Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Dritter  Teil.  Industrie.

das  sind  34%,  zur  Spielwarenindustrie.  Die  in  dieser  Industrie  im  Nebenberuf
Beschäftigten  sind  dabei  nicht  in  Rücksicht  gezogen.  Genauer  wurde  die  Industrie  in
ihrer  Bedeutung,  namentlich  auch  in  ihrem  Personenbestand,  durch  die  Reichsprodukttonsstattstik
  des  Jahres  1899  erfaßt.  Darnach  ergab  sich  folgendes:
Die  Zahl  der  selbständigen  Betriebe,  wobei  die  kleineren,  hausindustriellen
Betriebe  eingeschlossen  sind,  beträgt  2395;  der  Gesamteinkaufswert  der  verbrauchten
Rohstoffe  und  Vorprodukte  beziffert  sich  auf  8  407  763  Mark,  wobei  entfallen  auf:

Mark
Gewebe  und  alle  Textilprodutte  (außer  Mohair)  1  464  517
Mohair  „  463  303
Farben,  Eile,  Firnisse,  Leim,  Lack,  Wachs,  Paraffin,  Äther  ....  633  979
Leder,  Felle,  Borsten  571  770
Metalle  und  Gegenstände  daraus  485  168
Holz  1  025  423
Rohr,  Bast,  Loofah  23  483
Glas  und  keramische  Produkte,  Gips,  Tonerde,  Porzellan  1  929  696
Spieldosen  und  mechanische  Triebwerke  77  207
Papier  und  Pappe  zur  Fabrikation  881  643
Packmaterial  573  429

Die  Zahl  der  in  der  Industrie  beschäfttgten  Personen  beläuft  sich  auf  5480  Männer,
5108  Frauen  und  Mädchen  und  1172  Kinder,  insgesamt  auf  11760  Personen  ohne
Angehörige  und  Dienende,  wobei  die  Bezirke  Neustadt  und  Eisfeld,  welche  in  der
Regel  und  mit  Recht  zum  Industriebezirk  Sonncberg  gerechnet  werden,  nicht  eingeschlossen
sind.  Darnach  darf  mit  Sicherheit  angenominen  werden,  daß  im  Gcsamtindustriegebiet,
d.  h.  in  Sonneberg  und  etwa  30  umliegenden  Ortschaften  an  35000  Personen,  im
Kreise  selbst  die  volle  Hälfte  der  Bevölkerung  wirtschaftlich  dirctt  von  der  Spielwarenindustrie ­
  abhängig  sind.
Ferner  wies  die  Produktionsstatistik  einen  Verkaufswert  der  Iahrcserzeugung  von
Spielwaren  im  Sonneberger  Bezirk  in  Löhe  von  über  21  Millionen  Mark  nach,
wovon  nur  etwas  über  4  Millionen  zum  inländischen  Verbrauch  gelangten.  Neustadt
ist  dabei  nicht  mit  inbegriffen.  Berücksichtigt  man  weiter  Eisfeld  (wo  u.  a.  von  einem
Betriebe  mit  40—50  Arbeitern  und  einer  Anzahl  hausindustriell  beschäftigter  Familien
Holzpferde,  Schafe,  Ziegen,  Esel  rc.  hergestellt  werden)  und  dessen  Hinterland,  sowie
Meiningen,  welches  neuerdings  eine  Metallpuppcnfabrik  erhalten  hat,  berücksichtigt  inan
endlich  die  nicht  unbeträchtliche  Zunahme  der  Produktion  in  den  Jahren  nach  jenen
Erhebungen,  so  darf  die  gegenwärtige  Spielwarenproduktion  im  .Herzogtum  auf  volle
30  Millionen  Mark,  d.  h.  auf  etwa  die  Hälfte  der  deutschen  Gesamt-Spielwarencrzeugung
  bewertet  werden.  Die  Spielwarenindustrie  steht  damit  unter  den  Industrien
des  Herzogtums  weit  obenan.  Von  dem  genannten  Produttionswert  verbleiben  nur
etwa  20%  im  Inland,  für  das  Gros  überschreitet  der  Handel  die  Grenzen,  und  er
greift  selbst  in  die  entferntesten  Erdräume  über,  soweit  nicht  Zoll-  und  andere
Schwierigkeiten  den  Eingang  verwehren.  Die  weitaus  belangreichsten  Abnehmer  sind
England,  seine  Kolonien  und  die  Vereinigten  Staaten  Amerikas.
            
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