3. Die Frankfurter Messe im 16. und 17. Jahrhundert. 193
groß genug, um Waren auch ohne persönliche Begleitung zu versenden. Die Vervoll
kommnung des Brief- und Zeitungsverkehrs macht Auswahl und Absah möglich,
auch ohne die zeit- und kostspieligen Meßreisen. Ganz vornehmlich aber kann das
Institut der Landlungsreisenden Produzent und Kaufmann viel rascher und weniger
unterbrochen mit den Konsumenten in Fühlung erhalten, als bei den flüchtigen Meß
besuchen der Fall wäre. Städte, wie London oder Paris, sind gleichsam permanente
Meßplätze. Am längsten haben die Messen ihre mittelalterliche Bedeutung selbst auf
übrigens hoher Kulturstufe da behalten, wo ein natürliches Landesgebiet durch Zoll
grenzen rc. zerrissen war. Doch haben sie auch hier seit längerer Zeit mehr und mehr
den Charakter von Gewerbeausstellungen und Musterlagern angenommen. Das Bestellen
für die Zukunft und das Abrechnen für die Vergangenheit überwiegt immer mehr
das eigentliche Kaufen in der Gegenwart, wie sich dies namentlich in typischer Weise
bei den Leipziger Buchhandelsmessen gezeigt hat.
Eine Ausnahme von der Regel sind die Spezialmärkte für einzelne Waren,
zumal Rohstoffe, die gerade neuerdings in vielen, selbst hochkultivierten Ländern errichtet
und gediehen sind. Am meisten empfehlen sie sich für Landesprodukte, welche von
vielen kleinen Produzenten hervorgebracht werden, namentlich wenn diese Lervor-
bringung an bestimmte Jahreszeiten gebunden ist. Lier kann der Markt ein Mittel
sein, der Lausindustrie oder Bauernwirtschaft die Vorteile des Großbetriebes zu ver
schaffen : bessere Übersicht von Bedarf und Vorrat, eben darum größere Zuverlässigkeit,
Planmäßigkeit und Arbeitsteilung, Emanzipation der Käufer und Verkäufer von
wucherlichen Zwischenhänden, Verbindung mit dem Welthandel, welcher sonst die zer-
strcnten Kleinbettiebc nicht aufsuchen würde.
3. Die Frankfurter Messe im 16. und 17. Jahrhundert.
Von Richard Ehrenberg.
Lhrenberg, Das Zeitalter der Lugger. 2. Bd. Jena, Gustav Fischer, ;8g6. 5. 2<*2
bis 243, 5. 2-lq —2H8 und 5 . 255—256.
Frankfurt a. M-, feit alters eine ansehnliche Landelsstadt, hatte im Mittelalter
doch noch keine internationale Bedeutung; das Landesgebiet seiner Messen reichte
damals kaum erheblich über Mittel- und Westdeutschland hinaus, mochten sie auch
bereits von einzelnen Italienern und Niederländern regelmäßig besucht werden. Da
gegen wurden sie im Jahre 1557 schon als die bedeutendste aller deutschen Messen
bezeichnet, und es heißt ausdrücklich, daß in ihnen Kaufleute aus ganz Deutschland,
Flandern, England, Frankreich, Polen, Italien, Ungarn und Rußland zusammen
strömten. Wir wissen ferner, daß 1554 und 1555 die Imhof in Nürnberg für Rechnung
ihres Rates in den Frankfurter Messen Anleihen bis zu 50 000 fl. pro Messe mit
10—-12 % Zinsen aufnahmen, wobei sie sich des „bescheidenen Juden Joseph beim
gülden Schwanen" als Vermittler bedienten, zeitweilig auch derjenigen eines Nürnberger
Maklers, der regelmäßig die Messen besuchte. Ein anderer Nürnberger Makler richtete
1560 an den Frankfurter Rat und an den Kaiser eine Bittschrift, worin er sich rühmte,
er habe seit etlichen Jahren für die Fugger, Welser, Lerwart und Manlich zugunsten
des Kaisers und seiner Gesandten in den Frankfurter Messen viel Geld aufgebracht.
Diese Messen dienten also schon vor Ausbruch der niederländischen Wirren für die
großen oberdeutschen Landelshäuser zeitweilig als Kapitalmarkt; aber wie aus deren
Mollat, VolkswirtschastUcheS Lesebuch. 13