und seine Anwendung in Ungarn

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produktive  Verschuldung  verhindern.  Und  wenn  wir  auch  bei
einer  thatsächliehen  Verschuldung!  Ibis  zu  etwa  zwei  Fünftel
(39.80%)  des  Werthes  des  Grundbesitzes  mit  freiem  Verkehr,,
behujs  Durchführung  einer  Entlastung  von  den  Grundschulden  ein
direktes  und  planmässiges  Eingreifen  dqs  Staates  nicht  für  nothwendig
  erachten,  wie  dies  in  Oesterreich  (bei  einer  35.8%-,igen
Verschuldung)  mit  Hilfe  der  Rentengüter  geplant  wurde:  messen
wir  dennoch  eine  unzweifelhafte  Bedeutung  solchen  Instituten
bei,  welche  in  ihren  Wirkungen  indirekt  geeignet  sind,  der  weiteren
Verschuldung  vorzubeugen.
Die  vorgerückte  Verschuldung  des  ungarischen  Grundbesitzsystems ­
  lässt  auf  dem  Gebiete  der  Rentengütspolitik  auf  einen  wesentlichen ­
  Umstand  folgern.  Nämlich  darauf,  dass  es  an  Boden
material  für  Rentengüter  nicht  fehlen  wird.  Denn  die  verschuldeten ­
  Mittel-  und  Grossgrundbesitzer  werden  sich 1  gerne  die  Gelegenheit ­
  benützen,  durch  Ueberlassung  eines  Theils  ihres  überlastenden ­
  Gutes  zur  Gründung  von  Rentengütern,  den  Gegenwerth 1
desselben  zur  Tilgung  ihrer  Schulden,  Vermehrung  ihres  Betriebskapitals ­
  zu  verwenden.  !

II.  ABSCHNITT.
Die  Rentengüter  im  Dienste  der  ungarischen  Grundbesitzpolitik. ­

1.  Die  Rentengüter  und  der  Gründbesitzverlcehr.
Die  Rentengüter  habeü  unter  den  heimischen  Verhältnissen
nicht  nur  auf  dem  Gebiete  der  Bodenkreditpolitik,  sondern  auch
auf  dem  der  Grundblesitzpolitik  eine  tiefgreifende  Bestimmung;
und  zwar  vom  Gesichtspunkte  des  Grundbesitzverkehrs  und  der
Grund  besitzverthedlung  beziehungsweise  der  inneren  Colonisation.
Eine  Schattenseite  des  thatsächliehen  Zustandes  unseres
Grundbesitzreiohtes  tritt  auf  dem  Gebiete  des  Grundbesitzverkehrs
hervor,  und  zwar  zufolge  der  Alleinherrschaft  der  KapitalhvpotlK
  karkreditorgaeisation.  Vom  sozialwirtschaftlichen  Gesichtspunkte ­
  ist  es  nämlich  besonders  erwünscht,  dass  der  Grundbesitzt ­
  immer  in  den  Händen  Derjenigen  sei,  die  denselben  am  entsprechendsten ­
  wirtschaftlich  nutzbar  machen  können.  Dies  ist  der
von  Schäffle  so  oft  betonte  Gedanke:  «Die:  schleunigste  Bewegung ­
  des  Besitzes  zum  besten  Wirthe...» 1 )  Das  Institut  des
- 1 )  V  e  r  h  a  n  d.  1  u  n  g  e  n  (1  e  s  V.  0  e  s  t  e  r  r  e  i  c  h  i  s  c  h  e  n  A  g  r  a  r  t  a  g  c  s
1895.  (S.  128.)
            
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