Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Landet.  VII.  Der  Betrieb  des  Landels.

8.  Zur  Geschichte  der  Buchführung.
Von  Werner  Sombart.
Sombart,  Der  moderne  Aapitalirmus.  ^  Bd.  Leipzig,  Duncker  öd  kjumblot,  t?02.
S.  592-59$.
Wir  können  die  Schöpfungsperiode  der  neuen  Geschäftstechnik  mit  den
Jahreszahlen  1202  und  1494,  mit  den  Namen  Leonardo  Pisano  und  Luca  Pacciolo
umgrenzen.
Mit  Leonardo  Pisano,  der  selbst  aus  kaufmännischem  Geiste  heraus  sein
unsterbliches  Werk,  den  Liber  Abbad,  geschaffen  hat,  wird  die  Grundlage  für  die
exakte  Kalkulation  gegeben,  —  das  Jahr  1202  bedeutet  einen  Wendepunkt  in  der
Weltgeschichte.  And  will  man  schon  ein  Geburtsjahr  des  modernen  Kapitalismus
ansetzen,  so  würde  ich  nicht  zögern,  das  Jahr  1202  als  solches  zu  bezeichnen,  zumal
noch  ein  anderes  welthistorisches  Ereignis  in  dasselbe  Jahr  fällt:  Venedig  zieht  zur
Eroberung  Konstantinopels  aus,  und  es  beginnt  mit  diesem  Jahre  recht  eigentlich  die
Epoche  der  Besitzergreifung  des  Orients  durch  die  Westeuropäer,  insonderheit  die
italienischen  Kommunen  und  damit  die  Geldakkumulation  in  größerem  Stile.
Die  Summa  des  Fra  Luca  aber,  die  zusammenfaßte,  was  in  den  drei  Jahrhunderten ­
  an  rechnerischem  Denken  geleistet  war,  enthält  in  der  11.  Abhandlung  im
9.  Abschnitt  des  1.  Teiles  das  älteste,  aber  doch  schon  in  klassischer  Vollendung  dargestellte ­
  System  der  doppelten  Buchführung  und  stellt  damit  dem  neuen  kapitalistischen
Wirtschaftssysteme  die  Mittel  zur  Verfügung,  die  seinem  Wesen  entsprechende
Systematik  der  Geschäftsführung  zur  Anwendung  zu  bringen.
Was  wir  von  der  Geschichte  der  modernen  Buchführung  bezw.  des
Rechnungswesens  wissen,  ist  noch  Stückwerk.  Immerhin  können  wir  doch  soviel
mit  Bestimmtheit  aussagen,  daß  die  einfache  Buchführung  gegen  Ende  des  13.  Jahrhunderts ­
  als  vollendet  anzusehen  ist:  aus  den  Jahren  1279/80  stammen  die  bekannten
Rechnungsausweise  des  Papstes  Nikolaus  III.,  aus  dem  Jahre  1303  die  Ausgaberegister ­
  der  Kommune  Florenz.  Aber  auch  die  Anfänge  der  doppelten  Buchführung
reichen  natürlich  weit  hinter  Pacciolo  zurück.  In  der  besten  Geschichtsdarstellung,  die
wir  von  diesem  Gegenstände  besitzen,  werden  sie  schon  in  das  13.  Jahrhundert  verlegt.
Urkundlich  ist  durch  die  Antersuchungen  Cornelio  Desimonis  festgestellt  worden,  daß
bereits  im  Jahre  1340  die  Stadtverwaltung  Genuas  ihre  Bücher  auf  der  Grundlage
der  Partita  cloppia  geführt  hat,  und  zwar  in  solcher  Vollendung,  daß  wir  bereits  für
das  Jahr  1340  auf  ein  beträchtliches  Alter  dieses  Systems  schließen  müssen.  Aus
dem  15.  Jahrhundert  besitzen  wir  dann  mehrfache  Zeugnisse  für  ihre  Verbreittmg  im
öffentlichen  und  privaten  Rechnungswesen.  Das  bekannteste  Beispiel  sind  die  uns
erhaltenen  Geschäftsbücher  der  Gebr.  Soranzo  in  Venedig  (1406).
Aber  Fra  Luca  ist  doch  der  Erste  gewesen,  der  durch  die  wissenschaftliche  Darstellung ­
  die  doppelte  Buchführung  zu  einem  jedermann  erreichbaren  Lilssmittel  der
Geschäftsführung  machte:  auch  darin  also  mit  der  alten  höchstpersönlichen  Empirie  des
Landwerks  brechend.
Was  nun  aber  der  doppelten  Buchführung  jene  entscheidende  Bedeutung  für
die  Entwicklung  kapitalistischen  Wesens  verleiht,  ist  der  Amstand,  daß  sie  in
der  Tat  erst  in  ganzer  Vollendung  die  der  kapitalistischen  Geschäftsführung  entsprechende
Systemaüsierung  ermöglicht.  Sie  ist  zunächst,  was  in  gewissem  Sinne  für  jede
systematische  Buchführung  gilt,  der  vollendete  Ausdruck  der  spezifisch-kapitalistischen
Raüonalisük  insofern,  als  sie  zur  Voraussetzung  ihrer  Anwendung  die  durchgeführte
Projektion  eines  wohl  ausgedachten  Geschäftsplans  in  die  Zukunft  hat.  Was  seiner
            
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