Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

8. Gibt es eine Notlage des Kleinhandels? 
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werden, welche die Amwälzung auf dein Gebiete der Konsumentenversorgung etwa seit 
Gründung des neuen Deutschen Reichs unzweifelhaft belegen. 
1. Früher gab es nur solche Detailbetriebe, in denen es auf Erzielung eines 
Gewinns für den Besitzer abgesehen war; jetzt gibt es Konsumentenvereinigungen 
aller Art zum gemeinsamen Bezug von Waren. 
2. Während früher die Detailgeschäfte nur mit solchen Waren handelten, welche 
sie fertig bezogen, machen ihnen jetzt manche Industrielle Konkurrenz, indem sie ihre 
Waren in eigenen Läden absetzen. 
3. Früher war die Lohe des Anlage- und Betriebskapitals bei allen Detail 
handlungen ungefähr gleich oder doch nicht gar so sehr abweichend, — es handelte sich 
um Tausende oder auch manchmal um Zehntausende — jetzt bemißt sich dies Kapital 
zwar bei den Klein-Detaillisten nach der durchschnittlich gleichen Äöhe, aber daneben sind 
Betriebe entstanden, deren Anlagekapital allein schon nach Millionen zählt. 
4. Früher deckte der Käufer seinen Bedarf fast ausschließlich bei den Kauf 
leuten seines Wohnortes, (nur Konkurrenz unter den Kaufleuten dieses einen Ortes) 
jetzt bezieht er seine Waren z. T. von außerhalb, besonders aus den großen Städten, 
die er besucht, oder aus denen er mit Äilfe der billigen Postpakettarifc Sendungen 
empfängt. (Versandgeschäfte). 
5. Früher besaß der Detaillist fast stets nur einen Laden, jetzt gibt es viele 
sogenannte Filialhandlungen, die in vielen Orten Läden unterhalten. 
6. Während früher die Geschäfte meist Eigentum eines einzigen Menschen 
waren, der manchmal vielleicht durch Verwandte pekuniär unterstützt wurde, gibt es 
jetzt Geschäfte, die in Form von Genossenschaften oder Aktiengesellschaften betrieben 
werden oder mit so unverhältnismäßig viel erborgtem Gelde (von der Bank), daß der 
Eigentümer diesen Namen im wirtschaftlichen Sinne nicht verdient. 
7. F r ü h e r fand man Geschäfte gleichmäßig über das ganze Land verteilt, jetzt macht sich 
eine schärfere Konzentration in den größeren Städten auf Kosten des platten Landes geltend. 
8. Während man früher in einem Geschäft die sämtlichen Waren einer 
Branche vereinigte, spezialisiert man jetzt, indem man z. B. Geschäfte führt, in denen 
es nur Zuckerwaren, nur Kaffee, nur Mäntel, nur Kinderkleider gibt. 
9. Während man ferner früher sämtliche Waren einer einzelnen Branche 
führte, vereinigt man manchmal jetzt die gangbarsten Sorten mehrerer, mitunter 
sogar sämtlicher Branchen in einem Betriebe. (Gemischtwarensystem, Warenhäuser). 
10. Früher führten sämtliche Geschäfte ihre Waren (soweit nicht Jahreszeit 
oder Mode dies hinderten) gleichmäßig und zu gleichen Preisen während der ganzen 
Dauer der Geschäftsführung, jetzt dagegen bildet bei manchen Betrieben die plötzliche 
oder periodische Darbietung großer Posten einer bestimmten, einzelnen Ware zu 
besonders billigen Preisen Geschäftsgrundlage. (Saisonausverkäufe). 
11. Früher wurde in fast allen kaufmännischen Geschäften der gleiche Aufschlag 
auf die Waren gelegt, jetzt sucht man z. T. in einigen Geschäften durch Größe und 
Schnelligkeit des Aussatzes den Aufschlag zu verringern. 
12. Früher unterschieden sich die Waren der einzelnen Geschäfte nach Branchen, 
z. B. nur Kleiderstoffe, nur Eßwaren re., jetzt erfolgt die Zusammenstellung der Waren 
in einzelnen Geschäften nach Bevölkerungsgruppcn, so daß gewisse Warenhäuser alle 
Sorten Waren für die weniger bemittelten Teile der Bevölkerung feilbieten, z. B. 
Arbeiterbedarfsartikel. 
13. Früher verkaufte man nur in besonderen Notfällen unter dem Einkaufs 
preis, jetzt ist das Verkaufen einzelner Artikel unter dem Einkaufspreis dauerndes 
Geschäftsprinzip einiger Betriebe. (Lockvögel). 
14. Früher bedurfte die Arbeit des Teilens der im Großen gekauften Waren 
größerer Mühe und eingehenderer Kenntnis als jetzt, wo die Lieferung der Waren
	        
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