Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Zweiter  Teil.  Kandel.  XII.  Bankwesen.

3)  Die  kurzfristigen  Kreditgeschäfte  der  Banken.
Die  Passivgeschäfte.  Die  Kauptform,  in  der  eine  Bank  kurzfristig  Geld
leiht,  ist  das  Depositum  irreguläre.  Die  Kunden  überweisen  der  Bank  die  auf  kurze
Zeit  disponiblen  Kassenbestände,  Anweisungen,  die  man  auf  dritte  erhalten  hat,  bald
fällige  Wechsel,  die  man  der  Bank  verkauft  oder  zum  Inkasso  übergibt.  Je  nachdem
das  Guthaben  durch  Bareinzahlung  oder  durch  noch  nicht  fällige  bezw.  von  der  Bank  kreditierte ­
  Summen  gebildet  wird,  unterscheidet  man  zuweilen  eingezahlte  und  Buchkreditdepositen.
Diese  Depositenbildung  ist  naturgemäß  da  am  größten,  wo  es  üblich  wird,  eine  Bank
überhaupt  zu  seinem  Kassierer  zu  machen,  und  der  Check-  und  Giroverkehr  sich  damit,
verknüpft.  In  England  wird  der  größte  Teil  aller  Zahlungen  von  über  5  £  durch
Banken  geleistet.
Die  Depositen  sind  entweder  stets  fällige  oder  solche  mit  gewissen  Kündigungsterminen; ­
  die  ersteren  bilden  hauptsächlich  die  Kassenvorräte  der  Kunden;  sie  unterliegen
in  normalen  Zeiten  nur  mäßigen  und  ziemlich  regelmäßige»  Schwankungen,  deren
Bewegung  eine  Bankverwaltung  durch  Erfahrung  mit  annähernder  Sicherheit  kennen
lernen  kann;  die  kündbaren  bilden  die  Kapitaldepositen,  die  Kündigungstermine  schwanken
zwischen  3—8  Tagen,  mehreren  Wochen  und  mehreren  Monaten,  das  Maximum  sind
3—6  Monate.
Je  nachdem  die  Bank  Zins  gewährt  oder  nicht,  spricht  man  von  verzinslichen
und  unverzinslichen  Depositen.  Für  die  stets  fälligen  Depositen  wird  seitens  der  großen
Zentralnotenbanken  meist  kein  Zins  gezahlt,  teils  weil  sie  durch  Ausgabe  von  Noten  unverzinsliches ­
  Kapital  haben  können,  teils  weil  sie  dafür  zuweilen  andere  Vorteile  bieten,
wie  z.  B.  in  Deutschland  die  Reichsbank  gratis  den  Giroverkehr,  teils  weil  auch  gerade
ihre  Depositenbestände  sehr  labiler  Natur  sind.  Kleinere  Banken  (auch  Notenbanken)
müssen  meist,  um  Depositen  heranzuziehen,  einen  Zins  gewähren.  Bei  den  kündbaren
ist  der  gewährte  Zins  natürlich  höher  als  bei  den  jederzeit  fälligen,  und  zwar  um  so
höher,  je  längere  Kündigungsfrist  eingeräumt  wird.
Neben  den  Depositen  treten  für  eine  Bank  die  anderen  Verschuldungsmodi  mit
kurzer  Frist  zurück.  Sie  kann  sich  Geld  verschaffen  durch  Verpfändung  von  Wertpapieren ­
  und  anderen  beweglichen  Werten  (Faustpfand),  durch  Ausstellung  von
Wechseln  usw.
Aktivgeschäfte.  Die  Deposita  kann,  selbst  wenn  es  sich  um  stets  fällige  handelt,
die  Bank  zum  Teil  ausleihen,  weil  erfahrungsgemäß  niemals  über  alle  Deposita  seitens
der  Kunden  gleichzeitig  verfügt  wird.  Welche  Summen  in  bar  jeweils  vorrätig  zu
halten  sind,  muß  durch  Erfahrung  festgestellt  werden;  es  hängt  hauptsächlich  von  den
Zahlungsbedürsniffen  des  überwiegenden  Kundenkreises  ab;  der  Rest  darf  ausgeliehen
werden,  jedoch  muß  hierbei  die  akute  Natur  der  stets-  und  kurzfälligen  Deposita  im
Auge  behalten  werden.  Als  geeignete  Anlage  der  Deposita  erscheint  die  Verwertung
im  Wechsel-  oder  Diskont-,  im  Lombard-  und  aktiven  Kontokorrentgeschäft.
Das  Wechselgeschäft  besteht  darin,  daß  die  Bank  noch  nicht  fällige  Wechsel
unter  Abzug  des  Zinses  (Diskontos)  für  die  Zeit  bis  zum  Verfalltag  kauft.  Sie
leiht  sozusagen  dem  Verkäufer  der  Wechselforderung  für  die  Zeit,  bis  wohin  der
Wechsel  fällig  wird,  Bargeld.  Die  Aufgabe  der  Bank  ist,  nicht  nur  die  Sicherheit
der  Wechsel,  also  die  Kreditwürdigkeit  des  Ausstellers  und  des  Bezogenen  und  der
etwaigen  Indossanten  zu  prüfen,  vor  falschen  (Keller-)  Wechseln  sich  zu  schützen,
Gefälligkeits-  und  Reitwechsel  scharf  im  Auge  zu  behalten,  sondern  auch  die  Laufzeit
der  ganzen  Wechselanlage  mit  der  tatsächlichen  Rückzahlung  der  Deposita  in  Einklang
zu  bringen.
Indem  die  Bank  fortwährend  Wechsel  kauft,  hat  sie  solche,  die  nur  wenige  Tage,
andere,  die  noch  8,  14  Tage,  3—4  Wochen,  2—3  Monate  laufen,  es  kommt  immer
Bargeld  ein,  sie  erhält  ununterbrochen  Teilbeträge  ihres  ausgeliehenen  Geldes  zurück.
            
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