Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Landet.  X.  Die  Börse.

Reiches  nicht  aufrecht  erhalten  werden  ohne  eine  starke  Börse  mit  einem  kräftigen
Terminhandel.  Es  ist  ausgeschlossen,  daß  die  Versorgung  des  Landes  und  Leeres  mit
Brotgetreide  in  einem  solchen  Falle  wirksam  herbeigeführt  werden  kann,  wenn  dazu
nicht  ein  in  Blüte  stehender  Terminhandel  hilft.
Auch  nach  einer  anderen  Richtung  hin  bietet  die  Unterdrückung  oder  Beschränkung
des  Terminhandels  die  erheblichsten  wirtschaftlichen  Nachteile.  Der  Terminhandel  ist
die  Form,  in  welcher  sich  die  Spekulation  in  Werten  des  mobilen  Kapitals  unter
möglichster  Schonung  der  allgemeinen  Geldverhältnisse  vollziehen  kann;  das  Verbot  des
Terminhandels  in  Anteilen  von  Bergwerks--  und  Fabrikunternehmungen  hat  dies  in
den  letzten  Jahren  auf  das  deutlichste  gezeigt.  Es  wird  immer  im  Interesse  von  Lande!
und  Industrie,  im  Interesse  der  Landwirtschaft,  im  Interesse  der  Staaten  bezüglich  ihrer
Anleihen  nach  einem  billigen  Kredit,  nach  billigem  Geld  gerufen.  Billiges  Geld  und
ein  gesundes  Kreditsystem  des  Landes  sind  nur  dann  möglich,  wenn  sich  die  wirtschaftlichen
Geschäfte  möglichst  ohne  Inanspruchnahme  von  Amlaufsmitteln  vollziehen.  Der  ganze
Zweck,  den  z.  B.  unsere  Reichsbank  mit  ihren  Giroeinrichtungen  verfolgt,  ist  darauf
gerichtet,  Amlaufsmittel  entbehrlich  zu  machen.  Die  Amlaufsmittel  sollen  sich  konzentrieren
in  den  Tresors  der  Zentralbanken,  also  bei  uns  in  der  Reichsbank.  Je  weniger
Amlaufsmittcl  gebraucht  werden,  desto  billiger,  je  mehr  Amlaufsmittel  gebraucht  »verdcn,
desto  teuerer  ist  das  Geld.
Durch  die  Beschränkung  des  Terminhandcls  ist  die  Spekulation  auf  das  Kassageschäft ­
  hingedrängt  worden.  Zur  Bewältigung  eines  großen  Kassageschäfts  gehören
Amlaufsmittel.  Die  Folge  dieser  Verschiebung  ist  also  eine  Verteuerung  des  Geldes,
und  alle  Zweige  des  wirtschaftlichen  Lebens  haben  darunter  zu  leiden.
Es  ist  klar,  daß  die  Beschränkung  des  Börsenterminhandels  nicht  der  alleinige
Grund  dafür  ist,  daß  im  Laufe  der  letzten  Jahre  das  Geld  in  Deutschland  teuer
gewesen  ist;  es  wäre  Torheit,  das  behaupten  zu  wollen.  Aber  einer  der  Gründe  für
die  Verteuerung  des  Geldstandes  im  Deutschen  Reiche  ist  jedenfalls  die  Einschränkung
des  Terminhandels  gewesen.
Es  würde  aus  dem  Rahmen  meiner  Ausführungen  herausfallen  und  zu  weit
führen,  wenn  ich  alle  Vorteile,  die  der  Terminhandel  in  sich  birgt,  hier  ausführlich
behandeln  wollte.  Ich  glaube  aber,  auf  einige  wenige  Punkte  vorübergehend  hinweisen
zu  können.  Ich  glaube  darauf  hinweisen  zu  können,  daß  der  Terminhandel  eine  preisausgleichende ­
  Wirkung  hat,  daß  der  Terminhandel  die  Möglichkeit  in  sich  birgt,  plötzliche
und  sprungweise  Kursschwankungen  zu  mildern;  ich  glaube,  darauf  hinweisen  zu  können,
daß  gerade  der  solide  Lande!  sich  nur  durch  den  Terminhandel  sichern  kann  gegen  die
Gefahren  der  Kursschwankungen.  Beispielsweise  haben  die  Kornhäuser  ihren  Mißerfolg ­
  zum  großen  Teile  dem  Amstand  zuzuschreiben,  daß  sie  sich  gegen  ihre  Engagements,
gegen  ihre  Einkäufe  und  Verkäufe  nicht  decken  konnten,  und  daß  sie  Spekulationsrisiken
auf  sich  allein  nehmen  mußten.
Die  beiden  Gesichtspunkte,  die  ich  vorhin  angeführt  habe,  genügen,  um  die
wirtschaftliche  Rolle  zu  kennzeichnen,  welche  der  Terminhandel  zu  erfüllen  hat,  und  um
ihn  als  eine  der  wichtigsten  Grundlagen  einer  starken  Börse  festzustellen.
Aber  es  gibt  auch  noch  eine  andere  Voraussetzung  für  eine  starke,  leistungsfähige ­
  Börse,  eine  Voraussetzung,  die  viel  zu  wenig  beachtet  wird,  und  über  die  sich
nur  kleine  Kreise,  wie  es  mir  scheint,  im  klaren  sind.  Diese  Voraussetzung  ist  die
Leichtigkeit  der  Amsätze  für  den  Lande!  an  der  Börse.  Die  Leichtigkeit  der  Amsätze ­
  aber  wird  gerade  durch  große  Amsatzsteuern  aus  der  Welt  geschafft,  es  wird  ein
Zustand  eingeführt,  der  das  Gegenteil  von  einer  leichten  Amsatzmöglichkeit  darstellt.
Ich  habe  schon  vorhin  auseinandergesetzt,  wie  groß  die  Amsätze  sind,  die  sich  aus  dem
Besitz  an  mobilem  Kapital  ergeben,  und  wie  groß  die  Ansprüche  sind,  die  jahraus.
            
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