Full text: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Dritter Teil. Industrie. 
Der Wechsel der Absatzbedingungen in den einzelnen Ländern, Verbote und 
Zollschwierigkeiten, die ihnen bereitet wurden, veranlaßten die größeren Ihrenkompagnicn, 
sich planmäßig in verschiedenen Gebieten festzusetzen. Je nach den Kenntnissen und 
Fähigkeiten ward jeder einzelne „Kamerad" für einen Platz, für einen Zweig des 
Geschäftes bestimmt. Der Anfänger, der Ihrenknecht, erhielt wohl einen Kasten mit 
Ihren für sich persönlich; aber er ward verpflichtet, die Kenntnis der Sprache und 
der Korrespondenz des Landes, in welches man ihn schickte, sich anzueignen. Fast 
unmerklich gestalteten sich die ansehnlichsten dieser halbbäucrlichen Genossenschaften zu 
modernen Aktiengesellschaften um. 
Freilich soll man nicht meinen, daß in ihnen jemals viel von einer patriarchalischen 
Verfassung zu spüren gewesen wäre. Die harten Köpfe der Schwarzwäldcr fügten 
sich nicht leicht dem Zwange der Genossenschaft. Parteiungen, Familieneifersucht, vor 
allem der Ehrgeiz einzelner unternehmender Mitglieder, die den Vorsichtigeren, 
Langsameren ihren Willen aufdrängen, machen die Geschichte jeder einzelnen dieser 
Kompagnien zu einem interessanten psychologischen Gemälde. Die Spekulationen im 
fremden Land, wobei die Kühnheit doch oftmals den Äberblick nicht ersetzte, unter 
gruben nur zu oft die Solidität des Geschäftes. Dann suchte der Ländler die 
Einkaufspreise aufs äußerste zu drücken; nur der, welcher als wirklicher Künstler schuf, 
konnte dauernd auf lohnenden Absatz rechnen. Zeitweise war der Gegensatz zwischen 
Ländlern und Ihrenmachern der schärfste, zumal auch hier Mittelsmänner, Speditoren 
oder Packer sich unentbehrlich zu machen wußten. 
Im solchen Mißständen vorzubeugen, war für die zuverlässigen Ihrenkompagnien 
die strenge innere Verfassung noch notwendiger als für die Glasträger. Durch den 
Beschluß aller Kameraden ward bestimmt, wer aufgenommen werden solle; auch von 
den Söhnen der Mitglieder wurde selten mehr als einer zugelassen. Gemeinsain ward 
bei der Rechnung der Gewinnanteil des einzelnen festgestellt. Jeder mußte sich auf 
den Platz begeben und ihn verlassen, wie die Kompagnie es anordnete. In der Regel 
sollte ein jeder im Verlaufe bestimmter Zeit nach der Leimat zurückkehren, und nur 
dort durfte er Weib und Kind haben, damit er auch wirklich echter Schwarzwälder 
bleibe. Die Abgefallenen, die oft im Auslande zu den gefährlichsten Konkurrenten 
der heimatlichen Industrie wurden, sah man schlechthin als Verräter, als Verbrecher 
an. Ind langezeit blieb das Ziel erreicht: in allen Lauptstädten, auf allen Land- 
sttaßen Europas und bald auch Amerikas waren die Söhne des Schwarzwaldes zu 
finden; aber immer behielten sie den Gedanken im Lerzen, im Alter in behäbigem 
Wohlstand in ihren heimischen Bergen zu weilen. 
12. Die optische Industrie. 
Von Karl Faulhaber. 
Faulhaber, Die optische Industrie. In: Handbuch der lvirtschaftskunde Deutschlands. 
Herausgegeben im Auftrage des Deutschen Verbandes für das kaufmännische Unterrichtswesen. 
3. Bd. Leipzig, B. <8. Teubner, zgo-z. S. 45s—457 und S. -470—472. 
In Deutschland war der Prediger Duncker zu Rathenow der erste, welcher (im 
Jahre 1800) die gewerbsmäßige Lerstellung von Brillengläsern und optischen Linsen 
nach streng tvissenschastlicheir Grundsätzen aufnahm. 
Von hoher Bedeutung für die weitere wissenschaftlich praktische Entwickelung der 
Optik wurde das Wirken Frauenhofers in München (1787—1826) und seiner Schüler
	        
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