Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

322

Dritter  Teil.  Industrie.

An  vierter  Stelle  ist  die  am  Intermain  und  Mittelrhein  konzentrierte  chemische
Großindusttie  in  Lochst,  Griesheim  a.  M.,  bei  Frankfurt  und  Ludwigshafen  anzuführen?) ­
  Ihr  reihen  sich  die  der  Chemie  im  weiteren  Sinne  zugehörigen  Exportindustrien
  an,  zunächst  die  Zucker  fabrikatton  der  Provinz  Sachsen  (Magdeburg)?*  **) )
Lier  wie  im  Osten  und  Nordosten  sind  außerdem  die  Branntweinbrennerei  und
die  Stärkefabrikation  zu  Lause.  Die  Bierbrauerei  hat  ihren  Lauptsitz  in
München,  dann  in  den  Großstädten  Berlin,  Lamburg,  Dresden,  Dortmund  rc.;
bekanntlich  hat  sich  ihr  Produkt  weit  über  Deutschlands  Grenzen  eingebürgert.
Weiter  sind  die  Ein-  und  Ausfuhrstellen,  die  Lafenplätze  der  Nord-  und  Ostsee,
naturgemäß  zu  Standorten  für  die  Verarbeitung  und  Veredlung  der  auf  dem  Seeweg
eingeführten  Rohstoffe,  wie  Roggen,  Läute,  Jute,  Tabak,  Reis,  Kakao  usw.  geworden
und  werden  dies  immer  mehr  und  inehr.  An  den  mächtigen  Fabriken,  die  für  jene
Zwecke  in  Lamburg,  Bremen,  Kiel,  Stettin  usw.  errichtet  worden  sind,  gibt  sich  vorläufig
nur  die  Tendenz  kund,  in  der  sich  die  gesunde  Entwickelung  fortsetzen  wird.
In  den  Großstädten  —  vor  allem  in  der  Reichshauptstadt  selbst  —  führte
ein  anderes  Moment  zur  örtlichen  Konzentration  gewisser  Industrien,  nämlich  das
überreichliche  Angebot  billiger,  namentlich  weiblicher  Arbeitskraft.  Berlin  beschäftigt
in  der  Bekleidungsindustrie  (hauptsächlich  Konfektion)***)  100000,in  der  Metallindustrie ­
  74000,  in  der  Klavier-  und  Möbelfabrikation  34000,  in  den
polygraphischen  Gewerben  29000  Personen,  überhaupt  ist  Berlin  mit  seinen
460000  Arbeitern  die  mächtigste  Industriestadt  des  Deutschen  Reiches.  Relativ  mehr
Arbeiterbevölkerung  haben  nur  Dortmund  mit  637,  Barmen  mit  596,  Chemnitz  mit  570,
Aachen  mit  537,  Düsseldorf  mit  552,  Elberfeld  mit  538  Arbeitern  und  Familienangehörigen ­
  auf  je  1000  Einwohner.
Endlich  haben  wir,  um  ein  Gesamtbild  zu  geben,  noch  einige  Spezialitäten  und
ihre  altrenommierten  Fabrikationssitze  zu  erwähnen:  so  die  Porzellansabrikation
in  Meißen  und  Berlin,  den  Buchdruck  und  den  Pi  an  ob  au  in  Leipzig,  Berlin,
Stuttgart,  die  Leder-  und  Lederwarenindustrie  in  Pirmasens,  Offenbach,  Berlin,
Weißenfels,  Siegen  und  Reutlingen,  die  Feinmechanik  und  Optik****)  in  Rathenow,
Lalle,  Jena,  München,  Tuttlingen,  die  Zucker-  und  Schokoladewarenfabrikation
in  Köln,  Dresden  und  Stuttgart.

6.  Die  Textilindustrie.
Von  F.  C.  Luber.
Lj  über,  Deutschland  als  Industriestaat.  Stuttgart,  I.  G.  Cotta  Nachfolger,  tM.
S.  -l2l-427.
Inter  den  Industrien  Deutschlands  steht  geschichtlich  tvie  dein  Imfang  des  Außenhandels ­
  nach  die  Texttlindustrie  an  erster,  der  Zahl  der  beschäftigten  Personen  nach
an  fünfter  Stelle.  Kein  deutsches  Gewerbe  war  von  jeher  so  allgemein  verbreitet  und
*)  s.  den  Aufsatz  desselben  Verfassers  über  „Die  chemische  Industrie"  S.  326—328.  —  <8.  LN.
**)  s.  den  Aufsatz  von  kjermann  Paasche  über  „Die  Rübenzuckerindustrie"  S.  528  —332.
***)  s.  den  Aufsatz  von  Werner  Sombart  über  „Die  Konfektionsindustrie"  5.  332  —353.
Sonstige  exportiudustrielle  kjeimarbeit  behandeln  Rudolf  Anschütz  „Die  Spielwarenindnstrie  des
Meininger  Gberlandes"  S.  33<*—336  —  und  Eberhard  Go  thein  „Die  Schwarzwälder  Uhrenindustrie" ­
  S.  337—338.  —  G.  M.
****)  s.  den  Aufsatz  von  Karl  Faulhaber  über  „Die  optische  Industrie"  S.  338—3^1.  —  G.  M.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.