166 Zweiter Teil. Lande!. VIII. Der Wettbewerb im Lande! re.
so, daß es Sieger und Ausgeschlossene gibt, mindestens so, daß eine Lierarchie von
viel und wenig Erreichenden entsteht. Die Art der Entscheidung der Kämpfe ist die
allerverschiedenste: bald ist es der brutale Kampf, bald der Ausspruch eines Schieds
gerichts oder der öffentlichen Meinung, bald sind es freie Verträge, die erstrebt,
abgeschlossen oder abgelehnt, günstig oder ungünstig gestaltet werden.
Die Konkurrenz ist nichts anderes als der Kampf ums Dasein; die Individuen,
die Stämme, die Völker haben nie ohne Reibung und Wettbewerb, ohne Kampf
gelebt, fo sehr Moral, Sitte und Recht, gemeinschaftliche Gefühle und Interessen den
Stteit da und dort ausgeschlossen oder gemildert haben. Der Trieb nach Anerkennung,
nach Tätigkeit, nach Erfolg hat, wie das menschliche Selbstgefühl bei etwas höherer
Kultur, den Rivalitätstrieb erzeugt. Er hängt mit den selbstischen Gefühlen, der
Eigenliebe, dem Lochmut, dem Bessersein- und Befferwissenwollen zusammen; er kann
zum Anrecht, zur Gemeinheit, zur Angerechtigkeit, zur Gewalttat führen; aber er ist
zugleich die Schule der Tatkraft, der Energie, des Fortschritts. Ohne Rivalität und
Konkurrenz tritt Stillstand ein. Das Leben entwickelt sich nur durch Kraftproben,
durch Kräftemessung.
Die Völker konkurrieren um die Weltherrschaft und den Weltmartt, die poliüschen
Parteien und sozialen Klassen um Einfluß und Macht in der Staats- und Kommunal
verwaltung, die Provinzen, Kreise und Gemeinden um Eisenbahnen und Sttaßen, um
Förderung aller Art. In jedem gesellschaftlichen Kreise konkurrieren die Glieder um
Ansehen und Ehre, in jedem Beamtenkörper die einzelnen um Beförderung, Gehalt
und Auszeichnung, in jeder Schule die Schüler um die höheren Plätze und Prädikate.
Die wirtschaftliche Konkurrenz setzt einen Markt mit Käufern und Verkäufern
voraus. Die Anfänge desselben entstanden mit dem ersten Verkehr. Aber er war
lange so beschränkt, alle Wirtschaft war lange so überwiegend Eigenwirtschaft der
Familie für den eigenen Verbrauch, daß mit dem geringen und engen Marktverkehr
auch die Konkurrenz sehr gering war. Soweit Überschüsse erzeugt wurden, übrige
Arbeitskraft vorhanden war, forderte sie der Grundherr, die Gemeinde, die öffentliche
Gewalt nach Sitte und fester Rechtssatzung. Auch soweit Gemeinde- und Stammes
mitglieder auf dem Markte tauschten, betrachteten sie sich lange mehr als Freunde, die
sich Gefälligkeiten erwiesen; nur soweit Fremde mit Fremden tauschten, entstand
eigentliche Konkurrenz, freilich auch nicht ohne Schranken und Ordnungen aller Art.
Erst wo die Geldwirtschaft siegte, die Märtte größer, aller Verkehr unpersönlich wurde,
erst als in den vergrößerten Staaten ein freier, innerer Verkehr sich ausbildete, zwischen
den Staaten das Völkerrecht Ähnliches erlaubte, entstand die gesellschaftliche und wirt
schaftliche Bewegung und Reibung, an die wir heute vor allem denken, wenn wir
von der wirtschaftlichen Konkurrenz reden.
Wir sehen alle am wirtschaftlichen Verkehr Beteiligten in gewisse größere und
kleinere Gruppen zerfallen: Käufer und Verkäufer, Konsumenten und Ladeninhaber,
Groß- und Kleinhändler, Anternehmer und Arbeiter zeigen sich uns als Gesamtgruppen
und in sich gegliedert nach bestimmten Berufszweigen; in jeder Gruppe konkurrieren
die direkt nach dem gleichen wirtschaftlichen Zwecke Strebenden unter sich: die Anter
nehmer der Baumwollindustrie unter sich und dann bis auf einen gewissen Grad mit
den Anternehmern anderer Gewerbszweige, sofern sie und die anderen Wasserkräfte,
Maschinen, Techniker, Arbeiter suchen. Jede Gruppe steht nun aber auch noch mit
einer oder mehreren anderen Gruppen in einem Konkurrenzverhältnis: die Konsumenten
mit den Verkäufern auf dem Wochenmarkt und in den Läden; die Anternehmer mit
den Arbeitern einerseits, den Großhändlern und Exporteuren, welche ihnen ihre Ware
abnehmen, andererseits; die Arbeiter stehen den Fabrikanten und dann den Wohnungs
vermietern und Kleinhändlern als Gruppen von Konkurrenten gegenüber. Es handelt
sich bei dieser Gruppenkonkurrenz um die Verteilung gewisser Gewinne und Vorteile,