7. Die Gründerzeit der 1850er Jahre rc.
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weiter besteht. Aber die 1850er Jahre erlebten noch zahlreiche andere Gründungen
ähnlicher Art, denen sich reine Bankinstitute in großer Menge anschlossen. Das
gesamte moderne Bankwesen ist in Deutschland ebenfalls in dem ereignisreichen
sechsten Jahrzehnte geschaffen worden und damit die Grundlage für eine kapitalistische
Organisation der Volkswirtschaft überhaupt.
Die 1850er Jahre sind mithin die wichtigste spekulative Periode, die Deutschland
bisher erlebt hat. In ihnen wird der moderne Kapitalismus definitiv zur Grundlage
der Volkswirtschaft gemacht. Es geschieht dies durch eine allgemeine Befruchtung
aller Wirtschaftsgebiete mit Kapital, das sich durch die plötzliche Vermehrung der Edel
metallvorräte und die damit im Zusammenhang stehende Preishausse rasch in den
Länden einzelner Personen ansammelt, noch rascher aber durch die Entwicklung des
Aktienwesens und der Bankorganisation sich zu größeren Summen zusammenballt, die
nunmehr nach intensiver Verwertung streben. Damit ist ein Fonds von kapitalistischer
Energie geschaffen und gleichsam objektiviert, der sich aus sich selbst immerfort erneuernd
und verinehrend zu einer ungeheuren Triebkraft von revolutionärer Wirkung wird.
Sich eine quantitativ bestimmte Vorstellung von der schöpferischen Leistung jener
Jahre zu bilden, ist unmöglich. Nur an einigen Symptomen vermögen wir die
enorme Zeugungskraft jener Zeit zu ermessen; vor allem an den uns bekannten Ziffern
der neu angelegten Aktienkapitalien. Im Königreich Bayern beispielsweise wurden in
dem Jahrzehnt von 1839—1848 insgesamt 6 Aktiengesellschaften mit einem Kapital
von nicht ganz 4 Millionen Mark (3,99) gegründet; im folgenden Jahrzehnt (1849
bis 1858) dagegen deren 44 mit einem Kapital von mehr als 145 Millionen Mark.
Im Bergbau und Lüttenbetriebe des Königreichs Preußen betrug die Zahl der
gegründeten Aktiengesellschaften in den achtzehn Jahren von 1834—1851; 14, ihr
Kapital 23,29 Millionen Taler; dagegen in den sechs Jahren von 1852—1857 die
Zahl 59, das Kapital 70,69 Millionen Taler. Nach den Angaben Mar Wirths
bezifferte sich für ganz Deutschland das Aktienkapital der von 1853—1857 neu
begründeten Banken allein auf 200 Millionen Taler, das auf neue Eisenbahnen ein
gezahlte Aktienkapital in demselben Zeitraum betrug über 140 Millionen Taler, während
die verschiedenen von Eisenbahnen und andern industriellen Gesellschaften in dem
Zeitraum von zehn Jahren aufgenommenen Prioritätsanleihen 206 Millionen Taler
überschritten. Von 50 Versicherungsgesellschaften mit einem Kapital von mehr als
60 Millionen Taler und von 259 Bergwerks-, Lütten-, Dampfschiffahrts- und Maschinen
bau-Gesellschaften, von Zuckersiedereien und Spinnereien mit einen Kapital von mehr
als 260 Millionen Taler ist die größere Lälfte in jenen Jahren entstanden. In
Preußen wurden im Jahre 1856 allein für etwa 150 Millionen Taler neue Gesell
schaften konzessioniert, während Österreich in diesem einzigen Jahre für mehr als 100
Millionen neue Eisenbahnen unternahm.