Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

3.  Wie  studiert  man  an  der  Handelshochschule?

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„Hamburgische  Handelsakademie",  aus  der  ein  Alexander  von  Humboldt  studiert  hat,
die  Devise  trug:  „Zur  Äbung  des  Verstandes  und  zur  Verschönerung  des  Lebens",
so  könnten  wir  vielleicht  als  Sinnspruch  für  die  neue  Handelshochschule  in  Köln  die
Worte  Goethes  aus  Wilhelm  Meister  wählen:  „Ich  wüßte  nicht,  wessen  Geist  ausgebreiteter ­
  wäre,  ausgebreiteter  sein  müßte  als  der  Geist  eines  echten  Handelsmannes."
Allerdings  soll  alles  Wissen,  das  wir  darbieten,  untergeordnet  werden  dem
Interessenstandpunkt  eines  in  diesem  Goetheschen  Sinne  auf  der  Höhe  seiner  Zeit
stehenden  praktischen  Kaufmanns.  And  da  die  Städtische  Handelshochschule  zu  Köln
frei  dasteht,  nicht  gebunden  ist  an  ein  älteres,  andern  Interessen  dienendes  Institut  mit
größeren  Vorrechten,  so  kann  sie  frei  und  ungehemmt  der  immer  klareren  und  wirksameren
Ausgestaltung  dieses  einen  Zweckes  sich  widmen.  So  hofft  sie  neue  Brücken  zu  schlagen
von  der  Theorie  zur  Praxis,  wie  es  die  technischen  und  landwirtschaftlichen  Hochschulen
erfolgreich  bereits  getan  haben;  und  indem  sie  gleichzeitig  die  Theorie  zu  befruchten
sucht  durch  die  Praxis,  hofft  sie  ein  umfangreiches,  bisher  zum  Teil  totes  Wissen
nutzbar  zu  machen  für  neue  wichtige  Zwecke.  In  dieser  Weise  erstrebt  sic  nicht  einen
Ersatz  praktischer  Kenntnisse  durch  theoretische,  wohl  aber  eine  theoretische  Vertiefung
des  praktischen  Könnens  des  Kaufmanns,  eine  Weckung  seines  Bildungstriebes,  eine
Weitung  seines  Blicks,  eine  Schärfung  seiner  Beobachtungsgabe,  eine  allgemeine
Schulung  zu  selbständiger»  Denken.

3.  Wie  studiert  man  an  der  Handelshochschule?
Von  Wilhelm  Kählcr.
Kahler,  lvie  studiert  man  an  einer  Handelshochschule?  <Lin  Briefwechsel.  sAache»,  o.  I.j
Zu  beziehen  durch  das  Sekretariat  der  Kgl.  Technischen  Hochschule  zu  Aachen.  S.  5  ff.
Das  erste,  was  Sie  sich  im  Interesse  einer  Ausnutzung  Ihrer  knapp  bemessenen
Studienzeit  machen  müssen,  ist  ein  genauer  Studienplan.  And  dieser  Studienplan
wird  sich  in  concreto  einfach  darstellen  in  dem  Stundenplan,  der  Ihnen  die  Arbeit  der
Woche  zeigen  wird.  Was  Sie  in  denselben  aufzunehmen  haben,  geht  im  allgemeinen
hervor  aus  dem  Lehrplan.  Aber  diesen  Lehrplan  dürfen  Sie  nur  als  einen  Vorschlag,
nicht  als  eine  dira  necessitas  betrachten:  Abweichungen  von  demselben  sind  durchaus
erlaubt,  ja  geradezu  erwünscht.  „Eines  schickt  sich  nicht  für  alle".  Je  nach  der  Vorbildung,
je  nach  dem  Spezialgebiet,  dem  Sie  sich  später  widmen  wollen,  werden  Sie  dies  oder
jenes  entbehren  oder  bevorzugen  können.  Also:  betrachten  Sie  den  Stundenplan  nicht
als  eine  Menukarte,  die  um  jeden  Preis  abgegessen  werden  muß,  sondern  gehen  Sie
mit  den  einzelnen  Dozenten  darüber  zu  Rate,  was  Sie  aufnehmen,  was  Sic  fallen  lassen
sollen.  Diese  Herren  werden  Ihnen  stets  auf  jede  Frage  Antwort  stehen  und  Sic
gern  beraten,  wenn  Sie  ihnen  offen  ihre  Lage  klarlegen.
Das  Gerippe  des  Stundenplans  geben  nun  die  Vorlesungen  ab.  Der  Zweck
der  Vorlesungen  ist.  Ihnen  einen  Überblies  über  ein  Wissensgebiet  zu  geben.  Sie  in
die  Methode  der  Antersuchung  einzuführen  und  Ihnen  die  Anleitung  zu  geben,  wie
Sie  auf  Grund  des  Tatsachenmaterials  sich  ein  selbständiges  Arteil  bilden  können,  wie
Sie  die  gegebenen  Grundlagen  zu  eigenem  Können  verwenden  sollen.  Das  meiste,
was  in  den  Vorlesungen  gegeben  wird,  können  Sie  freilich  auch  in  Büchern  finden;
ja,  manche  Dozenten  legen  ihren  Vorlesungen  direkt  bestimmte  Leitfaden  usw.  zugrunde.
Aber  trotzdem  hat  die  Vorlesung  doch  ihre  eigenen  Aufgaben  und  Reize.  Die  Vor-
            
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