Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

2.  Die  Geschäfte  der  modernen  Banken.

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2.  Die  Geschäfte  der  modernen  Banken.
Von  Georg  Schanz.
Schanz,  Banken.  In:  Wörterbuch  der  Volkswirtschaft,  Herausgegeben  von  Llster.
*.  Bd.  Jena,  Gustav  Fischer,  *898.  S.  266—27*.
Bank  nennen  wir  eine  Anstalt  oder  Unternehmung,  deren  Zweck  ist,  Geld-,
Kredit-,  Effekten-  und  verwandte  Geschäfte  zu  treiben?)
1.  Geldgeschäfte.  Dazu  gehören  einesteils  der  Münzwcchsel,  das  Kaufen
und  Verkaufen  ftemden  Geldes  gegen  einheimisches,  Austausch  einer  Münzsorte  gegen
eine  andere,  anderenteils  das  Depot-  oder  Aufbewahrungsgeschäft,  insoweit  es  sich  um
Hinterlegung  von  Bargeld  handelt;  aus  dieser  Aufbewahrung  ist  dann  die  Kasseführung
  der  Privaten  durch  die  Bank  hervorgegangen,  hat  sich  der  Giro-  und  Checkverkehr, ­
  sowie  die  Bankitvtenausgabe  entwickelt.  Zn  weiterer  Linie  kann  man  hierher
rechnen  den  Lande!  mit  den  Edelmetallen,  Gold  und  Silber,  und  die  Vermittelung
der  Ausprägung  der  Währungsmünze.  Besonders  die  großen  Notenbanken  sind  es,
welche  diesen  Zweig  heute  pflegen.
2.  Kreditgeschäfte.  Der  Schwerpuntt  der  heutigen  Banken  pflegt  in  den
Kreditgeschäften  zu  liegen.  Die  Banken  verleihen  ihr  eigenes  Kapital,  sie  vermitteln
aber  außerdem  zwischen  denen,  die  Kapital  brauchen,  und  denen,  die  Kapital  haben,
jedoch  nicht  als  Kommissionäre  oder  als  Makler,  sondern  indem  sie  selbst  Geld  leihen
und  das  geliehene  wiederverleihen.  Sie  werden  Schuldner  und  Gläubiger,  und  ihre
Kreditgeschäfte  zerfallen  deshalb  in  Passiv-  und  Aktivgeschäste.
Grundregel  für  die  Kreditgeschäfte  einer  Bank  ist,  daß  die  Art  der
Passivgeschäfte  maßgebend  ist  für  die  Art  der  Aktivgeschäfte.  Man  pflegt  dies  auch
so  auszudrücken:  eine  Bank  soll  keinen  anderen  Kredit  geben  als  nehmen.  Zn  der
Tat  verdient  dieser  Satz  Grundregel  genannt  zu  werden;  denn,  abgesehen  von  der
Sicherheit  der  Anlagen,  ist  für  die  Zahlungsfähigkeit  einer  Bank  nichts  so  wichtig  als
die  Beobachtung  dieses  Satzes,  —  der  größte  Teil  der  Irrungen  auf  dem  Gebiete
des  Bankwesens  läßt  sich  auf  Nichtbeachtung  desselben  zurückführen.  Der  Satz  hat
namentlich  seine  Bedeutung  für  die  zeitliche  Anlage;  wenn  eine  Bank  jederzeitig  fällige
Gelder  angenommen  hat,  so  darf  sie  dieselben  nicht  schwer  realisierbar  festlegen,  also
nicht  z.  B.  gegen  dreimonatliche  Kündigung  ausleihen,  wenn  sie  nicht  Gefahr  laufen
will,  zahlungsunfähig  zu  werden.  Eine  Notenbank,  deren  Noten  jeden  Augenblick  zur
Einlösung  präsenttert  werden  können,  darf  nicht  die  Noten  benutzen,  um  rentierende
Grundstücke  und  Läufer  damit  zu  kaufen  oder  Dezennien  dauernde  hypothekarische
Amortisationsdarlehen  zu  machen  oder  damit  an  Termingeschäften  an  der  Börse  sich
zu  beteiligen;  der  akuten  Schuld  der  Note  muß  auch  eine  möglichst  sichere  und  zugleich
leicht  realisierbare  Anlage  entsprechen.  Je  labiler  die  Schuld,  um  so  mehr  Barvorräte
müssen  auch  gehalten  werden,  um  so  mehr  muß  auch  das  Stammkapital  selbst  zum
Teil  beweglich  gehalten  werden.  Kurz,  die  Passivgeschäfte  sind  das  leitende  Moment
im  Bankwesen.
Man  gewinnt  den  besten  Überblick  über  das  Bankwesen,  wenn  man  von  der
kurz-  und  langfristigen  Natur  der  Kreditgeschäfte  ausgeht.

*)  Der  Name  Bank  rührt  von  den  Tischen  her,  auf  denen  in  früherer  Zeit  die  Geldwechsler
auf  dem  Markt  oder  an  öffentlichen  Plätzen  ihre  Münzschalen  stehen  hatten;  solche  Tische  nannte
man  Banken,  ähnlich  wie  man  ja  noch  von  Fleischbank  usw.  spricht.  Dieser  Sprachgebrauch  war
von  den  Italienern  überkommen,  welche  den  Ausdruck  danoo  hatten;  wenn  die  Münzwechsler  das
vertrauen  mißbrauchten,  wurde  die  Bank  zerbrochen  (bauet)  rotto,  daher  Bankerott).
            
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