Full text : Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

2.  Weltwirtschaft  und  Nationalerziehung.

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Arbeit  im  Dienste  einer  Idee.  Finden  wir  mehr  Idealismus  bei  den  Spezialisten
der  Wissenschaft  oder  bei  den  Vertretern  des  Wirtschaftslebens?  Ich  glaube,  die  Wage
steht  ein!  Zieht  man  auf  der  Seite  der  reinen  Wissenschaft  alle  Arbeit  ab,  die  nicht  lediglich
um  der  Sache  selbst  willen  geschieht,  d.  h.  alles  Strebertum  und  alle  Eitelkeit  usw.,  so
ist  vieles  zu  streichen,  es  bleibt  aber  glücklicherweise  auch  recht  vieles  übrig.  Genau
so  steht  es  aber  auch  auf  der  andern  Seite.  Daß  der  Ingenieur  z.  B.  gelegentlich
eine  Riesenarbeit  unternimmt,  nicht  um  Geld  zu  verdienen,  sondern  weil  ihn  das
Problem  an  sich  lockt  und  nicht  mehr  freigibt,  bis  er  ihm  genug  getan  hat,  wird
oft  nicht  beachtet.  Oder  etwas  anderes!  Anter  den  Wissenschaften,  welche  bei  der
Entwickelung  unseres  kaufmännischen  Anterrichtswesens  neu  zu  schaffen  sind,  befindet
sich  auch  die  Äandelsbetriebslehre,  mit  deren  Schöpfung  augenblicklich  Theoretiker
und  Praktiker  des  Deutschen  Verbandes  für  das  kaufmännische  Anterrichtswesen  in
gemeinsamer  Arbeit  beschäftigt  sind.  Schon  die  Definition  dieser  Wissenschaft,  welche
Böhmert  in  Dresden,  der  unermüdliche  und  selbstlose  Vorkämpfer  des  Volkswohles,
gegeben  hat,  ist  bezeichnend:  „Sic  ist  der  Inbegriff  von  Lehren  und  Regeln,  welche
für  den  guten  und  zweckmäßigen  Betrieb  von  Handelsgeschäften  maßgebend  sind;
sie  hat  die  Grundsätze  der  Wirtschaftslchre  auf  den  kaufmännischen  Betrieb  anzuwenden
und  die  Mittel  und  Wege  zu  erörtern,  um  dem  Kaufmann  und  Großindustriellen  zu
einem  redlichen  Privatgewinn  oder  Einkommen  zu  verhelfen,  ohne  die  Interessen  des
Gemeinwohles  zu  schädigen."  Dazu  mag  noch  bemerkt  werden,  daß  die  Stellung  der
Landelsbetriebslehre  zur  Ethik  mit  ganz  besonderer  Sorgfalt  untersucht  und  bestimmt
wird,  wobei  als  selbstverständlicher  Grundsatz  gilt,  daß  die  Ethik  für  den  Kaufmann
keine  andere  ist  als  für  jeden  anderen  Menschen,  [f.  S.  50  f.]  Darf  ich  aus  meinen  eigenen
Erfahrungen  noch  etwas  hinzufügen,  so  möchte  ich  betonen,  daß  ich  nirgends  so  viel
Idealismus  gefunden  habe,  wie  in  dem  Kreise  des  Deutschen  Verbandes  für  das
kaufmännische  Anterrichtswesen,  gerade  die  gemeinsame  Arbeit  in  diesem  Kreise  wird
mir  persönlich  stets  eine  wertvolle  und  hoffnungsvolle  Erinnerung  bleiben.
And  der  Kunst  gegenüber,  natürlich  der  echten  und  großen,  der  höchsten  Form
menschlichen  Geisteslebens,  wie  stellt  sich  da  die  Teilnahme  der  verschiedenen  Berufe?
Ich  glaube,  hier  gilt  noch  in  weitem  Amfange  das  Wort  Goethes:  „Wir  Deutschen
sind  von  gestern!  Wir  haben  zwar  seit  einem  Jahrhundert  ganz  tüchtig  kultiviert,
allein  es  können  noch  ein  paar  Jahrhunderte  hingehen,  ehe  bei  unseren  Landsleuten
soviel  Geist  und  höhere  Kultur  eindringe  und  allgemein  werde,  daß  sie  gleich  den
Griechen  der  Schönheit  huldigen,  daß  sic  sich  für  ein  hübsches  Lied  begeistern,  und  daß
man  von  ihnen  wird  sagen  können,  cs  sei  lange  her,  daß  sie  Barbaren  gewesen."
Sollte  aber  jemand  auf  der  Seite  der  Vertreter  des  Wirtschaftslebens  in  alledem
eine  ungünstigere  Bilanz  finden,  so  würde  zu  bemerken  sein,  daß  da,  wo  die  Berührung ­
  mit  der  Materie  am  engsten  ist,  auch  die  Gefahr,  ihrem  Einflüsse  zu  verfallen,
am  größten  ist,  und  daß  man  bei  der  Beurteilung  der  Menschen  stets  nicht  bloß
zählen,  sondern  auch  wägen  soll.
And  dann  bedenke  man  dabei  noch  eins,  im  besonderen  im  Linblick  auf  unsere
deutschen  Verhältnisse!  Ansere  deutschen  Techniker  und  Kaufleute  haben  uns  in  harter
Arbeit  die  Stellung  auf  dem  Weltmärkte  geschaffen,  auf  die  wir  so  stolz  sind.  And
von  welcher  Grundlage  aus!  Man  vergleiche  das  Deutschland  des  Wiener  Kongresses
mit  dem  neuen  Reiche!  Die  Zeit  der  härtesten  Arbeit,  die  unseren  Pionieren  keine
Muße  zur  Selbstbesinnung  gelassen  hat,  ist  bereits  vorüber,  die  Arbeit  für  die
Zukunft  kann  sich  jetzt  bereits  auf  die  Vergangenheit  stützen.  In  dieser  Zukunft  wird
der  Grundsatz  „Richesse  oblige“  immer  weitere  Anwendung  finden  und  im  besonderen
wird  die  englische  Einrichtung  der  junior-pgrtners  sicher  auch  in  unserer  Wirtschafts--welt
  mehr  und  mehr  um  sich  greifen,  wonach  der  Kaufmann  und  der  Industrielle,  der
cs  vorwärts  gebracht  hat,  die  tägliche  Arbeit  seines  Betriebes  auf  jüngere  Schultern
            
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