Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

134 Zweiter Teil. Lande!. VI. Landlungsgehilfe und Landlungslehrling. 
die Kunden zu befriedigen, die Schnelligkeit und Promptheit der Lieferung geben dem 
deutschen Reisenden hier die Überlegenheit über alle anderen Reisenden in Italien, 
und ich behaupte, daß ich noch nie in einer italienischen Stadt einen englischen 
Landlungsreisenden angetroffen habe, wo sich deutsche Reisende derselben Branche 
sehen lassen". Dieser Konsularbericht ist ein Ehrendenkmal für Sie alle, 
meine Leeren! 
Vom Lande, wo die Zitronen blühen, bis hinauf zu den skandinavischen Völkern, 
wo das Lied der Wogen an die Fjorde braust, trägt der deutsche Reisende heute 
siegreich seinen Musterkoffer durch die Welt. Wir haben Verbandsmitglieder in China, 
in Nord- und Südafrika, in Australien, Frankreich, England und Amerika, die die 
Kunde von unserem Streben und Leben hinaustragen in alle Lande moderner Kultur! 
Der deutsche Reisende ist wieder der Pionier der Kultur geworden! Der partikularistische, 
philisterhafte Musterreiter am Beginn des Jahrhunderts hat sich in den großdenkenden, 
weithorizontigen Weltreisenden verwandelt. Leicht wird ihm das Leben nicht da 
draußen. Ich erhielt von einem unserer Mitglieder kürzlich einen Brief, der von 
den Strapazen und Mißhelligkeiten der deutschen Auslandsreisenden spricht. Da heißt 
es: „Sie können sich natürlich kein Bild von einem Coupe in Tunesien und Algerien 
machen. Ein Gewimmel von weißen Burnus, hellfarbigen Turbans, von Schleiern, 
Käppis, großen, breitrandigen Schlapphüten, von Gesichtern in allen Farben, braun, 
bräunlich, schwarz, gelb, weiß. Über allem diesem schwebt ein widerlicher Geruch von 
Anis und Orangeschalen, vermischt mit der eigentümlichen Ausdünstung der Eingeborenen, 
welche in ihren häßlichen Kehllauten unaufhörlich schwatzen oder schwatzend mit ihren 
phänomenalen Kinnbacken die Schoten des Johannisbrotbaumes zermalmen. Ein Neger, 
mit wulstigen Lippen spuckt zum Zeitvertreib im Coupe nach allen möglichen Zielen 
herum, — kurz, ich kann Ihnen versichern, daß Sie dort von Leipzig nach Dresden 
selbst dritter Güte bequemer fahren, als ich hier zwischen Oran und Algier!" Aber 
der deutsche Reisende ist von Mut und Unerschrockenheit beseelt, seitdem er auch draußen 
im Dienste seines Vaterlandes steht. „Das hält er fest mit seinen ganzen Länden." 
Seine kosmopolitische Gesinnung findet ihre Schranke an der Liebe zum Vaterlande, 
die in ihm unauslöschlich ist. Er hat sich auch eine höhere soziale Stellung ermngen 
und wird in den weitesten Kreisen als Kulturträger hochgeschätzt. 
Seien Sie stolz, die Reisenden Deutschlands zu sein! 
Die großen Erfindungen des Jahrhunderts sind dem Lande! zugute gekommen. 
Es wäre undankbar, heute zu sagen, daß das Verkehrswesen noch eine gänzlich offene 
Frage wäre. Wohl hat der Verband sein Ideal, die Einführung der Kilometerhefte 
über ganz Deutschland verbreitet zu sehen, trotz vielfacher Bemühungen noch nicht 
erreicht, aber in Baden ist sein Wunsch erfüllt, und in Württemberg und Bayern 
regt es sich gewaltig zur Verwirklichung dieses Projettes! Unsere Verkehrskommissionen 
aber haben einen großen Anteil an der Lebung des deutschen Verkehrswesens. Lind 
auch die soziale Lage des Reisenden ist heute eine andere geworden. Nicht mehr 
zerstteut irrt er einher, sondern vereint, verbrüdert in unserem Verbände. Die 
Wiederherstellung der deutschen Einigkeit schuf den Boden für schöne soziale Früchte. 
Lind eine dieser Früchte, auf nationalen! Felde gediehen, ist unser Verband. Die 
Einigkeit, die das Reich wiedererstehen ließ, hat auch ihn geformt und gebildet. 
Anker dem Schuhe eines neuen, allen sozialen Anforderungen entsprechenden 
.Handelsrechtes, an dessen Zustandekommen der Verband selbst mitgearbeitet hat, kämpfen 
unsere Mitglieder für die Ehre und Macht des deutschen Landels, der deutschen 
Kultur, des Deutschen Reiches in einer sturmbewegten, konkurrenzlüsternen Zeit. 
Mancher verwünscht diese Zeit der nervösen Last. Aber in schönen Worten 
hat Lerr Landelskammersettetär Or. Gensel einmal gesagt: „Es ist ein unaufhörliches 
Werden und Vergehen, aber was einmal vergangen ist, kehrt nicht wieder. Altes
	        
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