Object : Die österreichisch-rumänische Zollfrage

—  35  —

müssten.  Das  als  zollfrei  beanspruchte  Weizenquantum  betrug ­
  ja  nur  34  Procent  der  wirklichen  Weizeneinfuhr  Rumäniens. ­
  Sollte  man  wirklich  beanspruchen  dürfen,  dass  circa
769.000  Metercentner  Weizen  zum  Nachtheile  der  Österreichischen ­
  Landwirtschaft  deshalb  zollfrei  eintreten,  damit  andere
400.000  Metercentner  den  Mühlenbetrieb  Ungarns  befördern?
Wir  glauben  vielmehr,  dass  die  ungarischen  Dampfmühlen
bei  besserer  Umschau  genügende  Mengen  solchen  leichten
Weizens,  wie  es  der  walachische  meist  ist,  finden  dürften.
Die  leichten  Böden  Oberungarns,  die  mageren  Gebirgsböden
Oesterreichs  bieten  dessen  mehr  als  genug  und  es  wird  den
dortigen  landwirtschaftlichen  Gross-  und  Kleinbesitzern  nur
erwünscht  sein,  wenn  die  ungarischen  Dampfmühlen  ihre
Einkäufe  dort  statt  in  Rumänien  besorgen.
Die  Specialbedürfnisse  können  also  keinen  Anlass  zu
diesbezüglichen  Concessionen  an  Rumänien  bieten,  dazu
fehlt  die  genügende  Basis.  Viel  rücksichtswürdiger  erscheint
uns  da  die  bedenkliche  Lage  der  Landwirte  in  den  Österreichischen ­
  Alpenländern  !
Hiermit  glauben  wir  die  Frage  nach  der  Verzollung  des
rumänischen  Importes  nach  Oesterreich-Ungarn  hinlänglich ­
  erörtert  zu  haben  und  gehen  zur  Beantwortung  der
Frage  über:  Welche  Zollsätze  haben  wir  für  unseren  Export ­
  nach  Rumänien  anzustreben?
Schon  oben  haben  wir  auf  die  ungünstigen  Zollsätze
des  bisher  in  Geltung  gewesenen  Zollvertrages  hingewiesen,
ungünstig  sogar,  wenn  wir  sie  mit  denen  der  Österreichischserbischen ­
  Zollconvention  vergleichen.  In  dieser  Zollconvention ­
  machten  wir,  aus  Gründen  der  auswärtigen  Politik,  den
Ansprüchen  des  serbischen  Handels  ohnedies  so  viele  Zugeständnisse, ­
  wir  liessen  unserem  Import  hohe  Eingangszölle  auferlegen, ­
  um  dem  Ziele:  Einbeziehung  Serbiens  in  die  „politische ­
  Machtsphäre”  Oesterreich-Ungarns,  näherzukommen.
Wenn  nun  der  Tarif  des  bisherigen  Zoll-  und  Handelsvertrages ­
  mit  Rumänien  uns  noch  ungünstiger  ist  als  der
des  serbischen,  so  zeigt  dies  gewiss,  wie  unerträglich  der
3*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.