Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter Teil. Lande!. VII. Der Betrieb des Landels. 
besteht aus solchen, die Goethe in Eckermann in den bedeutsamen Worten charakterisiert: 
„Alles Große und Gescheite existiert nur in der Minorität .... Es ist nie 
daran zu denken, daß die Vernunft populär werde. Leidenschaften und Gefühle 
mögen populär werden; aber die Vernunft wird immer nur im Besitze einzelner Vor 
züglicher sein." 
Es sind die nicht scharf und klar Denkenden; es sind Menschen, die sich noch 
einer gewissen Naivität erfreuen, Menschen, denen das im prunkenden Gewände Auf 
tretende schon um deswillen imponiert. 
Auf vernünftige Leute macht es keinen besonderen Eindruck, wenn sie das, was 
sie erwerben wollen, besonders auffallend, aufdringlich angeboten finden. Sie erkundigen 
sich bei Leuten, die es wissen können, nach den Stellen, wo das Verlangte am besten 
angeboten und geleistet wird; sie fragen nicht nach den infolge geschickter Reklame von 
der Masse am meisten bevorzugten Quellen. Sie aber sind es freilich auch nicht, die 
die enormen Kosten der Reklame decken helfen, und sie werden deshalb von den 
Leiden der Reklame sehr gering angesehen. Nicht die ersten Ränge, sondern die 
Gallerien sind das Publikum der Reklame und die Garanten ihrer Kosten. 
Es bleiben nur noch einige wenige Punkte zur Besprechung aus dem Kapitel 
des Anzeigenwesens übrig. Zunächst mag darauf aufmerksam gemacht werden, daß es 
sehr wertvolle Gegenstände gibt, die, um überhaupt sich Bahn im Lande! 
und Verkehr zu verschaffen, der Anzeige garnicht entbehren können. 
Zu diesen Gegenständen gehören insbesondere Bücher, namentlich solche von 
noch unbekannten Verfassern. Zwar in Deutschland sorgt das Buchhändler-Börsenblatt 
für gute Verzeichnisse aller neuen Erscheinungen des Buchmarktes. Aber dieses Blatt 
kommt nicht in die Lände des großen Publikums. Zwar pflegen die Verleger von 
Büchern ihre neuen Vcrlagsartikel an Rezensenten hinauszugeben. Aber auch die 
Besprechungen in wissenschaftlichen oder belletristischen Zeitschriften entgehen doch viel 
fach dem großen Publikum. 
Da muß die Zeitungsanzeige eintreten, die hier eine ganz besonders geschickte 
Redaktion verlangt. 
Zweitens sei daraufhingewiesen, daß die Reklame selbst neuerdings wieder 
holt zum Gegenstand der wenn nicht wissenschaftlichen, so doch „periodischen" 
schriftstellerischen Behandlung gemacht worden ist. Es erscheinen meines 
Wissens mehrere Zeitschriften, die es darauf absehen, ihre Leser in den Methoden der 
wirksamen Reklame zu unterweisen. 
Drittens kann, wo von Reklame die Rede ist, nicht verschwiegen werden, daß 
in Deutschland ein Reichsgesetz, das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren 
Wettbewerbes vom 27. Mai 1896, den Ausschreitungen der Reklame wenigstens 
insofern Einhalt zu tun versucht, als es die auf Täuschung des Publikums und auf 
die Verkleinerung der Mitwerber durch Ausstreuung wissentlich unrichtiger Tatsachen 
gerichteter Reklame mit Strafe bedroht. Gerade die auf die Reklame bezüglichen 
Bestimmungen des Gesetzes scheinen mir aber den Zweck zu verfehlen. Denn erstens 
kann man die eigenen Artikel und Leistungen in einer ihre Güte weit übertreibenden 
Form anpreisen, ohne daß man der Anwahrheit geziehen werden kann. And dann 
kann man den vielleicht bescheideneren Mitwerber aus dem Sattel heben, indem man 
seinen vielleicht Besseres anbietenden Ankündigungen größere, auffälligere, blendendere 
Veröffentlichungen eines geringwertigen Angebotes entgegensetzt. 
And endlich sei der bemerkenswerten Erscheinung gedacht, daß, wie in allen 
Zweigen wirtschaftlicher Tätigkeit, so auch auf dem Gebiete des Anzeigenwesens Groß 
unternehmungen als Vermittler zwischen Produzenten und Konsumenten 
auftreten. Große Finnen, wie Rudolf Mosse, Laasenstein & Vogler u. a. bieten ihre 
Dienste allen Inserenten zur Vermittlung nicht nur der passenden Anterbringung,
	        
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