Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

184 Zweiter Teil. Handel. VIII. Der Wettbewerb im Handel re. 
Das Fichtelgebirge beherbergt eine größere Anzahl von Hausierern in der 
sogenannten „Steinpfalz", einem unwirtlichen und unfruchtbaren Distritt von 7 km 
Ausdehnung von Nord nach Süd und 9 km von Ost nach West. Der Hausier 
handel ist hervorgegangen aus dem Vertriebe selbsthergestellter Waren aus Fichtenholz 
und Stroh und hat sich dann auf Manufaktur-- und Weißwaren ausgedehnt, die 
namentlich aus Leipzig und Greiz bezogen werden. Die meisten „Pfälzer" sind 
weiblichen Geschlechts. 
Etwa 40 Männer im Alter von 20—40 Jahren, die im Effeltrich (Bayern), 
östlich der Bahnlinie Bamberg — Nürnberg, wohnhaft sind, befassen sich mit dem 
Hausiervertriebe der dort gezogenen Obstbäume. 
Zwischen Bamberg und Erlangen wird auf einer viele Stunden sich im Amkreise 
hinziehenden Strecke Meerrettich gebaut. Hauptort ist das Städtchen Baiersdorf, 
daneben kommt eine große Anzahl der umliegenden Dörfer in Bettacht. Dieser Meer 
rettich wird durch Hausierer nach Österreich, Süd- und teilweise Norddeutschland, ferner 
auch nach Italien, der Schweiz und nach Rußland gebracht. — Einer gewissen 
Berühmtheit erfreut sich auch das Hausiergewerbe von Frammersbach im Tale des 
bei Lohr in den Main mündenden Lohrbachs. Gehandelt wird größtenteils mit Schreib 
waren, ein Teil der Hausierer ist ferner Alteisensammler. Eine gute Stunde von 
Frammersbach, schon auf preußischem Gebiete, liegt das Dorf Kempfenbrunn, dessen 
Bewohner vielfach Borstenhandel treiben. Im Bczirksamte Frankental (Pfalz) betteiben 
aus Mangel an Arbeitsgelegenheit die Bewohner der Orte Hettenleidelheim, Tiefen 
thal, Karlsberg, Altleiningen, Hertlingshausen und Wattenheim Hausierhandel mit 
Erzeugnissen der Textilindustrie, die von Fabriken und Großhandlungen in Süd- und 
Mitteldeutschland bezogen werden. Bewohner des Bezirksamtes Bergzabern betreiben 
das Lausiergewerbe mit Bürstenwaren und mit Bildern, Kurzwaren, Schreibmaterialien, 
Galanteriewaren und Druckschriften. 
Der Leinwandwanderhandel der Rauhen Alb geht bis auf das Jahr 1346 
zurück. Webeorte sind Herstetten und Lcichingen. Außerdem werden gekaufte Waren, 
z. B. aus Blaubeuren und Alm, vertrieben. 
Württemberg hat die meisten Hausierer in den überwiegend landwirtschaftlichen 
Kreisen, im Jagst-, Schwarzwald- und Donaukreise; in einer Reihe von Ortschaften 
sucht die ganze Einwohnerschaft oder doch ein größerer Teil wegen Beschränktheit oder 
Dürftigkeit des nutzbaren Bodens und mangels anderer Erwerbsquellen schon seit 
Menschenaltern in dem Hausierhandel ihren Lebensunterhalt. 
Die überwiegende Mehrzahl der hohenzollerischen Hausierer ist im Killertale, 
welches sich von Hechingen nach Südosten erstreckt, ansässig. 
Elsaß-Lothringen ist dasjenige Land im Deutschen Reiche, welches verhältnis 
mäßig am meisten Wandergewerbetreibende aufweist. Das steht im Zusammenhange 
mit seinem vorwiegend ländlichen Charakter, mit der großen Ausdehnung, welche der 
Viehhandcl im Lande angenommen hat, und mit dem früheren Besteuerungssystem. 
In Elsaß-Lothringen gibt es keine eigentlichen Hausiergemeinden, aber beinahe drei 
Viertel aller Gemeinden zählen Hausiergewerbetreibende zu ihren Bürgern. 
Stammsitze des hessischen Wandergewerbes sind eine Anzahl von Dorsschaften 
in den östlich und nordöstlich vom Meißner gelegenen Teilen der Kreise Eschwege und 
Witzenhausen. Anmittelbar hervorgegangen ist das Hausierwesen aus dem Fuhrwesen. 
Der Kreis der vertriebenen Waren ist nicht fest geschlossen; zu nennen sind namentlich 
die Erzeugnisse der hessischen Leinenweberei und Flachsspinnerei, getrocknetes Obst, 
Hülsenfrüchte, Peitschen und Peitschenschnüre, Flanelle und Wachstuche, Tonwaren, 
Kolonial- und Delikateßwaren, Gewürze, Walnüsse, Vieh u. a. m. 
Die Hausierer von Arberach im Großherzogtum Hessen handeln in der großen 
Mehrzahl mit irdenem Geschirr.
	        
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