3. Die Fabrik.
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Schuldenlast gesetzt, die abgetragen werden muß. Damit dies geschehen kann, muß
jeder seine Schuldigkeit tun in Frieden und Eintracht und in Übereinstimmung mit unseren
Vorschriften.
Die jetzt allgemein verbreitete Geschäftsstillc hat bereits viele Fabriken, Lütten
und Gruben unseres Landes empfindlich berührt. Geringe Preise haben geringe Löhne
zur Folge gehabt, und bei einigen Werken ist schon vollständiger Mangel an Arbeit
und dadurch Stillstand eingetreten.
In den verschiedenen Klassen der Gesellschaft gibt es Leute, die irrtümlich die
Besserung ihrer Lage von der Änderung der Verfassung, der Regierung und der
Gesetze erwarten, dabei aber das Wesentlichste vernachlässigen, was in ihrer eigenen
Gewalt liegt. Fleiß, Ordnung und Sparsamkeit ist der erste und sicherste Schutz gegen
die beklagte Not, und wo sie fehlen, helfen auch die beste Regierung und die besten
Gesetze nichts. Umwälzungen jeder Art sind ebenso verkehrte Mittel zur Besserung
der Lage, als wenn man ein Laus wegen einzelner Fehler abbrechen wollte. Dann
wird man obdachlos. Man verbessert und repariert und erhält das Bestehende. . . .
. . . Wer zurückblickt in die Vergangenheit, muß sich überzeugen, daß große
Fortschritte gemacht worden sind zum Besten aller und vor allem auch der arbeitenden
Klasse. Schlechte Zwischenzeiten müssen durch treues Zusammenhalten der Arbeiter
mit ihrem Arbeitgeber überwunden werden. Aber vor 50 Jahren lebte kein Arbeiter
so gut in Nahrung, Wohnung und Kleidung als heute. Keiner wird tauschen wollen
mit dem Lose seiner Eltern und Vorfahren.
3. Die Fabrik.
Von Eugen v. Philippovich.
v. Philippovich, Grundriß der politischen Gkoiio,nie. 2. Ld. i, und 2. Ausl. Freiburg
i. L., I. L. B. Mohr (Paul Siebeck), *899- 5. 88-%
Die Fabrik ist der Typus des gewerblichen Großbetriebes. Eie ist die
Organisation der maschinellen Großproduttion. Alle wirtschaftlichen und technischen
Vorteile vereinigen sich in ihr. Sie vermag die Arbeitsteilung aufs vollkommenste
herauszubilden, die leistungsfähigste Technik anzuwenden, die Maschinenkraft durch
Verwendung der stärksten Motoren aufs vollkoinmenstc auszunützen, den Produttions
prozeß so zu spezialisieren, daß Übergänge von einer Arbeit zur anderen vermieden
werden. Sie ist daher vor allem die Trägerin der billigen und raschen Erzeugung
von Gütern in großen Mengen, der Lerstellung von gewissen Güterqualitäten, welche
mit den unvollkommenen Mitteln der handlverksmäßigen Technik nicht hergestellt werden
können. Sic gilt deshalb als der vollkommenste Typus der gewerblichen Produttion
überhaupt, als das Ziel, dem die Entwicklung aller übrigen Betriebsformen zusttebe.
Die Fabrik ist nicht nur ein Ergebnis der Technik; die fabriksmäßige Technik ist
vielmehr erst unter bestimmten gesellschaftlichen Voraussetzungen möglich geworden. Die
wichügsten davon sind das Wachstum der Bevölkerung und die dadurch gegebene
Möglichkeit eines Masscnabsatzes; die Verbesserung der Verkehrsmittel, welche erst die
Möglichkeit schuf, einen großen Kundenkreis von einem Puntte aus regelmäßig zu
versehen, und die Entwickelung der Landels-, Geld- und Kreditorganisation zur
Bewältigung all der wirtschaftlichen Verkehrsvorgänge, welche sich an einen solchen
Massenabsatz anschließen. Dazu kommt das Auftreten eines großen Bedarfs z. B. in
den Eisenbahnen, Dampfschiffen oder Brückenbauten, in den großen Fabriken selbst.