Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

336 
Dritter Teil. Industrie. 
das sind 34%, zur Spielwarenindustrie. Die in dieser Industrie im Nebenberuf 
Beschäftigten sind dabei nicht in Rücksicht gezogen. Genauer wurde die Industrie in 
ihrer Bedeutung, namentlich auch in ihrem Personenbestand, durch die Reichsprodukttons- 
stattstik des Jahres 1899 erfaßt. Darnach ergab sich folgendes: 
Die Zahl der selbständigen Betriebe, wobei die kleineren, hausindustriellen 
Betriebe eingeschlossen sind, beträgt 2395; der Gesamteinkaufswert der verbrauchten 
Rohstoffe und Vorprodukte beziffert sich auf 8 407 763 Mark, wobei entfallen auf: 
Mark 
Gewebe und alle Textilprodutte (außer Mohair) 1 464 517 
Mohair „ 463 303 
Farben, Eile, Firnisse, Leim, Lack, Wachs, Paraffin, Äther .... 633 979 
Leder, Felle, Borsten 571 770 
Metalle und Gegenstände daraus 485 168 
Holz 1 025 423 
Rohr, Bast, Loofah 23 483 
Glas und keramische Produkte, Gips, Tonerde, Porzellan 1 929 696 
Spieldosen und mechanische Triebwerke 77 207 
Papier und Pappe zur Fabrikation 881 643 
Packmaterial 573 429 
Die Zahl der in der Industrie beschäfttgten Personen beläuft sich auf 5480 Männer, 
5108 Frauen und Mädchen und 1172 Kinder, insgesamt auf 11760 Personen ohne 
Angehörige und Dienende, wobei die Bezirke Neustadt und Eisfeld, welche in der 
Regel und mit Recht zum Industriebezirk Sonncberg gerechnet werden, nicht eingeschlossen 
sind. Darnach darf mit Sicherheit angenominen werden, daß im Gcsamtindustriegebiet, 
d. h. in Sonneberg und etwa 30 umliegenden Ortschaften an 35000 Personen, im 
Kreise selbst die volle Hälfte der Bevölkerung wirtschaftlich dirctt von der Spiel 
warenindustrie abhängig sind. 
Ferner wies die Produktionsstatistik einen Verkaufswert der Iahrcserzeugung von 
Spielwaren im Sonneberger Bezirk in Löhe von über 21 Millionen Mark nach, 
wovon nur etwas über 4 Millionen zum inländischen Verbrauch gelangten. Neustadt 
ist dabei nicht mit inbegriffen. Berücksichtigt man weiter Eisfeld (wo u. a. von einem 
Betriebe mit 40—50 Arbeitern und einer Anzahl hausindustriell beschäftigter Familien 
Holzpferde, Schafe, Ziegen, Esel rc. hergestellt werden) und dessen Hinterland, sowie 
Meiningen, welches neuerdings eine Metallpuppcnfabrik erhalten hat, berücksichtigt inan 
endlich die nicht unbeträchtliche Zunahme der Produktion in den Jahren nach jenen 
Erhebungen, so darf die gegenwärtige Spielwarenproduktion im .Herzogtum auf volle 
30 Millionen Mark, d. h. auf etwa die Hälfte der deutschen Gesamt-Spielwaren- 
crzeugung bewertet werden. Die Spielwarenindustrie steht damit unter den Industrien 
des Herzogtums weit obenan. Von dem genannten Produttionswert verbleiben nur 
etwa 20% im Inland, für das Gros überschreitet der Handel die Grenzen, und er 
greift selbst in die entferntesten Erdräume über, soweit nicht Zoll- und andere 
Schwierigkeiten den Eingang verwehren. Die weitaus belangreichsten Abnehmer sind 
England, seine Kolonien und die Vereinigten Staaten Amerikas.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.